Apache 207 in der Olympiahalle: München feiert den Rap-Star trotz Wiesn

Am Donnerstagabend gab Apache 207 das erste von zwei Konzerten in der Münchner Olympiahalle und die war trotz Wiesn und Länderspiel in der Allianz Arena brechend voll.
Moses Matthias Wolff |
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Trotz Wiesn und Deutschland-Spiel in der Allianz Arena rappte Apache 207 am Donnerstagabend in der ausverkauften Olympiahalle.
Trotz Wiesn und Deutschland-Spiel in der Allianz Arena rappte Apache 207 am Donnerstagabend in der ausverkauften Olympiahalle. © Jens Niering

Schummriges Licht erfüllt den Raum. Auf den Monitoren erscheinen Aufnahmen vom Inneren eines Flugzeugs, Sitzplätze, Anschnallgurte, Gänge. Eine freundliche Stewardessenstimme flötet: "Willkommen an Bord. Unser heutiger Flug führt uns nach München. Die voraussichtliche Flugzeit beträgt etwa zwei Stunden. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt an Bord und einen entspannten Flug. Vielen Dank, dass Sie mit uns reisen." Dann erscheint der Schriftzug "Die Kunst des Fliegens".

Wir sehen zwei gepflegte Männerhände mit matt lackierten Fingernägeln, die mehrmals den Versuch unternehmen, einen perfekten Papierflieger zu falten. Misslungene Exemplare werden zerknüllt und in einen überfüllten Papierkorb geworfen. Das Gesicht von Apache 207 erscheint. Sein Blick ist entschlossen. Besonnen. Friedvoll. Männlich. Sympathisch.

Apache 207 mit seinem selbstgefalteten Papierflieger.
Apache 207 mit seinem selbstgefalteten Papierflieger. © Jens Niering

Er sagt: "Alles beginnt mit einem weißen Blatt. Noch vor der ersten Falte lernen wir, dass es einen bewussten Griff braucht, um einen Eindruck zu hinterlassen. Zu viel Druck lässt das Papier reißen, jede unbedachte Falte hinterlässt Spuren. Papier erinnert sich. Also beginnen wir von vorn, etwas langsamer, mit Gefühl und der richtigen Kraft.

Mitten in der Halle steht plötzlich eine Passagiermaschine

Doch wann ist ein Flieger perfekt? Wenn er trägt, schwebt oder weiter fliegt, als wir zu hoffen wagen?" Endlich ist es ihm gelungen. Dieser Flieger ist gelungen. Er wirft ihn aus dem Fenster, er oszilliert durch München, quer durchs Olympiazentrum, durch Gänge und Backstagebereiche mitten auf die Bühne. Die vorher an etwa die Hälfte der Besucher verteilten Blink-Armbändchen werden azurblau. Wie der Himmel am Firmament. Die Stimme spricht weiter: "Fliegen ist nicht nur ein Wagnis, sondern auch ein Akt des Vertrauens. Wir alle falten täglich an unseren Träumen, Kniff für Kniff. Und wie sieht dein Papierflieger aus, wenn er fertig ist?"

Die Lichter erlischen. Ein Windstoß ist zu hören. Plötzlich leuchtet alles knallrot. Die Stewardess sagt: "Bitte kehren Sie zu Ihren Sitzplätzen zurück." Ein lauter Knall, gefolgt von einem Blitz. Mitten in der Halle steht plötzlich eine Passagiermaschine, deren obere Hälfte sich langsam nach oben hebt. Der Star des Abends steigt aus dem Inneren der Maschine empor, bestens gelaunt, mit weißem Pilotenoutfit und Fliegersonnenbrille.

Eine Passagiermaschine, mitten in der Olympiahalle, dient Apache 207 als Konzertbühne.
Eine Passagiermaschine, mitten in der Olympiahalle, dient Apache 207 als Konzertbühne. © Jens Niering

"Manchmal erfasst uns ein Windstoß, trägt uns scheinbar in ungeahnte Höhen, ändert plötzlich die Richtung und lässt uns abstürzen. Dann zeigt sich, ob das Papier zu dünn war, die Falten zu schwach – und wenn der Wind uns schließlich verlässt, ob unser Flieger wirklich fliegen kann. Und ob wir die Kunst des Fallens beherrschen."

