"Frankenstein!!" mit HK Gruber

Musik von Charles Ives, HK Gruber und Louise Farrenc im Konzert des Kammerorchesters im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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HK Gruber mit dem Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater.
Florian Ganslmeier HK Gruber mit dem Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater.

Franz Schubert wird ein Zitat zugeschrieben, demzufolge es eigentlich nur traurige Musik gebe. Das Münchener Kammerorchester bewegt sich mit seiner Saison unter dem Motto „Vorwiegend heiter“ so gesehen auf vergleichsweise dünnem Eis. Das Leid der Welt ist des Komponisten Kerngeschäft, und jenseits von Joseph Haydn und Jacques Offenbach fällt einem da wenig Heiteres ein. Und wenn Musiker mal ein Witzchen riskieren, läuft das oft darauf hinaus, dass jemand – wie beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker – zum Frack einen lustigen Hut aufsetzt oder das Fagott einen Darmwind kopiert.

Aber zum Glück gibt es wenigstens einen Musiker aus Wien, der nicht nur weinen, sondern auch lachen kann: den Chansonnier, Dirigenten und Komponisten HK Gruber. Der hat vor 40 Jahren einen Klassiker komponiert: „Frankenstein!!“ für einen singenden Sprecher und Orchester. Ein Meisterwerk des Schmarrns, auch dank der verfremdeten Kinderreime von H.C. Artmann, auf die eine kongeniale Musik mit Reminiszenzen an Mahler und Kurt Weill antwortet.

Der ganz große Kindergeburtstag

Zur Vervollständigung des Instrumentariums muss ein ganzer Spielwarenladen geplündert werden – vom rosa Kinderklavier über Melodicas und heulenden Plastikröhren bis zu platzenden Papiertüten. Jeder Klangeffekt von „Frankenstein!!“ wäre für sich einer jener berüchtigten Musiker-Sparwitze. Aber die geradezu orgiastische Überfülle des Blödsinns schlägt bei diesem Stück in bösartigen Ernst um, zumal wenn wie im Prinzregententheater der naturgemäß beste Interpret des Stücks verfügbar ist: HK Gruber selbst.

Davor spielte das Münchener Kammerorchester „A Set of Pieces“ für Theaterorchester von Charles Ives. Ehe man gewahr wurde, wie raffiniert diese polyrhythmischen Miniaturen komponiert sind, waren sie auch schon wieder vorbei.

Nach der Pause dirigierte Duncan Ward die Symphonie Nr. 3 der französischen Komponistin Louise Farrenc – ein bemerkenswertes Werk, das mühelos mit Mendelssohn Bartholdy oder dem frühen Schumann mithalten kann. Das viersätzige Werk hat ein hochnervöses Scherzo, das so forsch wie ein Finale anfängt. Man fragt sich, was danach noch kommen kann. Aber dann folgt doch noch eine Steigerung, die stärker gewirkt hätte, wenn die Gast-Bläser des Münchener Kammerorchesters berücksichtigen würden, dass es unterhalb von Forte durchaus dynamische Grade gibt, die der Beachtung wert sind.

Im 7. Abokonzert des MKO gibt es am Samstag, 4. Mai, ab 18 Uhr alle Klavierkonzerte von Beethoven mit Alexander Lonquich im Prinzregententheater. Am 11. April veranstaltet das Orchester am gleichen Ort das 13. Münchner Aidskonzert. Karten unter www.m-k-o.eu

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