Gustavo Dudamel dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Gustavo Dudamel und die BR-Symphoniker mit Beethoven und Adams in der Philharmonie
| Michael Bastian Weiß
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Der Dirigent Gustavo Dudamel.
Agentur Der Dirigent Gustavo Dudamel.

Unter all den Dirigenten, die dann doch nicht Chef der Berliner Philharmoniker geworden sind, ist Gustavo Dudamel sicherlich der schillerndste. Mit seinen 34 Jahren war der Venezolaner der jüngste unter den Gehandelten, er steht bereits seit 2009 dem Los Angeles Philharmonic Orchestra vor und ist überall international höchst gefragt. Vor allem aber hat er eine gute Geschichte zu erzählen, die sogar in mehreren Filmen aufbereitet wurde: verkörpert er doch den bislang weitest sichtbaren Erfolg von „El Sistema“, dem staatlichen Programm zur Förderung der musikalischen Ausbildung Heranwachsender aus sozial schwachen Schichten Venezuelas. Mittlerweile ist er selbst Leiter des Programms, in deren Beurteilung in letzter Zeit freilich auch kritische Stimmen zu vernehmen waren.

Auch Dudamel präsentierte sich nicht immer als Alleskönner, aber natürlich ist er mittlerweile ein professioneller Dirigent. John Adams’ „City Noir“, eine Art dreisätziger Tondichtung, die Dudamel bereits 2009 uraufgeführt hatte, leitet er mit klaren Bewegungen durchaus versiert. Mit dem spezifischen Problem, in das Adams meist gerät, kann er jedoch nicht umgehen: Der Amerikaner lässt so gut wie immer alle Musiker der zyklopischen Besetzung gleichzeitig spielen, was rasch zu einer Abnutzung der Effekte führt, obwohl das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit großer Lust spielt. Nicht zuletzt müsste die Orchestertotale viel präziser gewichtet werden, etwa durch eine Dosierung des Schlagzeugs, so dass die Streicher, insbesondere die Celli, nicht regelmäßig untergehen.

Dudamels Realisierung der 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven muss man, legt man höchste Maßstäbe an, sogar für gescheitert erklären. Nicht nur in den Kopfsätzen gehen im Tutti die so herrlichen BR-Holzbläser verloren, so brutal lässt Dudamel Pauken und Trompeten lärmen, während die mit 14 Spielern erfreulich stark besetzten 1. Violinen, stets hektisch angetrieben, scharf klingen. Überhaupt fehlt dem Gesamtklang des Symphonieorchesters die Mitte, sodass er merkwürdig hohl wirkt.

Solche Mankos vermag Dudamel durch Detailarbeit nicht auszugleichen: Der so gemessene Rhythmus des Marschsatzes wirkt beiläufig artikuliert. Hast, ja, Hysterie schließlich bestimmen das Finale, das durch die Übertreibungen zu einer Karikatur verkommt.

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