Kontroverse WM 2026: Flo Weber von Sportfreunde Stiller schimpft über "Drecks-Trump-Regierung"
Das neue Album der Sportfreunde Stiller heißt passenderweise "Happy Birthday". Gratuliert wird der Band allenthalben – anlässlich des 30. Bandjubiläums sind die drei Germeringer allgegenwärtig: Im Mai füllten Peter Brugger, Rüdiger Linhof und Flo Weber die Olympiahalle. Ihr Tollwood-Konzert am 1. Juli ist nahezu ausverkauft. Ihre Deutschlandtour führt sie durch viele weitere große Hallen, und in der ARD-Mediathek läuft die neue Doku "Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand". Zum großen Ruhm der Band trug maßgeblich "54, 74, 90, 2006" bei, der Song zum deutschen Sommermärchen vor zwanzig Jahren. Die AZ hat bei Schlagzeuger Flo Weber nachgefragt, ob die drei angesichts des großen Jubiläumsrummels Zeit haben, auch die aktuelle WM zu verfolgen.
Flo Weber von Sportfreunde Stiller im Interview über die WM 2026
AZ: Herr Weber, ganz schön viel los bei Ihnen. Ist da noch Raum für WM-Stimmung?
FLORIAN WEBER: Es wäre sehr viel Raum für WM-Stimmung. Das liegt gar nicht an unserem Zustand, sondern an diesen Zweifeln und der Unsicherheit im Austragungsland. Aber da bin ich ja nicht der Erste, der das sagt.
Wohl wahr. Was wird das für eine WM? Gefühlt 700 Spiele in drei grundverschiedenen Ländern, darunter ein Pseudo-Fußballland wie die USA…
Amerika an sich hätte mittlerweile schon einen ganz guten Bezug zum Fußball. Die Fangemeinden ticken ja tatsächlich eher links. Eigentlich wäre es gar nicht so schlecht, da Fußball zu feiern, aber es ist halt die Drecks-Trump-Regierung in Verbindung mit Infantino und der Fifa, die das alles so eklig macht. Aber ich hoffe, dass wir den Blick aufs Sportliche bekommen, dass doch alle Fahnen bunt sind und wir irgendwie eine Vereinigung hinkriegen, dass die Fans glücklich sind und vor allem in Sicherheit die WM feiern können. Aber es ist schon eine Farce, was da passiert mit der Kostenexplosion der Ticketpreise und den Androhungen an Fans mancher Länder. Furchtbar.

Bei anderen Weltmeisterschaften konnte man schon mal auf verrückte Ideen kommen und sagen „Wir fahren einfach mal hin“. Aber bei diesen Irrsinns-Preisen…Also, ich habe einen Kumpel da drüben und könnte mir schon vorstellen, mit dem das ein bisschen zu feiern. Aber man hat jedenfalls keinen überzeugten Antrieb.
Flo Weber: "Ich gehe davon aus, dass 'Hey Buddies' ein großes Fankurvenlied werden könnte"
Wie viel werden Sie überhaupt mitbekommen von der WM? Ihr Tourplan ist ja unerbittlich: Selbst bei Deutschland-Spielen stehen Gigs an…
Beim ersten Spiel stehen wir direkt auf der Bühne. Letzte Woche in Braunschweig hab ich bei Sascha Zverevs Halbfinalspiel schon versucht, beim Soundcheck am Nachmittag die beste Position für meinen Computer zu finden, damit ich gegen Curaçao auch wirklich dieses 3:0 mitkriege. Aber klar, es wird schwierig mit den Zeiten. Beim zweiten Spiel gegen die Elfenbeinküste kommen wir gerade von der Bühne, da ist das Konzert glücklicherweise an einem Ort, wo um 22 Uhr Ruhe sein muss. Da kriegen wir den Anpfiff gerade so mit. Gegen Ecuador haben wir jetzt erstmal geblockt. Da habe ich gesagt: ‚Da will ich grillen und mit den Kumpels schauen.‘ Aber du kannst den Beruf natürlich nicht wegschieben. Irgendwie ist es ja doch möglich, dass man ein bisschen drauf schielt.
Auf der neuen Platte findet sich kein Song mit Fußball-Bezug, oder?
Kein einziger, interessanterweise! Aber ich gehe davon aus, dass "Hey Buddies" schon ein großes Fankurvenlied werden könnte.
Wie viel Fußball schauen Sie noch?
Ich guck alles. Und ich bin beeindruckt von Freunden, die es tatsächlich schaffen, aufgrund der Situation mit der Fifa den gesamten Fußball zu boykottieren. Ich finde ihn wahnsinnig toll, mir liegen Sport und Wettkampf am Herzen. Ich schaue jetzt nicht albanische vierte Liga, aber Champions League, Euro League, Bundesliga – wenn ich Zeit hab. Ich bekomme natürlich mit, dass die Löwen untergehen, werde mitbekommen, dass die Deutschen im Achtelfinale gegen Frankreich rausfliegen, und wir werden alle staunen, wie Norwegen Weltmeister wird.

