Ein Festival für Mieczyslaw Weinberg

Unter seinem Chefdirigenten Daniel Grossmann porträtiert das Jewish Chamber Orchestra Munich den Komponisten Mieczyslaw Weinberg
| Michael Bastian Weiß
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Mieczys³aw Weinberg.
Tommy Persson 2 Mieczys³aw Weinberg.
Mieczys³aw Weinberg mit seiner zweiten Tochter Anna.
Tommy Persson 2 Mieczys³aw Weinberg mit seiner zweiten Tochter Anna.

Einen kuriosen Umstand gibt es im Falle des Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919 – 1996) zu bestaunen: Während größte Teile seines gesamten, ziemlich umfangreichen OEuvres auf CD eingespielt wurden, ist seine Musik bislang kaum im Konzert zu hören. Das wird sich nun ändern, denn ein einwöchiges Festival, das am 20. Mai in München beginnt, stellt Leben und Werk des in Warschau geborenen, ab 1943 bis zu seinem Tod in Moskau wirkenden Weinberg in den Mittelpunkt.

Initiator der insgesamt sechs Veranstaltungen ist das Jewish Chamber Orchestra Munich, das bis zum letzten Jahr noch als Orchester Jakobsplatz firmierte. Dessen Chefdirigenten Daniel Grossmann interessiert an Weinberg, wie einzigartig konsequent er sich in seinem Werk mit seinem Judentum identifizierte.

Den Klezmer-Stil vorweggenommen

Seine Melodik etwa, die sich immer wieder auf jüdische Volksmusik bezog, habe, so Grossmann, in vielen Punkten den heute allseits geschätzten Klezmer-Stil vorweggenommen. Diese Schaffensquelle teilt Weinberg mit seinem lebenslangen Freund Dmitri Schostakowitsch, mit dem er eng zusammenarbeitete. So spielten die Kollegen häufig vierhändig ihre jeweils neuesten Kompositionen.

Für das Jewish Chamber Orchestra Munich stellen die Partituren Weinbergs, die zum Teil zu dessen Lebzeiten nicht uraufgeführt wurden, eine Herausforderung dar, wie Grossmann berichtet: Die Tempi sind oft außerordentlich langsam oder schnell, ebenso extrem wie die Lagen, in denen die Instrumente spielen.

Ein Beispiel dafür ist die frühe Symphonie Nr. 2 für Streichorchester, die in einem Orchesterkonzert in den Münchner Kammerspielen mit einem der letzten Werke Weinbergs, der Kammersymphonie Nr. 4 aus den 1990er Jahren, gekoppelt werden wird (21. Mai, 20 Uhr).

Eine schwarzhumorige Kammeroper

Neben einem moderierten Kammerkonzert, das eine „Expedition“ in Weinbergs Schaffen unternehmen wird (20. Mai, 19 Uhr), und einem weiteren Orchesterkonzert auf Schloss Elmau (25. Mai, 20.30 Uhr) wird ein Höhepunkt des Festivals die Aufführung der Kammeroper „Lady Magnesia“ in den Münchner Kammerspielen sein (23. Mai, 20 Uhr).

Die einaktige Groteske nach einem schwarzhumorigen Text von George Bernard Shaw wird szenisch gegeben. Susanne Bernhard übernimmt die Titelrolle, die sie als gleichzeitig „wenig sympathisch“, aber „unglaublich witzig“ beschreibt: Darin wird der Diener, mit dem Lady Magnesia ein Verhältnis hat, von seinem eifersüchtigen Herrn vergiftet.

Als einziges schnell wirkendes Gegenmittel erweist sich Gips, sodass der Ehebrecher sich sofort hastig daran macht – den Stuck von der Zimmerdecke zu verspeisen. Dieses erst 2009 uraufgeführte Werk ist übrigens bislang nicht auf CD eingespielt worden, sodass schon allein dieser Abend den Besuch eines Festivals lohnt, das einige der repertoirepolitisch interessantesten Veranstaltungen dieser Saison bietet.

Information auf www.jcom.de, Karten unter Telefon 54 81 81 81

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