Konzertkritik: Rapper Prinz Pi in der Muffathalle in München

Rapper Prinz Pi füllt zweimal die Muffathalle mit seiner "Nichts war umsonst"-Tour und verzichtet auf Klischees.
| Dena Brunner
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Rapper Prinz Pi.
dpa Rapper Prinz Pi.

München - Auf einem großen weißen Tuch ist ein Mond zu sehen. Es dient als Leinwand. Prinz Pi betritt die Szenerie und außer dem Fan-Geschrei ist keine Musik zu hören. Er beginnt Zeilen aus seinem Song "Keine Liebe" aufzusagen, wie ein Schüler ein Gedicht im Deutschunterricht: "Was in deinem Kopf drin ist, kann keiner klonen. Wir alle sind zusammengesetzt aus den gleichen Atomen, doch keiner hat deine Kombination."

Der 38-jährige Rapper trat bereits am Abend zuvor in der Muffathalle auf. Aufgrund der großen Nachfrage seiner "Nichts war umsonst"-Tour gibt er eine Zusatzshow, die ebenfalls ausverkauft ist.

Die drei vorherigen Alben "Kompass ohne Norden", "pp=mc²" und "Im Westen nix Neues" aus dem Jahren 2013 bis 2016 erreichten alle Platz eins der deutschen Charts. Als das weiße Tuch mit dem Mond von der Decke fällt, entblößt die Bühne einen Background-Rapper, einen Keyboarder sowie einen E-Gitarristen. Das Ziel des Konzerts ist laut Prinz Pi, den vorherigen Abend zu toppen.

Rapper Prinz Pi füllt die Muffathalle zweimal 

Diese Aufgabe nimmt er so ernst, dass er das Stück "100X" nach wenigen Sekunden unterbricht und erneut anfängt, weil ihm das Publikum nicht laut genug mitgeklatscht hat. Seine Koketterie zieht sich auch auf seinem Album-Cover weiter, das er hinter sich auf die Bühne projiziert. Eine Silbermünze mit seinem Gesicht im Profil, umrandet mit den Worten "1979, Prinz Pi, Nichts war umsonst". Das Publikum stört das nicht, seinen 2011 erschienenen Hit "Du bist" singt es laustark mit, ebenso wie die Ballade "Elfenbeinturm" von 2009. Sein Erfolgsrezept? Das Weglassen von Hip-Hop-Klischees: Es gibt keine Goldketten, keine gewaltverherrlichenden oder frauenfeindlichen Texte.

Stattdessen trägt Prinz Pi, der eigentlich Friedrich Kautz heißt, zurückgegelte Haare, Brille und Manowar-Shirt. 14 Studioalben hat der studierte Kommunikationsdesigner veröffentlicht.

Seine Lieder sind sozialkritisch, philosophisch, melancholisch. Nachdenklich tritt Kautz trotzdem nicht auf: Er interagiert auffällig stark mit seinen Fans, tanzt und gibt zwischendurch Anweisungen, was die Münchner tun sollen. Die Hände heben und im Takt bewegen bei "Haus im Wald" zum Beispiel oder den Refrain von "Der neue iGod" mitsingen. Ob die Erwartungen an den zusätzlichen Abend übertroffen wurden, weiß nur der der Berliner Rapper. Und auch, ob das alles nur reine Eitelkeit war. 

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