François Leleux und Clemens Schuldt im Prinzregententheater.

François Leleux, Clemens Schuldt und das Münchener Kammerorchester mit Haydn, Strauss und einer Uraufführung im Prinzregententheater/stron
| Max Nyffeler
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Der Oboist François Leleux im Prinzregententheater.
Florian Ganslmeier Der Oboist François Leleux im Prinzregententheater.

François Leleux, Clemens Schuldt und das Münchener Kammerorchester mit Haydn, Strauss und einer Uraufführung im Prinzregententheater

Haydns Humor funktioniert immer. In seiner Sinfonie Nr. 90 hat er kurz vor Schluss eine seiner Hörfallen eingebaut, und prompt beginnt das Publikum an der falschen Stelle zu klatschen. Und das gleich zweimal, denn auch in der Wiederholung steuert das unter Clemens Schuldt brillant aufspielende Münchener Kammerorchester mit Vollgas auf diesen Akkord zu, der förmlich nach Applaus schreit.

Doch es folgt noch ein kurzer Schlussteil und mit ihm eine zweite Pointe. Auf der Vorbühne des Prinzregententheaters klappt ein Seitenfenster auf, François Leleux guckt heraus und bläst das kurze Oboensolo der Coda ins Orchester hinein. Klappe auf, Klappe zu, der Solist des Abends als Kuckuck. Das Konzert endet in allgemeiner Heiterkeit.

Eine heitere Note prägt auch Igor Strawinskys neoklassizistische Pulcinella-Suite über Themen von Pergolesi. Das Orchester musizierte vor allem in den Streichern zunächst ziemlich sorglos drauflos, was auf Kosten der melodischen Feinzeichnung und der rhythmischen Präzision ging. Doch die schwierigen Partien waren offensichtlich solid geprobt und gelangen hörbar gut.

Eine junge Schwedin

Eitel Schönwetter herrscht im Oboenkonzert von Richard Strauss, einem Spätwerk aus dem Jahr 1945. Den kompositorischen Leerlauf der Dur-Dreiklänge vergoldete Strauss mit einer Fülle an oboengerechten Melodiefloskeln.
In den Händen von François Leleux gerät das zum hochgradigen Hörvergnügen. Als begnadeter Kommunikator dialogisiert er mit dem Orchester wie ein Kammermusiker, mit seinem beispiellos modulationsfähigen Ton bringt er die Musik zum Sprechen und den Saal zum hellwachen Mithören. Da werden sogar Routinewerke zum einmaligen Erlebnis.

Das Kontrastprogramm dazu bildete „Mantel“, eine Uraufführung von Lisa Streich für Streicher und Schlagzeug. Die junge Schwedin, eine sympathisch zurückhaltende Erscheinung, pflegt eine persönliche Musiksprache der harten Kontraste und sensiblen Innenstrukturen. Die Streicher produzieren introvertierte Geräuschklänge an der Hörgrenze, und über ihre Köpfe hinweg spielen die beiden links und rechts außen platzierten Perkussionisten Pingpong mit Paukenschlag und Peitschenknall. Das ist intelligent konzipiert und wirkungsvoll obendrein.

Im 4. Abokonzert spielt das Münchener Kammerorchester am 31. Januar um 20 Uhr im Prinzregententheater unter Emilio Pomàrico Werke von Xenakis, Hindemith und Brahms. Solist ist Ilya Gringolts. Infos und Karten unter www.m-k-o.eu

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