Weber: "50 Jahre Sport hinterlassen Zeichen und Leiden"
Wie sieht es mit selber kicken aus?
Ich hab‘ zu viele Blessuren. 50 Jahre Sport hinterlassen Zeichen und Leiden. Aufgrund der Liebe zu meinen Kumpels – wir haben ja über 30 Jahre lang jeden Dienstag gekickt – schaue ich alle drei, vier Wochen vorbei, stelle mich ein bisschen ins Tor, und das war es leider momentan.
Rennen ist nicht mehr drin?
Aktuell nicht, das Sprunggelenk macht nicht mit.
Und Ihr altes Team, die Atomic Allstars? Zerstreut in alle Winde?
Ja, aber wir schaffen es, dass wir alle zwei Jahre, im Juli zum zweiten Mal, mit ein paar befreundeten Theken-Mannschaften für unseren verstorbenen Captain Schorsch ein Turnier austragen. Lustigerweise stehe ich gerade vor dem Pokal. Letztes Jahr hab‘ ich den entworfen, und da es kein Wanderpokal ist, muss ich dieses Jahr wieder einen entwerfen. Die Coppa Schorschinho, das verbindet uns noch. Die Zeit war Wahnsinn, hat super Spaß gemacht, wir sind immer noch befreundet, auch wenn wir uns nicht oft sehen.
Nochmal zur WM: Wer wird der Überraschungskicker des Turniers?
Es wäre Lennart Karl geworden. Und sonst? Oliver Baumann werden wir viel zu verdanken haben, denn ich glaube nicht daran, dass Manuel Neuer sich erholt.
Und wenn, dann holt er sich gleich die nächste Verletzung.
Obwohl ich Fan von Julian Nagelsmann bin: Diese Entscheidung verstehe ich nicht so ganz. Aber lassen Sie mich kurz überlegen, wer die WM-Überraschung wird. Ich habe gestern schon intensiv das Kicker-WM-Heft durchgeblättert. Warum nicht einer aus Japan? Die könnten doch überraschen, oder? Vielleicht Daichi Kamada, ehemals Eintracht Frankfurt? Ja, ich sag‘ Kamada!
Flo Weber: "Infantino und Trump könnten dafür sorgen, dass die USA ziemlich weit kommen"
Sind Sie noch im Panini-Kosmos unterwegs?
Mich zuckt es schon, aber ich habe mich dagegen entschieden, weil bei 900 Bildern wirst du ja arm. Da brauchst du eine intensive Tauschgemeinschaft, und da hab‘ ich keinen Bock mehr drauf. Schade, es macht ja Spaß und ist verbindend. Aber von dem Geld kann man einen schönen Urlaub machen.

Was trauen Sie dem deutschen Team zu?
Wahnsinnig gute Offensive! Lennart Karl wäre mein Überraschungsgast gewesen, der für Furore sorgen könnte. Ich bin mir aber sicher, dass Leroy Sané das gut machen wird, auch wenn jeder draufhaut. Und ich glaube echt, dass spätestens im Achtelfinale gegen Frankreich Schluss ist. Aber die ersten Spiele werden Spaß machen.
Und Weltmeister werden also, wie Sie sagten, die Norweger?
Wenn ihnen nicht zu heiß ist. Von denen erwarte ich was. Haaland, Odegard, Nusa über links, dazu Ryerson: Das sind keine Blinden. Und dann dieses Wikinger-Foto, das sie geschossen haben! Da ist irgendwie eine Energie da, die haben Bock. Könnte nur sein, dass sie an den Temperaturen scheitern. Deswegen ist vielleicht Kolumbien gar kein schlechter Tipp, mit Luis Diaz. Ja gut, Infantino und Trump könnten natürlich dafür sorgen, dass die USA ziemlich weit kommen.
