Elton John - so ist die neue CD

Der alterslose Altmeister Elton John: Seine neue CD „Wonderful Crazy Night“ erscheint heute
| Dominik Petzold
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Im Summer of 69: Sir Elton bei einem ,Auftritt im Teatro Royal in Madrid im Juli letzten Jahres.
dpa Im Summer of 69: Sir Elton bei einem ,Auftritt im Teatro Royal in Madrid im Juli letzten Jahres.

Wie viel Energie dieser Elton John hat, kann man bei einem seiner Rockstar-Kollegen nachlesen. Rod Stewart hat in seiner Autobiographie über eine wundervolle verrückte Nacht in den Siebzigern geschrieben, in der er und Elton John exzessiv gefeiert haben. Im Morgengrauen gingen sie ins Bett, und nur ein paar Stunden später – Stewart lag halbtot im Bett – stand Elton schon wieder vor ihm: topfit, quietschfidel und im Sportdress. Er wolle jetzt Fußball spielen!
Das wäre jetzt mit fast 69 wohl nicht mehr drin. Aber ansonsten ist Eltons Energielevel noch immer hoch: Rund hundert Konzerte hat er im vergangenen Jahr gespielt, bei seinem festen Engagement in Las Vegas und weltweit auf Tour. Die geht gerade schon wieder weiter: Wer ihn Ende 2014 in der Olympiahalle verpasst hat, bekommt am 25.11. schon die nächste Chance.

Ein Album in nur siebzehn Tagen – und es ist meisterhaft

Außerdem kämpft Elton für die Rechte von Homosexuellen, steht einer Aids-Stiftung vor und zieht mit seinem Ehemann zwei Kinder groß. Nun hat er zwischendrin, in gerade mal 17 Tagen, ein neues Album aufgenommen: „Wonderful Crazy Night“.

So wundervoll verrückt das Leben des Elton John vermutlich ist oder zumindest war: Wenn es ums Wesentliche geht, also um die Musik, ist und bleibt er ein Konservativer. Die Texte schrieb wieder Bernie Taupin, sein Songwriting-Partner seit den Sechzigern. Gitarre spielte Davey Johnstone, am Schlagzeug saß Nigel Olsson, beide sind 1971 in Elton Johns Band eingestiegen und jetzt, nach einer Pause, wieder dabei.

Diese Band, erweitert um ein paar Musiker, hat der berühmte Produzent T-Bone Burnett in ihrem natürlichen Sound aufgezeichnet. Nur die schöne Pedal Steel Guitar in „The Open Chord“ und „Blue Wonderful“ oder das Akkordeon in „I’ve Got 2 Wings“ erinnern daran, dass Burnett der König der amerikanischen Roots-Musik ist. Der Mann hat zahlreiche Folk- und Countryrockperlen produziert und sogar Bluegrass wieder attraktiv für Millionen gemacht, mit dem Soundtrack des Coen Brothers-Film „Oh Brother Where Art Thou“.

Möge seine Energie noch lange anhalten

Aber Elton John macht er nicht zum Roots-Musiker. Er lässt ihn und die Seinen einfach spielen und klingen wie eh und je. In „Claw Hammer“ rauscht sogar Davey Johnstones Slide-Gitarre aus „Rocket Man“ durch den Hintergrund. Dazu kommt Kim Bullards herrliche, warme Hammondorgel, und die lässt die Band sogar noch kompakter klingen als früher, ja wie aus einem fetten Guss.

Und so klassisch wie der Sound sind auch die Songs. Elton hält sich an viele Akkordwechsel, die man bei ihm schon mal gehört hat, aber die sind clever und charakteristisch genug, um nicht wie schale Wiederholungen daherzukommen. Prima funktioniert das im bluesig-rauhen „In The Name Of You“ und auch in „Claw Hammer“. Da schwirren zunächst Sitar-Arpeggios über eine gleichförmige Gitarrenfigur. Dann nimmt der Song harmonisch eine völlig andere Richtung und wird ein klassischer Elton John-Pop-Song.

Ein solcher ist auch „Blue Wonderful“. Doch bei diesem Lied scheint zunächst ein anderer Mann zu singen, ein Mann mit einer leicht gebrochenen Stimme. Erst als die in den bekannten Schmelz übergeht, erkennt man Elton.
Dabei klingt die Stimme des alternden Mannes auch rauh schön, man würde gern mehr davon hören. Und auch mehr von seinem Pianospiel: Das ist wie auf vielen seiner Platten eher im Hintergrund. Doch bei seinen perlenden Arpeggios in „Claw Hammer” und vor allem im Honky Tonk-Solo des Titelsongs zeigt Elton, dass er ein Meister bleibt.

Das gilt für die ganze CD. Die ist zwar kein Alterswerk, das an seine Platten der frühen Siebziger heranreicht. Aber „Wonderful Crazy Night” zeugt von der handwerklichen Klasse eines Könners.

Möge seine Energie noch lange anhalten.

Elton John, „Wonderful Crazy Night“, bei Mercury; Live präsentiert er seine neuen und alten Hits am Freitag, 25. November in der Olympiahalle, Karten unter Telefon 54 81 81 81

 

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