Ex-Teilnehmer Michael Schulte: Das traut er Sarah Engels beim ESC zu
Michael Schulte (35) veröffentlicht am 17. April sein neues Album "Beautiful Reasons", das er seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern widmet. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht der Sänger über das persönliche Albumcover, das Reisen mit seinen Söhnen und den Balanceakt zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Außerdem verrät der frühere ESC-Teilnehmer, wie er die Chancen von Sarah Engels (33) beim Eurovision Song Contest in Wien einschätzt.
Warum ist ausgerechnet "Beautiful Reasons" der Albumtitel geworden?
Michael Schulte: Es gibt tatsächlich zwei Songs: "Beautiful Reason", den die Leute schon kennen, weil er vor fast zwei Jahren erschienen ist, und "Beautiful Reasons", der noch unveröffentlicht ist. In "Beautiful Reason" geht es darum, wie ich die Partnerin fürs Leben gesucht und irgendwann meine Frau gefunden habe - sie war meine "beautiful reason". In "Beautiful Reasons" geht es dann darum, wie aus dieser einen "beautiful reason" zwei weitere geworden sind: unsere beiden Söhne. Deshalb passt der Titel so gut zum Album. Es geht um meine Frau, meine Kinder, meine persönlichen Erlebnisse und meine aktuelle Gefühlswelt.
Sie widmen das Album Ihrer Familie. Ihr Sohn Lenny ist gerade fünf geworden, Luis wurde vergangenes Jahr sieben. Wie viel bekommen die beiden von Ihrer Karriere schon mit?
Schulte: So richtig greifen können sie das natürlich noch nicht. Ich habe ihnen schon ein paar Songs vorgespielt, aber am spannendsten finden sie natürlich die Lieder, die im Radio laufen. Ruhigere Balladen oder Albumtracks, die man noch nicht kennt, sind für sie erst mal weniger interessant. Ich gehe aber auch nicht zu ihnen und sage: "Hör dir mal meine neue Musik an", weil ich ihnen das nicht aufdrängen will. Umso süßer ist es, wenn sie von sich aus die Songs hören wollen. Gerade der Kleine geht oft in sein Zimmer und sagt zu Alexa: "Mach mal 'Beautiful Reason' von Michael Schulte an." Das ist schon sehr niedlich. Sie bekommen natürlich auch in der Schule oder im Kindergarten mit, wer ich bin und was ich mache - und ich glaube, darauf sind sie auch ein bisschen stolz.
Das Albumcover zeigt ein privates Urlaubsfoto Ihrer Familie aus Südafrika. Warum haben Sie sich für dieses persönliche Motiv entschieden?
Schulte: Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust mehr auf ein typisches Coverbild, auf dem ich irgendwo vor einer Wand stehe und pose. Solche Bilder wirken oft unpersönlich und gestellt. Zum Thema des Albums passte ein Familienfoto natürlich viel besser. Die Schwierigkeit war nur: Ich möchte meine Kinder nicht mit Gesicht zeigen. Also durfte es nicht zu privat sein. Ich bin dann meine Fotogalerie durchgegangen und habe dieses Bild aus Südafrika gefunden - an einem unserer Lieblingsorte, an dem wir in den vergangenen sechs Jahren dreimal waren. Für mich ist das tatsächlich mein liebstes Albumcover der letzten Jahre, weil es einfach gute Laune und Lust auf Reisen und Familie macht.
Was halten Sie von Kollegen, die die Gesichter Ihrer Kinder in der Öffentlichkeit zeigen?
Schulte: Ich bin grundsätzlich niemand, der über andere urteilt. In der heutigen Gesellschaft wird ohnehin viel zu schnell bewertet, was andere tun oder nicht tun. Wir haben für uns entschieden, dass wir unsere Kinder nicht komplett verheimlichen, sie aber nur von hinten oder angeschnitten zeigen. Das war uns wichtig. Ich bin natürlich stolz auf meine Familie und möchte nicht so tun, als gäbe es sie nicht. Ich singe in meinen Songs sehr offen über mein Leben, deshalb würde es auch nicht zu mir passen, mich da komplett zu verschließen. Andere zeigen gar nichts, wieder andere zeigen sehr viel. Mir persönlich wäre Letzteres zu viel. Aber am Ende muss das jede Familie selbst entscheiden.
Wenn Sie schon mehrfach in Südafrika waren: Was gefällt Ihnen so an dem Land?
Schulte: Es ist für uns das perfekte Reiseziel. Vor allem im Januar oder Februar, wenn das Wetter in Deutschland nicht gerade einladend ist. Das Klima ist toll, es gibt keine Zeitumstellung, man hat Strand, Safari, Tiere und großartiges Essen. Für junge Familien ist das wirklich ein ideales Reiseziel. Wir haben ganz am Anfang auch einmal Neuseeland gemacht - das war ebenfalls wunderschön, aber die lange Anreise und die Zeitumstellung sind mit kleinen Kindern einfach noch mal etwas anderes.
