Einssein zwischen den Welten

Somersault alias Gudrun Mittermeier legt mit einem neuen Album nach: „Seeheim“ stellt die Sängerin heute in der Bar Gabanyi vor – und man kann via Livestream dabei sein
| Thomas Becker
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Gudrun Mittermeier findet beim Fotoshooting gerade mal zur Ruhe – aber im normalen Leben  ist sie immer schon ein paar Schritte weiter und öffnet die nächste Tür.
Foto: gudrun-mittermeier.de Gudrun Mittermeier findet beim Fotoshooting gerade mal zur Ruhe – aber im normalen Leben ist sie immer schon ein paar Schritte weiter und öffnet die nächste Tür.

In ihrem neuen Album „Seeheim“, das am Freitag bei Trikont erscheint und heute in der Bar Gabanyi als Streaming-Konzert zu hören und zu sehen sein wird, wechselt Gudrun Mittermeier zwischen bayerischer und englischer Sprache, vereint elektronische und akustische Musik und erweitert damit ihr musikalisches Spektrum. Was bleibt, ist ihre gefühlige Stimme, die vor fast 20 Jahren schon Xavier Naidoo faszinierte, was wiederum zum gemeinsamen Projekt „Somersault“ geführt hatte – verdammt lang her.

In ihrem neuen Album „Seeheim“, das am Freitag bei Trikont erscheint und heute in der Bar Gabanyi als Streaming-Konzert zu hören und zu sehen sein wird, wechselt Gudrun Mittermeier zwischen bayerischer und englischer Sprache, vereint elektronische und akustische Musik und erweitert damit ihr musikalisches Spektrum. Was bleibt, ist ihre gefühlige Stimme, die vor fast 20 Jahren schon Xavier Naidoo faszinierte, was wiederum zum gemeinsamen Projekt „Somersault“ geführt hatte – verdammt lang her

AZ: Frau Mittermeier, die Frage ist ja längst keine Floskel mehr, sondern harter Faktencheck: Wie geht’s Ihnen?
GUDRUN MITTERMEIER: Man arrangiert sich. Es sind so schräge Zeiten. Man versucht wieder eine Normalität in den Alltag zu bekommen, aber es ist halt alles ein bissl wild – vor allem, wenn man ein Album rausbringen möchte.

Aber vielleicht haben Sie dank Corona ja auch noch in aller Ruhe am Feinschliff arbeiten können.
Letztendlich war es schon fertig und hätte im April rauskommen sollen. Ich bin eher schon wieder an neuen Sachen oder am Remix von Songs. Was man halt macht, wenn man Zeit hat – und Zeit hat man derzeit ja nun wirklich jede Menge. Aber es wurde jetzt dann schon Zeit, dass das Album endlich rauskommt.

Mit „Seeheim“ decken Sie ein ganz schön weites Spektrum ab, Respekt! Wie hat sich das entwickelt? Früher haben Sie nur englisch gesungen, zuletzt bayerisch, jetzt ist es ein Mix geworden...
Es ist in der Tat recht vielfältig: Vom Singer-Songwriter-Song mit Streichern bis zum elektronisch produzierten Song ist alles drin. Was die Sprache betrifft, gab es jetzt keinen Plan. Manche Songs funktionieren auf Englisch besser, manche bringen mehr Emotion auf Bairisch rüber. Wir wollten es filmischer machen, größer, mit mehr Bläsern. Das mit dem Elektronischen und dass ich angefangen habe mit Beat-Programming selber zu produzieren, das kam erst später.

Wie kam’s?
Ich fand es spannend, akustische Instrumente mit Programmings zu kombinieren. Ich finde es als Musikerin auch wichtig, etwas Neues auszuprobieren und nicht stehen zu bleiben. Irgendwann will man sich ja weiterentwickeln. Es spiegelt eh gerade das wieder, wo ich gerade bin und stehe.

Nämlich?
Zwischen den Welten, zwischen Englisch und Bairisch, zwischen Singer-Songwriter und Elekro. Ich finde, man sollte sich da nicht beschränken. Nun ist also alles drin – und trotzdem ist es eins. Weil es halt meins ist: meine Songs, meine Geschichten, meine Emotionen.

Was für ein Bayerisch singen Sie da eigentlich? Ihre Mutter stammt aus Niederbayern, Sie sind in Wartenberg bei Erding aufgewachsen und leben nun schon lange in München.
Das ist Oberbairisch, aber nicht so ein München-Hochdeutsch. Ich finde es total spannend, in so einer Sprache zu komponieren, weil es so weich ist und auch in die Tiefe geht, eigentlich auch ein bisschen duster. Für die Songs, die ein bisschen mehr Leichtigkeit brauchen, funktioniert das Englische besser. Mit Bairisch wird es oft ganz schnell ganz schwer.

Ihr letztes Album hieß „Mitternach“, nach dem Heimatort Ihrer Mutter. Was hat es mit „Seeheim“ auf sich?
Seeheim ist auch ein Ort, am Starnberger See zwischen Ambach und Ammerland. Dort ist der Großteil der Songs geschrieben und auch aufgenommen worden, bei uns im Keller sozusagen.

Sie waren früher bei den Bühnenprogrammen Ihres Mannes Michael die Regie-Assistentin. Welche Rolle spielt er bei Ihrer Kunst?
Er ist generell ein guter Feedbackgeber, weil er selbst Künstler ist. Beim Songwriting ist er nicht dabei, eher bei den Texten, bei so bairischen Begriffen und Ausdrücken. Da sagt er dann schon mal: ‘Nee, das kannst so nicht sagen! Das ist viel zu hochdeutsch.’ Bei der Musik dagegen lasse ich mir gar nicht so leicht reinreden, da habe ich andere Berater. Mein Produzent, der Udo Rinklin, ist mein musikalischer Mentor und Aus-der-Komfortzone-Schubser und fordert mich künstlerisch total. Er hatte auch die Idee, dass ich doch mal selber elektronische Musik produzieren soll: ‘Jetzt mach doch, du kannst das doch!’ Der Michi dagegen ist schon sehr in seiner Welt, so dass er oft auch gar nicht präsent ist. Aber ich kann natürlich immer zu ihm kommen.

Was sagt Ihre zwölfjährige Tochter zur Musik der Mama?
Die findet das relativ unspannend. Die ist so cool! Und davon recht unbeeindruckt. Ich glaube, sie hätte lieber ganz normale Eltern. Da ist so eine gesunde Distanz da. Es ist ihr eher unangenehm, wenn Freunde da sind und Musik von mir hören. Was sie gerne mag, sind die Proben oder bei den Aufnahmen dabei zu sein. Aber sie wird definitiv keine Musikerin werden.

Wenn Sie auf die letzten 20 Jahre zurückschauen: Wie beschreiben Sie den Weg, den Sie da gegangen sind?
Ich habe jedes Mal das Gefühl, etwas Neues zu entdecken, als würde ich ständig eine neue Tür aufmachen. Das finde ich total spannend. Ich überrasche mich selber immer wieder. Ich bleibe künstlerisch nicht stehen, das hatte ich nämlich auch mal: Vor fünf, sechs Jahren hatte ich das Gefühl, ich schreibe immer wieder die gleichen Songs. Das ist gar nicht mehr so, und das ist gut. Mal schauen, wo es noch hingeht.

Haben Sie noch Kontakt zu Xavier Naidoo, mit dem Sie ja eine Weile zusammengearbeitet hatten?
Der hat plötzlich den Kontakt abgebrochen. Naja, gibt ja gerade mehrere Verschwörungstheoretiker...

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