Evgeny Nikitin singt "Wagner Opera arias"

Der russische Bariton Evgeny Nikitin singt auf seiner ersten Solo-CD Szenen aus Opern von Richard Wagner
| Robert Braunmüller
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Der Opernrocker Evgeny Nikitin
Borggreve Der Opernrocker Evgeny Nikitin

Auf dem Cover sieht er in seiner Lederjacke aus wie ein düster brütender Rocker. Und das ist er in gewisser Weise auch: Bis 2010 spielte der in Murmansk geborene Evgeny Nikitin Schlagzeug in einer Black Metal Band.

Aus dieser Ära stammt seine Ganzkörpertätowierung. Sie verhinderte 2012 Nikitins Debüt bei den Bayreuther Festspielen. Ein Motiv war als Hakenkreuz deutbar. Die Wagner-Schwestern merkten das erst nach einer TV-Reportage kurz vor der Premiere und nötigten den Sänger, die Titelpartie im „Fliegenden Holländer“ niederzulegen.

Nikitins Karriere hat es kaum geschadet. Der Bassbariton ist an den großen Opernhäusern zwischen Sankt Petersburg, Wien, Chicago und Paris gut im Geschäft. Ende November singt die Rolle des Ruprecht in Sergei Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ im Nationaltheater. Dort war er schon als Fliegender Holländer, Telramund und Heerrufer zu hören.

Er ist der erste Russe, der mit Wagner international erfolgreich ist. Und deshalb widmet er auch seine erste Solo-Platte dem Meister. Und natürlich beginnt er mit „Die Frist ist um“ aus dem „Fliegenden Holländer“.

Nikitin singt nahezu akzentfrei – das ist beachtlich. Bei der Anrufung des erlösenden Engels scheint es, als übernehme ein anderer Sänger, so überraschend tenoral wird seine Stimme. Er hat die Kraft und den Stimmumfang für diese schwierige Rolle. Aber kaum das richtige Timbre: Die apokalyptische Vision des „Wann alle Toten auferstehn“ bleibt beiläufig. Auch sonst ist die Dämonie kaum seine starke Seite.

Als Telramund macht Nikitin eine gute Figur. Fast ideal gelingt ihm der „Abendstern“ aus „Tannhäuser“. Denn sein Bariton ist bei aller Macht im Kern lyrisch. Und so passt das martialische Foto kaum zu seinem Gesang.

Die von Christian Arming und dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège ansprechend begleitete Platte endet ambitioniert: mit Wotans Abschied aus der „Walküre“. Vom Weltschmerz des Gottes ist da wenig zu spüren, und die Passage „Nach Weltenwonne mein Wunsch mir verlangte“ bleibt ohne Emphase.

Dafür stört das schneidende Timbre. Es passt viel besser zu Charakterpartien wie dem Klingsor oder den athletischen Übungen des russischen Repertoires. Nikitin mag kein Wotan sein. Aber seinen Ruprecht im „Feurigen Engel“ darf man dennoch gespannt erwarten.

Evgeni Nikitin: Wagner Opera arias, bei Naïve. Sergej Prokofjews „Der feurige Engel“ ab 29. November im Nationaltheater

 

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