Generalprobe für die Öffnung: Seltene Perfektion

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Gasteig.
| Robert Braunmüller
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Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Philharmonie.
picture alliance / dpa Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Philharmonie.

München -  Die Bayerische Staatsoper nutzte die Möglichkeiten einer Öffnung und ließ 700 Besucher in die konzertante Aufführung des ersten Aufzugs der "Walküre". Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verkaufte für sein Konzert am Freitag im Gasteig hingegen keine Karten. Das zeugt von einem gewissen Realismus, denn Plätze füllen sich mit Masken- und Testpflicht innerhalb von wenigen Tagen nicht von selbst.

Konzert für Freunde und Förderer

Und so blieb es bei einer Generalprobe für die Öffnung. 200 Freunde und Förderer des Orchesters durften in das Konzert in der Philharmonie im Gasteig, dessen Hygienekonzept derzeit fast 700 Besucher erlauben würde. Weil die Musiker unorganisiert das Podium betraten, gab es auch keine demonstrative Ovation wie im Nationaltheater. Jakub Hruša begleitete zuerst die wunderbar intensive und zugleich diskret singende Gerhild Romberger bei Antonin Dvoráks "Biblischen Liedern". Die Altistin hat ein schönes Timbre und eine selten ausgeglichene Stimme ohne jeden Registerbruch. Sie versteht es, Dvoráks eher sanfte Schattierungen von Melancholie und Spiritualität nachzuzeichnen. Das ist alles von seltener Perfektion.

Die wegen der Abstandsregeln reduzierte Besetzung der Streicher förderte die Herbheit der Musik. Davon profitierte auch die Symphonie Nr. 1 von Johannes Brahms, die Hruša im Anschluss dirigierte. Der serenadenhafte Ton des langsamen Satzes mit dem Violinsolo (Radoslaw Szulc) trat stärker hervor, das Kammermusikalische wurde betont und in den Ecksätzen wurde ausnahmsweise auch einmal als Farbe hörbar, wie sehr das Kontrafagott den Klang grundiert.

Emotionaler Durchhänger im Finale

Hrušas Brahms kam von Schumann her und liebäugelte weder mit Wagner noch mit Richard Strauss. Man würde sich wünschen, dass das dieses so oft in seinen eigenen Volldampf verliebte Orchester solche Erfahrungen nicht als Mangel betrachten und in das kleinere Sendlinger Interim mitnehmen würde.

Im Finale hatte die Aufführung leider einen emotionalen Durchhänger. Der Jubel stellte sich nicht völlig ungezwungen her, er wirkte eher wie ein Kraftakt. Aber das ist bei Generalproben erlaubt, und an der hohen Brahms-Kompetenz des Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker besteht nach dieser Aufführung dennoch kein Zweifel.

Ein Mitschnitt gibt es in der Mediathek von BR Klassik. Das erste offizielle Konzert im Gasteig bestreiten die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev am Freitag um 18 Uhr. Karten gibt es ab Dienstag

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