Kirill Petrenko dirigiert die "Missa solemnis" im Nationaltheater

Kirill Petrenko dirigiert in der Staatsoper die „Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven
| Michael Bastian Weiß
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Das Bayerische Staatsorchester im Nationaltheater.
Wilfried Hösl Das Bayerische Staatsorchester im Nationaltheater.

Wenn er ein besonders schlagkräftiges Sforzato haben will, schaut er die Streicher des Bayerischen Staatsorchesters schon Sekunden vorher wild entschlossen an – der Akzent sitzt wie eine Eins. Es kann aber auch passieren, dass er die Bläser mit energischen Gesten davon abbringt, allzu satten Wohlklang zu verströmen. Am schönsten aber ist es, wenn Kirill Petrenko gegen Schluss der „Missa solemnis“ D-Dur geradezu malerisch in die Ferne schaut, als wollte er Ludwig van Beethovens brüchige Friedensvision illustrieren. Der russische Dirigent scheint sich mit diesem Stück zu identifizieren, so stark, wie es etwa noch bei seinem „Fidelio“-Debüt nicht zu beobachten war.

Das dirigentische Schauspiel lenkt nicht davon ab, dass in dieser Aufführung des auch heute noch extrem schwierigen Werkes vor allem eine einsame handwerkliche Meisterschaft zu bestaunen ist. Sie bemisst sich darin, wie es Petrenko gelingt, noch die massivsten Tutti schwerelos zu balancieren. Selbst, wenn der von Sören Eckhoff exzellent einstudierte Chor der Bayerischen Staatsoper in heikelsten Höhen singt, kann er noch angenehm gedämpft werden.

Ein Hauch von "Fidelio"

Die komplizierten Chorfugen legt Petrenko planvoll an, er kann das Tutti sogar dann noch modellieren, wenn bei Aufführungen berühmter Kollegen schon längst das Limit der dynamischen Entfaltung erreicht ist. Gleichzeitig ist die absolut souveräne Ruhe, die Petrenko ausstrahlt und auf das sensible Bayerische Staatsorchester überträgt, immer lebendig durchpulst. Im „Benedictus“, das so häufig zu laut, zu verkrampft vorgestellt wird, schwebt der fabelhafte Konzertmeister David Schultheiß in himmlischer Zartheit über dem Geschehen.  

Besonders sei betont, dass das Solistenensemble aus Sängern gebildet wird, die sämtlich an der Staatsoper wirken: Die Altistin Okka von der Damerau und der Bassist Tareq Nazmi sind mit Petrenkos Stil vertraut und stimmen, bei höchst individueller Gestaltung ihrer Partien, bestens zusammen. Und mit der Sopranistin Marlis Petersen und dem Tenor Benjamin Bruns kann man den Eindruck haben, dass Leonore und Florestan, die Hauptfiguren aus dem „Fidelio“, sich ein Stelldichein geben, um mit ihrem mutigen Idealismus auch diese Messe zu veredeln. So wird in dieser maßstabssetzenden Aufführung nicht nur der Buchstabe des Werkes perfekt realisiert. Auch dessen utopischer Geist stellt sich in der Staatsoper ein, fast zum Greifen nah.

Das letzte Konzert der Serie am 20. Februar um 20 Uhr im Nationaltheater ist ausverkauft, Restkarten an der Abendkasse

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