Wie ist das Reisen mit Kindern für Sie?
Schulte: Viele haben erst mal Respekt davor, mit kleinen Kindern zu verreisen. Klar, es ist anstrengend in der Vorbereitung und manchmal auch vor Ort. Und natürlich ist es überhaupt ein Privileg, so viel reisen zu können. Aber wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Welt auch mit Kindern zu entdecken - egal, wie jung sie sind. Gerade die Jahre vor der Schulpflicht wollten wir so gut wie möglich nutzen. Deshalb haben wir schon früh große Reisen gemacht, erst nach Neuseeland und später nach Südafrika und an andere Orte. So sind wir in den vergangenen Jahren zum Glück viel herumgekommen.
Gibt es schon neue Reisepläne?
Schulte: Man wird mit der Zeit etwas gemütlicher - auch, weil man stärker darauf achten muss, dass den Jungs nicht langweilig wird. Inzwischen brauchen sie eher Gleichaltrige oder im Idealfall auch andere deutsche Kinder um sich herum. Deshalb darf es mittlerweile auch mal ein Clubhotel sein. Wir waren vergangenes Jahr zum Beispiel auf Mauritius - wunderschön, ein absolutes Paradies, aber auf Dauer war es den Jungs ohne andere Kinder doch etwas langweilig. Die Prioritäten haben sich also verändert. Wir waren zuletzt auch mal auf Zypern oder auf Kreta. Diese ganz weiten Reisen wie nach Südafrika passen in zwei Wochen Ferien einfach nicht mehr so gut rein. Das ist aber auch okay.
Sie gehen bald auf Ihre Akustiktour "Sanfte Töne, besondere Orte". Wie anders wird es sein, die Songs in diesem Rahmen zu spielen?
Schulte: "Akustik" ist natürlich ein weiter Begriff. Ganz unplugged wird es am Ende auch nicht, deshalb haben wir uns mit dem Titel und der Beschreibung gar nicht so leichtgetan. Am ehesten kann man es mit dem "MTV Unplugged"-Kosmos vergleichen: Es wird zwar reduzierter, aber natürlich stehen da trotzdem Instrumente auf der Bühne, es gibt E-Piano, vielleicht auch E-Gitarre und Schlagzeug. Es werden auch tanzbare Songs dabei sein, aber alles klingt etwas anders, luftiger und neu arrangiert. Für uns war das total spannend, die Songs nach vielen Jahren einmal anders zu spielen. Ich merke schon jetzt im Proberaum, wie schön sich das anfühlt. Die Elbphilharmonie als Location wird sicher noch mal besonders aufregend, weil dort viele Freunde und Familienmitglieder dabei sein werden.
Bis zum ESC ist es nicht mehr lange hin. Als ehemaliger Teilnehmer waren Sie auch beim Vorentscheid dabei. Was sagen Sie zum Beitrag von Sarah Engels?
Schulte: Ich finde, wir hatten schon deutlich schlechtere Beiträge. Sie macht das sehr gut, sie singt gut, sie tanzt gut, und der Song ist eingängig. Es ist vielleicht nicht die Neuerfindung des ESC-Sounds, aber solche Songs haben beim Wettbewerb schon oft funktioniert. Deshalb hoffe ich, dass der Beitrag auch diesmal funktioniert. Persönlich hätte ich wahrscheinlich fast eher wavvyboi gewählt, weil ich den etwas origineller fand und dachte, dass er sehr gut auf diese Bühne gepasst hätte. Aber die Leute haben anders entschieden, und ich glaube, sie wird das auf jeden Fall gut machen. Top 15 sollten schon drin sein. Wie weit es am Ende wirklich geht, ist schwer zu sagen, weil der Jahrgang sehr stark ist. Es sind viele gute Songs dabei.
Welchen Tipp würden Sie Sarah Engels mitgeben?
Schulte: Vor allem entspannt bleiben und dieses Abenteuer genießen. Der ESC ist etwas ganz Besonderes und macht unglaublich viel Spaß. Große Ratschläge braucht sie eigentlich nicht - sie steht schon lange auf der Bühne und weiß genau, wie solche Situationen funktionieren. Das ist natürlich ein großer Vorteil.
Wien ist nicht weit. Werden Sie vor Ort sein?
Schulte: Vor Ort werde ich tatsächlich nicht sein. Aber so viel kann ich sagen: Ich habe an dem Tag im Zusammenhang mit dem ESC selbst einen Auftritt. Ich bewege mich einfach gerne weiter in dieser ESC-Welt. Ich liebe diesen Wettbewerb und war immer stolz, wenn ich gefragt wurde, ob ich wieder Lust auf etwas in diesem Kosmos hätte. Das werde ich auch so lange machen, wie ich Freude daran habe, weil ich mit dem ESC einfach eine starke persönliche Verbindung habe - nicht zuletzt wegen meiner eigenen Erfahrung.
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