Trotz Wiesn und Länderspiel: Olympiahalle ist brechend voll

Sanft schlendert der Zeremonienmeister über die schmalen Flügel, balanciert geschickt hin und her. Die Menge tobt. Musik erklingt. Seine Stimme singt: "Wir zeigten mit dem Finger auf die Villen, an denen wir als Kinder vorbeigefahren sind." Doch etwas scheint mit dem Mikrophon nicht in Ordnung zu sein. Es wirkt fast so, als würde eine unsichtbare Macht die Tonhöhe des attraktiven Sängers elektronisch korrigieren, um seine Stimme präziser oder bewusst künstlich klingen zu lassen.

Aber Moment? Rasch wird klar, dass dies ein beabsichtigter Effekt ist, der den gesamten Abend weitergeführt werden soll. Autotune, eine Mischung aus Künstlichkeit und Präzision, wie der Autopilot eines Flugzeugs, der den Gesang zuverlässig auf Kurs hält. Mehrmals begrüßt Apache 207 erfreut die bayerische Landeshauptstadt und zeigt sich dankbar, dass ihn trotz Fußball und Oktoberfest eine brechend volle Halle begrüßt. Sein Lächeln wirkt authentisch, echt und beruhigend. Feuersalven schießen neben dem Cockpit empor. Er entfacht ein zweistündiges Meisterwerk der guten Laune; die Begeisterung seiner Fans steigert sich von Song zu Song. Auch die eine Etage tiefer agierenden Livemusiker strotzen vor Lebensfreude.

Apache 207 begeisterte seine Fans in der ausverkauften Olympiahalle von der ersten Minute an.
Apache 207 begeisterte seine Fans in der ausverkauften Olympiahalle von der ersten Minute an. © Jens Niering

Es gibt Künstler, denen man auf Anhieb vertraut. Apache 207 besitzt jene seltene, beinahe altmodische Unbeschwertheit, die man bei Menschen seines Bekanntheitsgrades kaum noch erwartet. Er wirkt, als habe ihm niemand rechtzeitig erklärt, wie berühmt er eigentlich ist. Während andere ihresgleichen mit bedeutungsschwerer Miene die eigene Bedeutung hart abfeiern, scheint er sich über den ganzen Betrieb noch immer ein wenig zu wundern. Er schmunzelt, scherzt, bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit, als stünde er nicht vor Tausenden begeisterten Menschen, sondern vor sehr vielen lieben Freunden, die gerade zufällig alle gleichzeitig vorbeigekommen sind. Klar weiß er, dass er sein Handwerk beherrscht. Nur scheint er daraus keine gesellschaftliche Verpflichtung zur Eitelkeit abzuleiten.

Beinahe kindliche Heiterkeit, die nichts Aufgesetztes hat

Besonders bemerkenswert ist diese beinahe kindliche Heiterkeit, die nichts Aufgesetztes hat. Er muss niemandem beweisen, wie lässig er ist. Die Menschen lieben ihn und er liebt zurück. Die gesamte Halle kennt jede Zeile und jeden Takt, singt an den wichtigen Stellen mit, alles passt perfekt zusammen. Der Frontmann ist seinem Publikum sehr nah, schwebt zwischendrin wie ein Engel auf einer rollenden Wolke, die wie ein schneeweißes Federbett aus einem verwunschenen Königreich wirkt, durch die Reihen, klatscht einzelnen Menschen kumpelhaft die Hände ab und lässt sich mit seinen Bewunderern fotografieren, während die Band feinste R’n’B-Musik zum Besten gibt. Zum gleichen Zeitpunkt, als gar nicht weit entfernt späte Gäste glücklich aus dem Bierzelt nach Hause schunkeln, entlässt Apache 207 seine Anhängerschaft in den warmen Reigen einer frohgemuten Münchner Nacht und der kleinen, wohltuenden Botschaft der wonnetrunkenen Behaglichkeit.

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