Kritik

Das einzige München-Konzert der "Münchener Freiheit": Regen kann die Fans nicht stoppen

Ein Abend voller Nostalgie: Die "Münchener Freiheit" verwandelt den Brunnenhof der Residenz bei ihrem einzigen München-Konzert in eine musikalische Zeitreise – mit Achtziger-Jahre-Feeling, Sommernachtsträumen und kleinen Regenschauern.
Ben Sagmeister
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Bassist der Kult-Band "Münchener Freiheit", Michael Kunzi im Brunnenhof der Residenz
Bassist der Kult-Band "Münchener Freiheit", Michael Kunzi im Brunnenhof der Residenz © Ben Sagmeister

Eine Schlange zieht sich durch den Apothekenhof in den Brunnenhof der Münchner Residenz: Die Münchener Freiheit spielt ihr einziges München-Konzert. Und plötzlich ist diese Band, die so untrennbar mit den Achtzigern verbunden ist, wieder in der Gegenwart.

Ein Mann streift durch die Wartenden. In der Hand hält er ein Pappschild: Er sucht noch ein Ticket. Und drinnen gehen die ersten Weinschorlen über den Tresen. Regenschirme sind, wie bei den meisten Konzerten, nicht erlaubt. Es bleibt also nur die Wahl zwischen Plastik-Poncho und einer – vielleicht sogar angenehmen – Dusche. Aber noch hält das Wetter. Ein paar Fans in den ersten Reihen tragen Shirts der Band, aber die meisten sind erstaunlich schick gekleidet, wenn auch lässig.

Die Band mit "der kürzesten Anreise"

Als Rauch langsam über die Bühne zieht, verstummen die Gespräche. Die Band betritt unter großem Applaus die Bühne. Mit dem Song "Liebe auf den ersten Blick" eröffnet die Kult-Band den Abend. Bei "Herzschlag ist der Takt" hält es viele nicht mehr auf den Sitzen. Gerade im hinteren Teil des Hofs stehen Fans und tanzen mit. Die Band wird mit "der kürzesten Anreise" angekündigt. Vor elf Jahren spielte sie zuletzt im Brunnenhof.

Die Kult-Band "Münchener Freiheit" im Brunnenhof der Residenz
Die Kult-Band "Münchener Freiheit" im Brunnenhof der Residenz © Ben Sagmeister

Die Münchener Freiheit spielt sich an diesem Abend durch ihre Geschichte, ohne dabei alt auszusehen. Bassist Michael Kunzi wird als "Held der tiefen Töne" gefeiert, aus dem Publikum kommen immer wieder Fan-Rufe. Gitarrist Aron Strobel strahlt im Rampenlicht. "Wir schauen auf den Himmel, wir schauen vor uns, wir freuen uns auf den schönen Abend", sagt Sänger Tim Wilhelm – und beginnt mit "Oh Baby".

Schon im Januar dieses Jahres erklärte Michael Kunzi im exklusiven Interview mit der AZ: "Bass und Schlagzeug sind eine Einheit." Man merkt, dass die Band grandios ineinandergreift. Die Spielfreude zieht an, auch die Vertrautheit mit dem Publikum. Es ist diese Art von Zusammenspiel, bei der man nicht mehr darüber nachdenkt, wer wann welchen Einsatz hat.

Dann hat der Abend seinen ersten magischen Moment. Alex Grünwald entführt am Keyboard den Brunnenhof mit seinen mystischen Klängen in einen wahren "Sommernachtstraum".

Das ist "Livemusik" mit Frieden, Freiheit, Freundschaft

Um kurz vor neun wird aus dem angekündigten Wetterrisiko Realität. Eine größere Regenwolke zieht über den Brunnenhof. Innerhalb weniger Sekunden verwandelt sich das Publikum in eine bunte Ansammlung von Regenponchos. Sänger Tim Wilhelm glaubt zunächst an eine einstudierte Choreo. Doch dann merkt er: Das ist keine Inszenierung, sondern Schutz vor den Tropfen.

Ein Lichtermeer im Brunnenhof

Zu "Herz aus Glas" holen die Zuschauer ihre Handys heraus. Hunderte kleine Lichter bewegen sich im Takt. Aus einem Konzertpublikum wird für den Moment ein Lichtermeer. Ein bisschen kitschig, sicher. Aber vor allem: schön.

Einen kurzen technischen Zwischenfall bei Michael Kunzi kontert Wilhelm lässig mit dem Ruf: "Das ist Livemusik!" und beweist, dass "live" eben nicht steril heißen muss. Sänger Tim Wilhelm strahlt außerdem Haltung aus: "Wir stehen für Freiheit, Frieden und Freundschaft", sagt er. Es ist ein einfacher Satz mit etwas plakativer Botschaft, aber in diesem Moment passt er erstaunlich gut – zu Menschen, die gemeinsam im leichten Regen stehen und weiter singen, tanzen und sich freuen.

Distanz zwischen Bühne und Publikum schrumpft

Wilhelm fordert zu "SOS" diejenigen auf, "die es auf den Sitzen nicht mehr aushalten", aufzustehen. Viele folgen. Bei "Ich steh auf Licht" bebt der Brunnenhof. Und dann kommt der Song, auf den alle gewartet haben: "Ohne dich (schlaf’ ich heut Nacht nicht ein)". Man muss diesen Titel nicht erklären.

Die ersten Takte genügen, alle singen mit – und für den Moment verschwindet die Frage, ob sich das Publikum im Hier und Jetzt oder in den Achtzigern befindet. Viele aus den hinteren Reihen sammeln sich jetzt vorne. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum schrumpft.

Ein echtes Lichtermeer zum Konzert der "Münchener Freiheit" im Brunnenhof der Residenz
Ein echtes Lichtermeer zum Konzert der "Münchener Freiheit" im Brunnenhof der Residenz © Ben Sagmeister

Als die Band die Bühne verlässt, ruft der Hof chorisch "Zugabe!". Die großen Klassiker sind gespielt: "Solang man Träume noch leben kann" beendet dann den Abend. Jetzt fällt auch wieder spürbar Regen – und er passt perfekt.

Zwischen den alten Mauern der Residenz im Regen mit Handy-Lichtermeer entsteht ein Schlussbild, das man sich nicht schöner hätte ausdenken können.

Denn die Münchener Freiheit hat im Brunnenhof nicht einfach ihre alten Hits gespielt. Sie hat Erinnerungen lebendig werden lassen – an eine Zeit, in der diese Lieder für viele mehr waren als Musik: Jugend, Sommernächte und das Gefühl, dass manche Songs für immer mit dem eigenen Leben verbunden bleiben. Der Regen hat dabei nicht gestört. Er hat den romantischen Abend erst vollkommen gemacht. 

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