Eine kleine Polemik zu Musikpreisen
Beim feiertäglichen Öffnen des Mailprogramms erfahre ich, dass der Gambist Jordi Savall um 250.000 Euro geworden reicher ist. Am Samstag wurde ihm im Prinzregententheater der Ernst von Siemens Musikpreis verliehen. „Außerdem berichtete Ilona Schmiel von der breit gefächerten, weltweiten Projektarbeit, die die Musikstiftung 2026 mit 4,6 Mio. Euro unterstützt. Sie ging vor allem auf die Nachwuchsförderung ein, die ein Fördervolumen von 500.000 Euro umfasst“, heißt es in der Mail weiter.
Dann die nächste Mail: Die deutsch-argentinische Künstlerin Encantada aus München habe den BR Pop Radar Wettbewerb, teilt mir der Bayerische Rundfunk mit. „Die Sängerin eröffnet das Heimatsound-Festival am 31. Juli 2026 im Passionstheater Oberammergau und bekommt einen Gutschein für Musikinstrumente“, heißt es weiter. Und einen Auftritt im Salon Pitzelberger des Gärtnerplatztheaters gibt’s noch obendrauf.
Ich weiß, beides ist nicht vergleichbar. Der Ernst von Siemens Musikpreis ist ein Lebenswerkpreis, der von einer privaten Stiftung mit Sitz in der Schweiz vergeben wird. Die kann mit ihrem Geld machen kann, was immer sie will. Ihre Nachwuchspreise unterstützen junge Komponisten, die von Aufträgen leben und nicht von Einnahmen an der Abendkasse, was mich auch eigentlich begeistert.
Der BR zahlt den Gutschein nicht mal selbst
Solche Aufträge vergibt übrigens auch der Bayerische Rundfunk innerhalb seiner Konzertreihe musica viva. Im Pop-Bereich gibt der Sender dagegen nur einen Gutschein über 2000 Euro weiter, den ein Musikhaus in Schongau gestiftet hat.

Die Abendgage in Oberammergau mag zuzüglich Senderechten passabel sein. Aber wenn man dazu denkt, dass der BR drei klassische Klangkörper unterhält, könnte sich durchaus der Eindruck aufdrängen, dass für den Popnachwuchs höchstens Kleingeld übrig bleibt.
Preise haben generell den Nachteil, dass sich Jurys und edle Spender gern im Schatten von Berühmtheiten sonnen. Weshalb lieber Lebenswerke ausgezeichnet werden. Pop wird durchaus gefördert - etwa von der Stadt mit den Förderpreisen Musik und vom Freistaat im Rahmen der Bayerischen Kunstförderpreise. Und ein Staats-Pop mag so wenig erstrebenswert sein wie ein Staats-Rock und ein Staats-Rap.

Die Siemens-Stiftung hat eine singuläre Rolle in ihrer eigenen Szene und darüber hinaus. Aber man wird den Eindruck nicht los, als ginge es in der sehr jammerfreudigen Klassik- und Avantgardeszene vergleichsweise auskömmlich zu, während für den Pop-Nachwuchs nur ein paar Gutscheine abfallen und ansonsten dem Markt und den privaten Clubs die Zuständigkeit überlassen wird. Und das ist vielleicht doch etwas zu wenig. Zumal junge Pop-Künstler im Streamingzeitalter kaum noch die Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt allein durch Musik zu bestreiten.



