Gentleman: "Bin dankbar, schmerzfrei zu sein"
Gentleman (51) ist mit einer neuen Single zurück. Der deutsche Reggae-Musiker veröffentlicht an diesem Freitag die Single "Lion". Das Album "Gratitude" folgt im Sommer. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht er über Dankbarkeit, die Entstehung seiner Kollaborationen mit Nico Santos und Michael Patrick Kelly, die Bedeutung seiner Festival-Auftritte - und darüber, wie es ihm nach seiner Bandscheiben-OP Ende 2025 heute geht.
Ihre neue Single "Lion" ist der erste Vorgeschmack auf Ihr kommendes Album. Was bedeutet dieser Song für Sie persönlich?
Gentleman: Der Song ist das erste Lebenszeichen nach einer längeren Schaffenspause. Als Don Corleone, der Produzent, der damals mit mir den Song "Intoxication" aufgenommen hat, mir das Instrumental vorgespielt hat, war ich total begeistert von diesem Sound. Feinster schwerer, zeitloser Roots Reggae mit modernen Drums. Inhaltlich geht es um das Bewusstmachen der Vergänglichkeit. Um das Erkennen, dass es etwas gibt, was viel größer ist als wir. Und in dem Moment, wo uns das klar wird, entsteht vielleicht mehr Dankbarkeit und Wertschätzung.
Es gibt die Zeile "What is life without purpose?". Wann haben Sie selbst Ihren "Purpose" gefunden?
Gentleman: Ich glaube, dass man sich ganz bewusst dafür entscheiden kann, dankbar durch das Leben zu gehen. Ich persönlich bin zum Beispiel sehr dankbar darüber, dass ich seit 30 Jahren Musik mache und immer noch diese Leidenschaft verspüre, meine Gedanken und meine Gefühle durch Musik zu manifestieren. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen immer noch auf meine Konzerte kommen, dass ich immer noch auf Festivals spielen darf. Ich bin dankbar dafür, dass nach einer Phase des Zweifels immer wieder auch die Phase der Klarheit und des Selbstbewusstseins kam.
Sie nennen "Gratitude" ein "Anti-Konzeptalbum". Was genau verstehen Sie darunter?
Gentleman: "Gratitude" könnte man als Anti-Konzeptalbum bezeichnen, weil ich komplett meiner inneren Stimme gefolgt bin, intuitiver gearbeitet habe und weniger kopflastig. Es gibt Songs, die auch mal länger sind als zwei Minuten zehn. Das Album ist sehr rootslastig, also hat einen Sound, der vielleicht nicht gerade in den Charts oder den Playlisten stattfindet. Ich wollte wieder Spaß haben am Musik machen. Ich habe das gemacht, worauf ich Bock hatte, was ich fühle und weniger das, was vielleicht gerade eher "funktioniert".
Die Songs sind auf Mallorca, Jamaika und in Miami entstanden. Wie haben diese Orte den kreativen Prozess und den Sound geprägt?
Gentleman: Die Instrumentals kamen zum größten Teil aus Kingston, Miami und London und meine Vocals habe ich in einem Studio auf Mallorca aufgenommen. Mitten in der Natur, umgeben von Bergen und Ziegen, komplett ungestört und unabgelenkt. Bei mir hat das Umfeld und die Umgebung immer einen großen Einfluss auf den kreativen Prozess.
Es sind einige Features dabei, unter anderem mit Nico Santos und Michael Patrick Kelly. Wie haben Sie die beiden kennengelernt und was schätzen Sie an ihnen?
Gentleman: Ich bin sehr froh über die Features, die auf dem Album sind. Nico Santos habe ich bei den Sido-Weihnachtsshows kennengelernt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und hatten immer schon einen großen, gegenseitigen, musikalischen Respekt voreinander. Dort ist dann auch die Idee entstanden, mal zusammen einen Song aufzunehmen. Michael Patrick Kelly habe ich das erste Mal 2017 bei der Staffel von "Sing meinen Song" kennengelernt und wir sind dicke Freunde geworden, haben immer wieder Kontakt. Ich finde es unglaublich wichtig, dass das Zwischenmenschliche stimmt. Denn zusammen Musik zu machen, ist etwas sehr Intimes. Mit den meisten Leuten, mit denen ich Songs aufgenommen habe, verbindet mich auch eine Freundschaft.
Es ist wieder ein Reggae-Album. In Zeiten von Krieg und Krisen - haben Sie das Gefühl, dass Reggae mit seinen Botschaften eine noch wichtigere Rolle einnimmt?
Gentleman: Ich weiß nicht, ob Musik die Welt verändern kann, aber Musik kann die Welt auf jeden Fall ertragbarer machen. Musik ist ein unfassbar schönes Mittel, um den Leuten Kraft, Mut und Hoffnung zu geben. Ohne Musik wäre die Welt viel grauer. Jede Veränderung - jede Revolution hatte auch ihren Soundtrack.
Im Sommer spielen Sie auf mehreren Festivals. Wie hat sich die Festivallandschaft in den vergangenen Jahren für Sie verändert?
Gentleman: Ich freue mich tierisch auf die Sommer-Festivals. Ich glaube nicht, dass sich viel verändert hat. Ich glaube aber, dass die Sommer-Festivals immer wichtiger werden. In diesen merkwürdigen Zeiten ist es unglaublich wichtig, dass Menschen zusammenkommen und die Musik ist dabei das verbindende Element.
Im vergangenen November berichteten Sie bei Instagram von einem Bandscheibenvorfall und einer OP. Wie geht es Ihnen heute und wie hat es Ihr Leben und Ihre Bühnenauftritte verändert?
Gentleman: Ich hatte noch nie so Schmerzen wie vor meiner Bandscheibenoperation. Es gab einfach keine Position, die schmerzfrei war. Ich konnte nicht stehen, nicht laufen, nicht liegen. Auf einmal wird einem bewusst, wie wichtig Gesundheit ist, wie wir diese immer als selbstverständlich betrachten. Wenn wir gesund sind, haben wir 1.000 Wünsche und wenn wir krank sind, nur einen. Ich bin unglaublich dankbar, jetzt schmerzfrei zu sein und mich nicht mehr so eingeschränkt zu fühlen. Ich kann mich jetzt auf der Bühne wieder so bewegen wie vor meinem Bandscheibenvorfall. Kurz nach der Operation gab es ein Konzert, was ich nicht absagen wollte. Es war eine Charity-Veranstaltung für die Sturmopfer in Jamaika. Ich hab gesungen, aber mich kaum bewegt, es war eine ziemlich komische Geschichte.
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
