Hiphop von Einshoch6 zum Siebzigsten

Die Symphoniker feiern ihren 70. Geburtstag mit der Hiphop-Band Einshoch6 im Gasteig
| Robert Braunmüller
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Die Band Einshoch6 bei einer Probe mit den Münchner Symphonikern.
Shirin Kasraeian Die Band Einshoch6 bei einer Probe mit den Münchner Symphonikern.

Die Münchner Symphoniker feiern ihren 70. Geburtstag mit der Hiphop-Band Einshoch6 im Gasteig

Heute vor 70 Jahren spielten die Münchner Symphoniker zum ersten Mal: bei einem Wohltätigkeitskonzert für das Rote Kreuz im vom Krieg kaum beschädigten Prinzregententheater. Das Orchester schenkt sich aus diesem Anlass ein Konzert mit der HipHop-Band Einshoch6 in der Philharmonie. Wir sprachen mit der Intendantin über den runden Geburtstag.

AZ: Frau Josef, war das nicht eine sehr ungewöhnliche Idee, unmittelbar nach Kriegsende ein Orchester zu gründen?

ANNETTE JOSEF: Kurt Graunke begann schon im Juni 1945, Musiker um sich zu scharen und mit ihnen zu proben. Der erste Auftritt war dann bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für das Bayerische Rote Kreuz im Prinzregententheater am 25. September 1945. Auch das Orchester der Staatsoper unter Hans Knappertsbusch nahm an dem Konzert teil. Und das Ballett des Gärtnerplatztheaters tanzte.

Wie ging es weiter?

Anfangs waren die Symphoniker nur ein kleines Streichorchester, das von Graunke als Konzertmeister geleitet wurde. Die Konzerte wurden bald in Radio München übertragen – damals hatte der Bayerische Rundfunk noch kein eigenes Orchester. Ab 1950 begannen Abo-Konzerte der Münchner Symphoniker, die bis 1990 noch Symphonie-Orchester Graunke hießen.

Wo kam Graunke her?

Er stammte aus Stettin und studierte Geige in Berlin. Am Ende des Kriegs verschlug es ihn nach Würzburg.

Was spielte das Orchester in der Anfangszeit?

Unterhaltungsmusik wie „Tausend Takte Freude“ spielte am Anfang eine große Rolle. Sonst populäre Klassik: 1949 spielte das Orchester beispielsweise im Rundfunk eine Violinromanze von Beethoven und seine Erste, Tschaikowskys „Romeo und Julia“ und eine „Peer Gynt“-Suite von Grieg. Aber auch Wagners „Siegfried“ wurde aufgeführt. Später kam noch die Filmmusik dazu.

Heute sind die Programme nicht grundsätzlich anders.

Die große Bandbreite war schon immer unser Markenzeichen. Die Symphoniker haben auch früh Ballett begleitet: 1954 etwa im Gärtnerplatztheater oder 1957 bei einem Strawinsky-Ballettabend der Münchner Opernfestspiele. Mit dem Staatsballett haben wir auch kürzlich wieder zusammengearbeitet.

Wie unterscheiden sich die Symphoniker von den Münchner Philharmonikern oder dem BR-Symphonieorchester?

Wir sind nur halb so groß: 60 Musiker sind fest angestellt. Unser Repertoire ist viel breiter. Die Musiker stehen einer Filmmusik und einem Operettenprogramm genauso aufgeschlossen gegenüber wie einer Mahler-Symphonie. Und wir sind sehr auftrittsfreudig und vermitteln diese Freude auch an unser Publikum.

Die Symphoniker waren anfangs ein privates Orchester – im Unterschied zu den staatlichen und städtischen Klangkörpern. Wie finanzieren sie sich heute?

Wir müssen 24 Prozent unseres Etats von 4,5 Mio. Euro durch Einnahmen einspielen. Der Freistaat Bayern fördert uns mit einer freiwilligen Zuwendung, die erfreulich stabil ist. Wir haben in der Stadtsparkasse einen Sponsor, der uns nicht nur finanziell, sondern auch ideell unterstützt. Kleinere Summen kommen außerdem noch vom Bezirk Oberbayern.

Wie feiern Sie das Jubiläum?

Groß gefeiert wird erst der 75. Geburtstag. Aber die Konstellation ist besonders: Am 22. September wäre Kurt Graunke 100 Jahre alt geworden. Es ist ein doppelter Anlass: Deshalb haben wir uns selbst ein Konzert mit der HipHop-Band Einshoch6 spendiert. Gleichzeitig erscheint eine CD. Damit hoffen wir auch Leute zu erreichen, die bei uns kein Abo haben und uns einmal von einer anderen Seite kennenlernen wollen. Aber es gibt auch Musik von John Adams, Hector Berlioz und Igor Strawinsky an diesem Abend.

Wenn jemand heute keine Zeit hat, welches Konzert empfehlen Sie dann, um das Orchester von seiner besten Seite zu erleben?

Das Programm „Leider nicht von mir“ mit dem Donauwalzer von Johann Strauß, HK Grubers „Frankenstein“ und dem von Arnold Schönberg instrumentierten Klavierquartett in g-moll von Johannes Brahms im kommenden Mai.

Sie spielen zwar meistens im Prinze – aber was machen Sie, wenn der Gasteig umgebaut wird?

Das Prinzregententheater ist jetzt schon sehr gut gebucht. Der Kampf um die besten Termine tobt auch schon länger. Aber wir sind da guten Mutes, dass wir da nicht in Schwierigkeiten geraten werden.

Münchner Symphoniker & Einshoch6, Freitag, 25. September, 19 Uhr, Vorprogramm ab 17 Uhr im Foyer, Philharmonie im Gasteig. Restkarten zu 12 bis 38 Euro

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren