Jonas Kaufmann hadert mit der Akustik

Beim „Lied von der Erde“ mit Jonas Kaufmann verließen mehrere Besucher die Elbphilharmonie, dazu kamen Rufe wie „Hier hört man auch nichts!“
| Robert Braunmüller
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twa ein Drittel der Zuhörer sitzt in der Hamburger Elbphilharmonie hinter dem Orchester. Wenn Sänger – wie üblich – vor den Musikern an der Kante des Podiums platziert werden, führt das zu akustischen Problemen, die in schuhschachtelförmigen Sälen nicht auftreten.
Christian Charsius twa ein Drittel der Zuhörer sitzt in der Hamburger Elbphilharmonie hinter dem Orchester. Wenn Sänger – wie üblich – vor den Musikern an der Kante des Podiums platziert werden, führt das zu akustischen Problemen, die in schuhschachtelförmigen Sälen nicht auftreten.

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Wer in der Hamburger Elbphilharmonie hinter dem Orchester sitzt – wo sich mindestens ein Drittel aller Plätze befindet – darf zwar dem Dirigenten ins Gesicht sehen, sieht daher aber alle Orchestermusiker nur von hinten. In reinen Symphoniekonzerten stört das kaum, weil die meisten Instrumente ihren Klang in alle Richtungen abstrahlen. Sobald aber ein Sänger neben dem Dirigenten an der Rampe steht, wird die sogenannte Weinbergform des Konzertsaals auch zum akustischen Problem.

Davon war – auch in dieser Zeitung – bereits nach der Eröffnung die Rede. Für Arienabend mit Orchester, Chorsinfonik wie Requiem-Vertonungen von Verdi, Mozart oder Brahms finden dort nur für jene Glücklichen statt, die vor dem Orchester sitzen. Auch Konzerte mit Solo-Klavier sind in dem neuen Saal heikel.

Unmittelbar nach der Eröffnung vor zwei Jahren herrschte die große Euphorie. Nun reagiert das Publikum kritischer. Das bekam am vergangenen Samstag Jonas Kaufmann zu spüren, der dort – wie kürzlich im Münchner Gasteig – mit dem Sinfonieorchester Basel für eine Aufführung von Gustav Mahlers „Das Lied von der Erde“ gastierte.

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Kaufmann wurde laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ durch Zwischenrufe wie „Man hört hier hinten auch nichts“ gestört. „Mehrfach, und am liebsten bei leisen Stellen, hatten Zuhörer – bestens hörbar und sichtbar– ihre Plätze verlassen. Andere spazierten aus seitlichen oder hinteren Bereichen weiter nach vorn – oder gleich ganz hinab, zu einzelnen frei gebliebenen Plätzen ins Parkett“, berichtet Joachim Mischke im „Abendblatt“.

In einem Telefoninterview mit dem Journalisten äußerte der Sänger teilweise Verständnis für das Publikum, das sich auf einem Teil der Plätze „wie Zuhörer zweiter Klasse“ fühlte. Kaufmann überlegt, beim nächsten Mal eine kleine Ansprache darüber zu halten, „wie filigran die Akustik im Großen Saal ist. Und dass man dort aber auch der Tatsache Rechnung tragen muss, dass wirklich alles für alle hörbar ist“.

Mit drehbarer Bühne

Kaufmann findet es problematisch, dass man bei der Planung der Elbphilharmonie „einzig an Konzerte mit großen Orchestern gedacht hat und nicht an die Vielfalt unseres Metiers“. Er erwägt, für seinen nächsten Auftritt in Hamburg den Saal zu wechseln: „Ich kann mir gut vorstellen, den nächsten Liederabend in der Laeiszhalle zu geben. Dort ist es doch wunderbar.“

Und einen Vorschlag hat er auch noch: „Man hat so viel Geld für den Bau ausgegeben – kann man nicht auch noch eine Drehbühne für kleinere Formate einbauen?“

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