Der Gergiev-Marathon

Drei Tage Musik! Das Festival MPhil 360 Grad mit Valery Gergiev sprengt alle Dimensionen.
| Michael Bastian Weiß
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Philharmoniker-Intendant Paul Müller, Bratschist Wolfgang Berg, Chefdirigent Valery Gergiev, Orchestervorstand Matthias Ambrosius und Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici (von links).
Philharmoniker Philharmoniker-Intendant Paul Müller, Bratschist Wolfgang Berg, Chefdirigent Valery Gergiev, Orchestervorstand Matthias Ambrosius und Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici (von links).

Drei Tage Musik! Das Festival MPhil 360 Grad mit Valery Gergiev sprengt alle Dimensionen.

München - Es liegt eine durchaus mitreißende Aufbruchsstimmung in der Luft. Begeistert erzählen Mitglieder der Münchner Philharmoniker von den Vorbereitungen zum ehrgeizigen Festival „MPHIL 360?“, das am nächsten Wochenende zum ersten Mal stattfinden wird. Man kann über den frischgebackenen Orchesterchef Valery Gergiev manches sagen, aber nicht, dass er seine Amtszeit in München nicht höchst engagiert beginnen würde: Alle vier Säle des Gasteigs werden am 14. und 15. November bespielt, Gergiev selbst wird einen spektakulären, ganztägigen Konzert-Marathon dirigieren, und es gibt Projekte mit Jazzern und sonstigen nicht klassisch ausgebildeten Musikern. Dazu sind die Konzerte des Samstags für das interessierte Publikum kostenlos – allzu viele Restkarten gibt es aber nicht mehr.

Das einzige, das nicht ganz zur überall herrschenden Aufbruchsstimmung passt, ist das sauber gerahmte Bildnis Sean Connerys auf dem Schreibtisch des philharmonischen Intendanten Paul Müller – schließlich ist ersterer schon lange nicht mehr James Bond

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Freilich gibt es Liebesgrüße aus und nach Russland. Valery Gergiev spricht davon, die russisch-deutschen Beziehungen musikalisch zu intensivieren. So werden beim Festival das MPhil Kammerorchester und das Mariinsky Stradivari-Ensemble aus St. Petersburg gemeinsam auftreten (14. November).

 

Für den neuen Chef heißt es: 10 Stunden am Stück dirigieren

 

Das voll besetzte Mariinsky Orchester wird dann am 15. November gleich drei von fünf Konzerten hintereinander bestreiten und damit einen wahren Marathon, der vormittags beginnt und bis zum Abend geht. Zu hören sind dann alle fünf Klavierkonzerte Sergej Prokofjews, von denen die beiden letzten, selten gespielt werden, mit fünf renommierten Pianisten; wie Gergiev mit einiger persönlicher Befriedigung erzählt, hat etwa Denis Matsuev das zweite Konzert erst für diese Aufführung gelernt. Kombiniert werden die Klavierkonzerte mit klassischen, romantischen sowie modernen Werken. Man darf gespannt sein, ob das ungefähr zehnstündige Dauerdirigieren selbst ein Kraftpaket wie Gergiev an physische Grenzen bringt.

Danach aber müsste Gergiev an einem einzigen Tag mehr über die berühmte Gasteig-Akustik herausgefunden haben als viele andere Dirigenten vor ihm. Es ist schon jetzt bedenkenswert, was er aus einer vergleichenden Perspektive urteilt: dass nämlich zum Beispiel die Bühne des Wiener Musikvereins wesentlich kleiner sei als die des Gasteigs, die dortigen Philharmoniker somit sehr, sehr eng aufeinander säßen – und gerade diese Nähe zum intensiveren Zusammenspiel beitragen würde. Es ist also, so Gergiev pragmatisch, schon allein dadurch einiger Vorteil zu erzielen, wenn man das Orchester auf der Bühne des Gasteigs nur einigermaßen sinnvoll aufstellt. Und: Es käme einem „killing effect“ gleich, erst bestehende Gebäude unspielbar zu machen und dann womöglich Jahre und Jahrzehnte auf Alternativen warten zu müssen.

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Das geht übrigens auch schon deshalb nicht, weil bereits nächstes Jahr ein neues Festival stattfinden soll. Die Philharmoniker verstehen diese Angebote an das hiesige Musikleben nicht zuletzt auch als Antwort auf das Problem, dass die kommenden Hörer klassischer Musik an die Orchester herangeführt werden müssen.

Für philharmonische Arroganz ist da kein Platz mehr, und so berichtet der Bratscher Wolfgang Berg hörbar inspiriert vom sogenannten Community-Projekt, in welchem musikalische Energien professioneller und bloß engagierter Musiker zusammenschießen. Außerdem werden kleinere Philharmoniker-Gruppen zum Beispiel mit dem Jazz-Trompeter Till Brönner – auch bekannt aus einer Fernseh-Show – auftreten (beides am Samstag).

Und wo bleibt bei all dem Sean Connery? Er ist immerhin bis heute das Original. Das werden auch die Münchner Philharmoniker bei aller Lust auf Veränderung bleiben wollen. Insofern eine passend gewählte Ikone, Herr Intendant!


„MPHIL 360?“ vom 13. bis 15. November: Auch für die Gratis-Konzerte am Samstag, 14. November, braucht man eine Eintrittskarte. Tickets gibt es an der Verkaufsstelle im Gasteig und unter Telefon 58 81 81 81 – und man sollte schnell sein, manches ist schon fast ausverkauft.

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