"Enigma Classica" in der Reithalle: Super scharf!

Festival "Stars & Rising Stars" in der Reithalle: Arabella Steinbacher und das Ensemble "Enigma Classica" unter der Dirigentin und Pianistin Anna Handler.
| Michael Bastian Weiß
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Dirigentin Anna Handler und Can Cakmur am Flügel mit dem Enigma Classica Ensemble im Utopia (Reithalle).
Dirigentin Anna Handler und Can Cakmur am Flügel mit dem Enigma Classica Ensemble im Utopia (Reithalle). © Ralf Dombrowski

München - Wer einmal beobachten will, was an direkter Kommunikation zwischen einem Orchester und seiner Dirigentin alles so möglich ist, muss das Ensemble Enigma Classica unter seiner Gründerin Anna Handler hören. Jedes aufmunternde Lächeln, jeder scharfe Blick, jede anregende Geste führt bei den exzellenten jungen Musikern, die wie hypnotisiert auf ihre Chefin achten, zu einer unmittelbar hörbaren Konsequenz.

Doch die gebürtige Münchnerin, noch nicht Mitte zwanzig Jahre alt, ist unendlich mehr als ein Motivations-Coach: Ihre Dirigiertechnik ist makellos. Da könnte sich mancher ältere Kollege Ensembleleiter die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Enigma Classica: Mitreißend rhythmischer Drive

Wie immer ist das Programm eines "Stars & Rising Stars"-Konzertes bunt. Zu seinem Höhepunkt wird das Konzert für Kammerorchester Es-Dur "Dumbarton Oaks" von Igor Strawinsky. In den Händen von Anna Handler stellt Enigma Classica die tückenreichen Metren und Taktwechsel der neobarocken Partitur nicht nur so scharf wie jüngst das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Stéphane Denève, sondern spielt in der Reithalle in Schwabing sogar noch gewitzter, gestischer, ballettartiger. Auch das Brandenburgische Konzert Nr. 3 G-Dur von Johann Sebastian Bach, das die ausgebildete Pianistin Anna Handler vom Cembalo aus leitet, entfacht mitreißenden rhythmischen Drive. Es wäre interessant, ob sie auch ein etwas weniger hochgetriebenes Tempo mit Spannung erfüllen könnte.

Ein Feuerwerk von halsbrecherischen Sprüngen und Läufen

Im Klavierkonzert Nr. 2 d-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy wirkt die Atemlosigkeit jedoch Wunder. Der türkische Pianist Can Cakmur, Jahrgang 1997, stürzt sich draufgängerisch in seinen Solopart, momentweise vielleicht sogar zu wagemutig, wenn die Hitzigkeit auf Kosten der Deutlichkeit geht. Doch gleichzeitig wird auch jede akademische Regung des Werkes im Keim erstickt.

Im Violinkonzert Nr. 5 A-Dur von Mozart lässt sich Arabella Steinbacher vom allgemeinen Übermut anstecken und spielt mehr nervös als gelöst, in den brillanten Variationen von Gioacchino Rossini brennt der Klarinettist Giuseppe Paci ein Feuerwerk von halsbrecherischen Sprüngen und Läufen ab. Der am hellsten strahlende der aufgehenden Sterne an diesem Abend ist aber der von Anna Handler.


Drei Konzerte des Festivals finden noch statt: am 29. Oktober etwa mit dem Geiger Daniel Hope in der Freiheizhalle, Karten: www.starsandrisingstars.de oder unter Telefon 089 54 81 81 81 und www.muenchenticket.de

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