Ilya Gringolts spielt Hindemith

Der Geiger Ilya Gringolts und das Münchener Kammerorchester unter Emilio Pomarico im Prinzregententheater
| Michael Bastian Weiß
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Emilio Pomarico dirigiert das Münchener Kammerorchester.
Florian Ganslmeier Emilio Pomarico dirigiert das Münchener Kammerorchester.

Der Geiger Ilya Gringolts und das Münchener Kammerorchester unter Emilio Pomàrico im Prinzregententheater

Man muss Ilya Gringolts schon allein dafür dankbar sein, dass er das Konzert für Violine und größeres Kammerorchester op. 36 Nr. 3 von Paul Hindemith überhaupt spielt. Der junge, damals noch freche Komponist hatte in diesem Stück, der vierten der sogenannten „Kammermusiken“, eine diebische Freude daran, Schwierigkeiten aufzuhäufen, die dann noch nicht einmal besonders toll klingen. Darüber hinaus jedoch führt der russische Geiger das Kunststück vor, aus dem Solopart Musik zu machen.

Technisch absolut souverän steht Gringolts über aller Schufterei und Hyperaktivität. Sein Ton ist nicht nur so fein wie Draht, sondern auch so glitzernd, sodass das Figurenwerk höchst genießbar und die Mechanik wohltuend beseelt wird.
In Emilio Pomàrico hat Gringolts einen geistesverwandten Begleiter. Der bald 65-jährige Italo-Argentinier, der auch als Komponist hervortritt und regelmäßig die musica viva des Bayerischen Rundfunks dirigiert, beweist ein sicheres Gespür dafür, wann die Musik leerzulaufen droht, und steigert dann überzeugend die Energie. Auch kann er mit dem hellwachen Münchener Kammerorchester nach Herzenslust mit den Möglichkeiten der aparten Besetzung wuchern. Besonders wichtig sind hierbei die Bläser, welche etwa die verstreuten, rhythmisch zerhackten Akkorde im „Nachtstück“ bewundernswert genau auf den Punkt bringen.

Mehr Sinnlichkeit wagen

Weniger überzeugend gerät die Serenade Nr. 1 D-Dur von Johannes Brahms. Was theoretisch als gute Idee erscheint, nämlich eine Realisierung des symphonisch leichtgewichtigen Werkes mit kleinem Streicherkörper, erweist sich in der Praxis als problematisch. Die üppige Bläserbesetzung (vier Hörner!) macht den dünn besetzten Streichern im Prinzregententheater den Garaus, zumal Pomàrico diese Gruppe allzu keusch auftreten lässt.

Das verwundert nicht wenig, weil im ersten Teil die zwölf Streichersolisten des Kammerorchesters eine wahre Klangorgie gefeiert hatten. In „Aroura“ von Iannis Xenakis fesselte die enorme Bandbreite zwischen magisch tonlosen Passagen, vor Spannung berstenden Pausen und lustvollen, oftmals elektrisch anmutenden Geräuschen.

Eine solche Sinnlichkeit des Streichens hätte man auch für Brahms gebraucht. Einmal mehr verfestigt sich der Eindruck, dass zumindest derzeit das Repertoire der Moderne und der Avantgarde dem Münchener Kammerorchester am stärksten entgegenkommt.

Das Konzert wird am 12. Februar um 20 Uhr auf BR-Klassik gesendet

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