In Saalgewittern

Vor einer Woche beschlossen Dieter Reiter und Horst Seehofer die gemeinsame Renovierung des Gasteig. Was ist daran so schlimm?
| Robert Braunmüller
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Dieses Schild warnte kürzlich am Eingang zu einer Münchner Wohnung vor gefährlichen Gesprächsthemen bei einer Feier.
RBR Dieses Schild warnte kürzlich am Eingang zu einer Münchner Wohnung vor gefährlichen Gesprächsthemen bei einer Feier.

Vor einer Woche beschlossen Dieter Reiter und Horst Seehofer die gemeinsame Renovierung des Gasteig. Was ist daran so schlimm?

Woran erkennt man den Weltuntergang? Laut Bibel am vorherigen Duell der Riesen Gog und Magog. Und wahrlich, es herrscht Aufruhr im Land. Der BR-Riese Ulrich Wilhelm nennt den schwarzen Riesen Horst Seehofer einen Pharisäer und verbannt Politiker aus den Soaps des Schwarzfunks. Seehofer giftet zurück, er käme sich nun wie ein Aussätziger vor. Vermutlich treten nun alle BR-Mitarbeiter geschlossen von der CSU zu den Grünen über, weil deren Abgeordneter Sepp Dürr nichts gegen einen Konzertsaal im Landschaftsschutzgebiet hat.

Die Welt dreht sich wie eine Töpferscheibe, das Ende ist nahe. Warum streiten die Riesen wirklich? Über den Untergang des Abendlands, der am Montag beschlossen ward. Da einigten sich Seehofer und OB Dieter Reiter, gemeinsam den Gasteig zu sanieren. Der Staat investiert in das städtische Kulturzentrum und verzichtet dafür auf den Bau eines eigenen Konzertsaals.

Das ist die zweitbeste Lösung. Ein demokratieüblicher Kompromiss. Somit kein Weltuntergang. Und kein Grund zum Heulen und Zähneklappern. So recht wurde das Neubauprojekt auch nie zu Ende gedacht. Man kann nicht rundfunkpolitisch nach Staatsferne rufen und gleichzeitig den Staat einen Konzertsaal für das Orchester des Senders bauen lassen. Wer hätte die laufenden Kosten des Betriebs bezahlt? Auch der Staat. Sponsoren wollten sich angeblich erst nach der Festlegung eines Standortes outen. Falsche Freunde, leider, die dem Projekt mehr geschadet als genutzt haben.

Vielleicht wird aus dem Interim noch ein dritter Saal?

Überhaupt ist selten ein begrüßenswertes Projekt ungeschickter betrieben worden. Das Symphonieorchester des BR und seine Fans wollten mit dem Getöse der Posaunen von Jericho in den Marstall oder den Kongresssaal des Deutschen Museums. Dass da schon jemand drin war, merkten sie in beiden Fällen erst hinterher. Zehn Jahre, zwei Niederlagen. Und nichts gelernt. Großprojekte bekommt man nur mit Verbündeten. Nach ihnen hat das Symphonieorchester des BR in seinem Stolz nie gesucht. Zu Inhalten, neuen Konzertformaten, überhaupt Ideen zur Klassik im 21. Jahrhundert haben alle Beteiligten und leider auch die Musiker des BR-Symphonieorchesters beharrlich geschwiegen. Für noch mehr Brahms nach Gutsherrenart braucht niemand einen neuen Saal.

Man wird nun darauf schauen müssen, dass Herkulessaal und Gasteig ernsthaft verbessert werden. Nicht nur kosmetisch. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich aus dem notwendigen Interims-Saal ein offener, populärer Konzertsaal der Zukunft. Dann wäre das Eliten-Projekt am Finanzgarten nicht umsonst gestorben. Und das Abendland wirklich gerettet.

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