Herbert Schuch über Prokofjew und Beethoven

Der Pianist Herbert Schuch spielt am Sonntag bei Gergievs Prokofjew-Marathon und gibt im Januar einen Klavierabend mit Beethovens op. 111
| Robert Braunmüller
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Herbert Schuch hat sich mit seinen dramaturgisch durchdachten Konzertprogrammen einen Namen gemacht.
Felix Broede Herbert Schuch hat sich mit seinen dramaturgisch durchdachten Konzertprogrammen einen Namen gemacht.

Fünf Pianisten spielen am Sonntag mit den Münchner Philharmonikern und dem Mariinski-Orchester Sankt Petersburg unter Valery Gergiev die fünf Klavierkonzerte von Sergej Prokofjew. Drei Russen, ein Finne und ein Deutscher: Herbert Schuch. Er beginnt um 11 Uhr im Gasteig mit dem Klavierkonzert Nr. 1. Im Januar kehrt der Pianist dann mit einem Solo-Klavierabend in den Herkulessaal nach München zurück.

AZ: Herr Schuch, wie kam Valery Gergiev auf Sie?

HERBERT SCHUCH: Er wollte unbedingt einen deutschen Pianisten dabei haben. Ich spiele sonst nicht viel Prokofjew, aber ich finde das russische Repertoire sehr interessant.

Sind Sie davor schon mit Gergiev aufgetreten?

Nein. Und es wird zugleich mein Debüt mit dem ersten Prokofjew-Konzert. Früher habe ich seine Sonate Nr. 8 öfter gespielt. Ein faszinierendes Stück. Aber ich werde nicht oft nach diesem Repertoire gefragt. Es gibt einfach zu viele Russen, die das spielen.

Warum ist das so?

Zu dieser Musik gehört eine gewisse Athletik. Die gehört zur pianistischen Tradition in Russland. Und man wächst dort mit Prokofjew und Schostakowisch auf. Obwohl durch das Internet heute alles überall verfügbar ist, spielen kulturelle Unterschiede in der Musik immer noch eine gewisse Rolle. Es gibt Werke von Schostakowitsch, bei denen ich vor verschlossenen Türen stehe. Und ich denke, dass das eher mit mir und meinem kulturellen Hintergrund zu tun hat als mit der Musik.

Warum wird das erste Prokofjew-Konzert eher selten gespielt?

Es ist ziemlich kurz. Aber es fasst alle stilistischen Charakteristika seiner Musik perfekt zusammen: die motorische Energie, den Verzicht auf Schwulst, kecke harmonische Verbindungen. Das alles verdichtet dieses Stück wie unter einem Brennspiegel. Und es hat die Frische des ersten Wurfs bis heute nicht verloren.

Hat Prokofjew es für sich komponiert?

Er hat die Uraufführung 1912 in Moskau gespielt und bekam einen Preis des Konservatoriums in St. Petersburg dafür.

Ihre Spezialität sind dramaturgische Programme. Wenn ich das Programm Ihres Konzerts im Herkulessaal lese, fällt es mir schwer, den roten Faden zu entdecken.

Den gibt es diesmal auch nicht. Ich wollte ein sehr klassisch orientiertes Programm spielen. Eine Sonate wie Beethovens letzte Sonate op. 111 kann für sich stehen. Davor gibt es Klavierstücke von Johannes Brahms, seine Paganini-Variationen und eine Englische Suite von Bach.

Ist der Traditions-Ballast an Beethovens letzter Sonate nicht lähmend für einen jungen Pianisten?

Man scheitert an diesem Stück und wächst zugleich mit ihm. Manchmal entsteht im Saal eine zusätzliche Energie, eine Magie des Augenblicks, die mir und dem Publikum plötzlich bestimmte Stellen erschließt.

Passiert Ihnen das oft?

Ich spiele die Sonate seit fünf Jahren. Die Grundlinie der Interpretation bleibt gleich: das Verhältnis der Tempi zueinander, der Aufbau des zweiten Satzes, die Einteilung der Kraft. Aber die Akustik eines Raums oder das Instrument können einen dazu bringen, bestimmte Farben oder Phrasierungen auszuprobieren. Aber das sind Sachen, die merke nur ich, weil ich das Stück am Vormittag noch anders geprobt habe.

Stört die „Boogie-Woogie“-Passage in den Arietta-Variationen die Erhabenheit nicht gewaltig?

Sie ist ein Beispiel dafür, wie Beethoven Energiezustände akkumuliert. Er geht vom Rhythmus des Themas aus, verkleinert und beschleunigt ihn. Es ist ein elementares Ereignis, das ich eher als Moment der Befreiung empfinde. Danach kommt das Nirwana. Bei Beethoven sind gerade die Brüche großartig. Ich finde nicht, dass eine Sonate nur an einem Ort stattfinden muss. Ich lasse mich auch gern ins Weltall schießen und schockgefrieren. Verzweifeln würde ich eher am fünften Prokofjew-Konzert.

Das spielt am Sonntag Ihr Kollege Olli Mustonnen.

Ich habe auf jeden Fall vor, es mir anzuhören.

Prokofjew-Marathon mit Valery Gergiev am Sonntag im Gasteig. Schuch spielt um 11 Uhr. Die Konzerte Nr. 2, 3, 4 und 5 folgen um 13, 15, 17 und 19 Uhr. Restkarten an der Tageskasse. Am 21. Januar spielt Schuch Beethovens op. 111 im Herkulessaal. Karten unter Telefon 54 81 81 81

 

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