Janoska-Ensemble kommt nach München

Die Kunst mitreißender Anverwandlung: Das Janoska Ensemble schaut jetzt mit dem Album "Revolution" auch auf die Fab Four.
| Adrian Prechtel
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Das Janoska-Ensemble ist ein Quartett mit Klavier, das die klassischen Grenzen witzig erweitert: Ondrej Janoska, der Schwager aus Konstanz Julius Dravas, Franti(s)ek als Pianist und Roman Janoska.
Julia Wesely Das Janoska-Ensemble ist ein Quartett mit Klavier, das die klassischen Grenzen witzig erweitert: Ondrej Janoska, der Schwager aus Konstanz Julius Dravas, Franti(s)ek als Pianist und Roman Janoska.

Das Wort "Klassik" behauptet ja, dass es sich um das Eigentliche handelt. Alles andere ist dann nur noch ein Drumerherum. Das Gebrüder-Ensemble Janoska (zwei Violinen, ein Klavier und der Schwager am Kontrabass) bleibt dem Ankerbegriff "Klassik" auch grundsätzlich treu. Denn Tschaikowsky kommt melodiös vor (das siebte Stück der neuen CD), Bach steuert als Nummer 5 seine Air bei, und bei Mozart darf – erweitert um Mendelssohns Hochzeitsmarsch-Anklang – Figaro als Ouvertüre (Stück Nr. 1) heiraten. Aber immer geht es auch sanft jazzig zu, jedenfalls swingend, wobei man die Brücke zur Caféhaus- zur Salonmusik schlägt, wozu wiederum gut die lässige Nummer "Night and Day" (Nr. 8) passt, die wie eine Beethoven-Mondscheinsonate beginnt. Schon mit all diesen Arrangements ist verspielt und elegant bewiesen, dass Klassik sich immer dann mit anderem verträgt, wenn es eben geniale und nicht primitive Musikeinfälle sind, wie sie eben ein Cole Porter liefern konnte.

Janoska-Ensemble: Neues Album ist da

"Revolution" heißt das neue Album der vier balkanischen Wiener. Und da haben sie auch die von ihnen behauptete "Pop-Revolution" der Fab Four, der Beatles, im Sinn. So nach dem unbescheidenen Motto: "Wie die Beatles die Popmusik revolutioniert haben, wollen wir im gewissen Sinne die Klassik revolutionieren", sagt der Kontrabassist Julius Darvas: "Und wir lassen dabei die zur Barockzeit ja noch übliche freie Improvisation wieder aufleben" – was ja auch wiederum eine Jazz-Element ist.

"Yesterday" (Track 2), "Penny Lane" (Track 9) und zum Schluss "Let It Be" sind dann die hier interpretierten Werke: In "Yesterday" fließt ein wenig Bach ein, bei der Straßennummer, in der das Piano den vorwärtstreibenden Rhythmus angibt, während die Geigen die Melodie vorgeben, meint man Pfennigmünzen auf die Pflastersteinen fallen, dann springen und dann tanzen zu sehen. Und das beruhigende Lied vom Loslassen ist hier in einer wunderschönen Balance aus unschmalziger Elegie und perlender Heiterkeit.

Wie überhaupt hier die große Emotion der eingängigen Stücke nicht geleugnet, aber eben niemals verkitscht wird. Wozu auch die große Lust von Ondrej, Roman Franti(s)ek und Julius beiträgt, mit Klassikern zu spielen, sie dabei ernst zu nehmen, und da wo man verspielt ist, das eben intelligent macht. Und da fallen die zwei Eigenkompositionen nicht im geringsten ab – gegen Fritz Kreisler oder Henryk Wienawski.

So ist ein Album entstanden, das nicht einfach "revolutionär" ist, aber dabei viel besser, nämlich unterhaltsam, anspruchsvoll, verspielt, virtuos und witzig.


CD: Janoska Ensemble: "Revolution" (Deutsche Grammophon) Konzert: Freitag, 22. März, Allerheiligenhofkirche, 20 Uhr, 32 – 49 Euro, Karten: 089 54 81 81 81

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