Heinz Holliger dirgiert das Akademiekonzert - die AZ-Kritik

Veronika Eberle und Heinz Holliger mit Musik von Schumann, Bartók und Debussy im Nationaltheater
| Michael Bastian Weiß
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Heinz Holliger probt mit dem Bayerischen Staatsorchester.
Wilfried Hösl Heinz Holliger probt mit dem Bayerischen Staatsorchester.

Wenn Veronika Eberle mit dem Fuß aufstampft, hat das nichts mit Show zu tun. Im Gegenteil ist ihre Haltung nach innen gewandt, sie spielt höchst konzentriert mit geschlossenen Augen und auf angenehme Weise unprätentiös. Dass sie die Bühne der Bayerischen Staatsoper ab und zu ein wenig zum Erzittern bringt, ist für die gebürtige Donauwörtherin vielmehr eine Möglichkeit, die unbändige Energie ihres Musizierens gleichsam von der Violine in ihren Körper zu übertragen und dann in den Boden abzugeben: ein Ventil, das ihren so leidenschaftlichen Vortrag vor Überspannung bewahrt.

Auch in den lyrischen Passagen des Violinkonzerts Nr. 1 des jungen Béla Bartók erlischt gleichsam diese glimmende Lunte nie. Veronika Eberles Ton ist durch einen bewussten Vibratogebrauch, der von fahl angeschnittenen Tönen bis hin zu intensiven, schnellen Bebungen reicht, äußerst erfüllt, ihr Spiel ist schön trocken, gerade bei mehrstimmigen oder raschen Passagen, und damit so ballastfrei, dass der Solopart mit profiliertester Gestik dargestellt werden kann.

Das hat schon für sich einen großen Wert. Für das Violinkonzert mit seiner Tonsprache eines Frischverliebten bedeutet es jedoch einen echten Gewinn, wenn die hier häufig einfließende Disney-Süßlichkeit außen vor bleibt.

Lesen Sie auch unser Interview mit Heinz Holliger

Mit dem Bayerischen Staatsorchester, das sich unter Heinz Holligers Leitung im Nationaltheater interessiert um die junge Solistin kümmert, verschmilzt der Ton der Stradivari „Dragonetti“, die Eberle spielt, rein klanglich auffallend gut. Im Konzert und auch in Bartóks selten zu hörender Rhapsodie Nr. 1 für Violine und Orchester achtet der berühmte Oboen-Solist und Komponist Holliger nicht nur auf eine helle, durchhörbare Kulisse, sondern vor allem auch darauf, dass die Soli der Holzbläser eng mit denen der Sologeige abgestimmt sind und alle stets freundschaftlich ineinandergreifen.

Robert Schumanns Ouvertüre zu „Manfred“ legt Holliger zu Beginn des 3. Akademiekonzerts etwas kleinteilig an, hier könnten vielleicht großzügige Bewegungen noch weiter dimensionierte zusammenhängende Strecken erfahrbar machen. In Claude Debussys „Images“ ist es hingegen Holligers verlässliche Leitung, welche die geradezu reißbrettartig präzise Planung, die in vielen Passagen mathematisch wirkende Durchstrukturierung dieser fünf Stücke durch den Komponisten plastisch werden lässt.

Holliger stampft zwar nie mit dem Fuß auf, sein Insistieren auf den vielen rhythmischen Impulsen dieser Musik und die Bändigung des klanglichen Elements bringen dennoch ein fabelhaft feingezeichnetes Tutti hervor.

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