Duran-Duran-Schlagzeuger Roger Taylor: "Musik ist meine Droge"
Die britische Band Duran Duran kehrt für mehrere Konzerte nach Deutschland zurück. Den Auftakt macht am 26. Juni ein Auftritt in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Im Herbst folgen zwei weitere Shows am 5. Oktober in Hamburg und am 8. Oktober in Köln. Die 1978 gegründete Gruppe zählt zu den einflussreichsten Bands der 1980er-Jahre und hat in ihrer mehr als vier Jahrzehnte langen Karriere über 100 Millionen Tonträger verkauft.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Duran-Duran-Schlagzeuger Roger Taylor (66) über seine Erfahrungen mit dem deutschen Publikum und darüber, wie sich sein Spiel im Laufe der Jahre verändert hat. Außerdem gibt er Einblicke in sein Leben abseits der Bühne.
Wie würden Sie das deutsche Publikum im Vergleich zu Fans in anderen Ländern beschreiben?
Roger Taylor: Wir haben im vergangenen Jahr mehrere Konzerte in Deutschland gespielt und waren beeindruckt, wie begeistert die Fans reagiert haben. Nachdem wir in den letzten zwei Jahrzehnten einen Großteil unserer Tourneen in den USA absolviert haben, haben wir Europa etwas vernachlässigt. Umso schöner ist es jetzt, wieder eine engere Verbindung zu den Fans hier aufzubauen. Es fühlt sich an, als würden uns die europäischen Zuschauer gerade neu für sich entdecken, und das ist wirklich aufregend.
Gibt es nach Jahrzehnten auf Tour noch Länder, in denen Sie besonders gern auftreten?
Roger Taylor: Wir freuen uns grundsätzlich immer darauf, live zu spielen - besonders in Regionen, die wir längere Zeit nicht besucht haben. Deutschland und allgemein Europa haben für uns dabei einen besonderen Stellenwert, weil wir dort seit unseren Anfangsjahren nicht so häufig aufgetreten sind. Ich erinnere mich, dass unser Durchbruch in Deutschland mit "The Wild Boys" kam - unsere früheren Alben fanden weniger Resonanz, aber dieser Song entwickelte sich zu einer Art Hymne. Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir in Schwierigkeiten geraten würden, wenn wir ihn aus der Setlist streichen würden.
Wie hat sich Ihr Schlagzeugspiel nach fast fünf Jahrzehnten im Musikgeschäft verändert?
Roger Taylor: In meinen Anfangsjahren bin ich mit voller Intensität in jede Performance gegangen. Oft war ich schon nach dem vierten Song völlig erschöpft. Rückblickend denke ich, hätte ich mir meine Kräfte besser einteilen sollen. Mit der Zeit habe ich gelernt, bewusster mit meiner Energie umzugehen. Es ist ein bisschen wie beim Fußballspielen in großer Hitze - man kann nicht über die gesamte Spielzeit Vollgas geben, daher ist das richtige Einteilen der Kräfte entscheidend. Heute gehe ich kontrollierter vor, was mir ermöglicht, über eine zweistündige Show hinweg konstant zu bleiben.
Wie haben Sie gelernt, Ihre Kräfte einzuteilen?
Roger Taylor: Ich habe angefangen, mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Sobald man die Bühne betritt, setzt immer ein Adrenalinschub ein - egal, wie viele Jahre man schon auftritt oder wie groß das Publikum ist. Für mich ist es wichtig, ruhig zu bleiben, dieses Adrenalin zu kontrollieren und meine Energie bewusst zu steuern. Letztlich kommt es auf eine gleichmäßige Atmung an.
Wer hat Sie als Schlagzeuger am Anfang besonders geprägt?
Roger Taylor: Mein erster großer Einfluss war Ringo Starr. Ich bin mit der Musik der Beatles aufgewachsen. Er war der erste Schlagzeuger, den ich bewusst wahrgenommen habe und ich halte ihn bis heute für außergewöhnlich. Er war vielleicht nicht spektakulär, aber er spielte immer genau das, was ein Song brauchte, und genau das habe ich stets versucht nachzuahmen. Stark geprägt haben mich außerdem John Bonham, dessen Kraft und Stil ich sehr bewundert habe, sowie Paul Thompson von Roxy Music.
Später entwickelte ich ein großes Interesse an elektronischer Musik, insbesondere durch Kraftwerk. Sie als Jugendlicher live zu sehen, war ein prägender Moment für mich. Ich war spontan zu dem Konzert gegangen, ohne zu wissen, was mich erwartete. Umso faszinierter war ich davon, dass sie elektronische Schlagzeuge einsetzten. Diese Erfahrung hat meine Perspektive grundlegend verändert. Seither hatte ich nie Angst, mit elektronischen Drumkits zu experimentieren. In vielerlei Hinsicht verdanke ich diese Offenheit Kraftwerk.
Spielen Sie lieber auf einem akustischen Schlagzeug oder auf elektronischen Drums?
Roger Taylor: Ich habe immer beide Ansätze gleichermaßen geschätzt und mich nie darauf beschränkt, mich ausschließlich über elektronische Klänge auszudrücken. Für mich können beide Welten problemlos nebeneinander existieren. Diese Balance ist in vielerlei Hinsicht zu einem prägenden Element des Duran-Duran-Sounds geworden.
Wie sieht ein typischer Tag für Sie aus, wenn Sie nicht auftreten?
Roger Taylor: Für mich bedeutet ein freier Tag vor allem Erholung. Ich habe gelernt, die Anforderungen der Auftritte zu respektieren und meine Energie gezielt einzuteilen. Während andere vielleicht die Stadt erkunden, konzentriere ich mich darauf, Kräfte zu sparen, um bestens vorbereitet auf die Bühne zu gehen. Am Abend vor einem Konzert wird man mich daher nicht in der Bar antreffen. Ich bin überzeugt, dass sich eine Karriere über Jahrzehnte nur so durchhalten lässt. Musik ist meine Droge.
Viele Bands beginnen irgendwann in ihrer Karriere Nostalgie-Tourneen zu spielen. Wie wichtig ist es Ihnen, mit Duran Duran nicht nur auf Nostalgie zu setzen, sondern weiterhin neue Musik zu veröffentlichen?
Roger Taylor: Das war uns immer sehr wichtig. Als wir wieder zusammenkamen, wäre es leicht gewesen, auf die Welle der Nostalgie aufzuspringen und finanziell hätte sich das sicherlich gelohnt. Aber wir wollten uns nie ausschließlich über Musik definieren, die wir vor Jahrzehnten gemacht haben. Statt in der Vergangenheit zu verharren, richten wir den Blick nach vorn. Diese Haltung - im Moment zu leben, statt zurückzuschauen - hat sich für uns über die Jahre bewährt und prägt bis heute, wer wir als Band sind.
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