Ein Hallodri mit Violine

Nigel Kennedy spielt statt des angekündigten Brahms-Konzerts im Gasteig lieber Bach - mit dem BBC Philharmonic Orchestra
| Volker Boser
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Geiger Nigel Kennedy.
Geiger Nigel Kennedy.

Der Veranstalter entschuldigte sich: Um der „künstlerischen Freiheit und Kreativität Rechnung zu tragen“, habe man sich „dem Programmvorschlag“ des britischen Geigen-Punks gebeugt. Eigentlich sollte Nigel Kennedy im Gasteig das Violinkonzert von Johannes Brahms spielen. Stattdessen musizierte das BBC Philharmonic Orchestra unter Juanjo Mena vor der Pause die siebte Symphonie von Dvorak – gefühlvoll, aber ziemlich deftig.

Danach hieß es „Nigel Kennedy plays Bach“. Über einen Klangteppich der Streicher türmte der exzentrische Hallodri orientalisch anmutende Ton-Kaskaden, die in eine ruppige, aber spannende Aufführung der Chaconne aus der D- Moll-Partita mündeten. Im Doppelkonzert BWV 1043 durfte der Konzertmeister des Orchesters, Yuri Torchinsky, mitmachen – außerdem, um das Ganze aufzupäppeln, Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Spätestens hier hatte sich die ernste Kunst schamhaft in eine Ecke verkrochen. Nigel Kennedy verließ das Podium, fragte die Damen in den ersten Reihen nach ihren Vornamen und machte sich – singend! – einen Reim daraus. Dazu Russen-Pop („Schwarze Augen“). US-Schmäh („Bonanza“) und der unvermeidliche „Czardas“ von Monti. Mittlerweile war es viertel nach zehn. Wer jetzt ging, mag nicht so ganz falsch gelegen haben. Schließlich war man gekommen, um das Violinkonzert von Brahms zu hören.

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