Generalprobe für den Auftritt in New York

Die Philharmoniker unter Lorin Maazel mit einem reinen Richard-Strauss-Programm im Gasteig
| Robert Braunmüller
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Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker.
wildundleise.de Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker.

Die Münchner Philharmoniker unter Lorin Maazel mit einem reinen Richard-Strauss-Programm im Gasteig

Natürlich ist „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss ein musikalischer Kolossalschinken. Aber halt nicht nur. „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ sind effektvoll. Und ein bisschen mehr. Bloß die „Burleske“ für Klavier und Orchester dürfte so einseitig krachert gemeint sein, wie sie nun mal tönt: Einzig dieser „potenzierte Brahms“ im beschleunigtem Tempo befriedigte bei diesem reinen Strauss-Abend der Münchner Philharmoniker – dank des phänomenalen Emanuel Ax. Er legte die Griffschwierigkeiten und Akkord-Klumpen federleicht aufs Podiums-Parkett. Sogar Charme wusste dieser Pianist dem Edelreißer zu entlocken. Besser geht’s kaum.

Der Rest dafür schon. In „Also sprach Zarathustra“ holte Lorin Maazel die Wiederholungen der Eingangsfanfare als strukturelles Bindeglied heraus und zerstörte den Zusammenhang durch ein sehr langsames Grundtempo wieder. Wirklich durchgeformt klang nur das von den Celli und Kontrabässen in fahlem Non-Vibrato gespielte „Von der Wissenschaft“. Der große Rest war hochprofessioneller Orchesteralltag. Bei der Partitur-Ziffer 56 ereignete sich übrigens das bisher lauteste Pianissimo dieser an Kraftakten kaum armen Saison.

Magerer Applaus

„Till Eulenspiegels lustige Streiche“ ließ Maazel als groben Reißer spielen – ohne Ironie oder gar Esprit. Als das Tribunal sein Urteil über den Narren sprach, brach die „Götterdämmerung“ im Gasteig herein. Es war ein Triumph des derb-deutschen Orchesterklangs einschließlich seiner Schlagschattenseiten. Für das Konzert eines Chefdirigenten eindeutig zu wenig.

Was die Musiker der Philharmoniker zu Maazels Konzerten beitragen, ist von hoher Klasse. Aber der diesmal leicht angeschlagen wirkende 84-Jährige formt das Material nicht über eine grobe Skizze hinaus. Bis zum Gastspiel in der New Yorker Carnegie Hall wird das Programm nachreifen müssen. Sonst reicht der Applaus auch dort nicht für mehr als die bei Maazels Konzerten mittlerweile üblichen mageren drei Vorhänge.

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