Der fünfte Abend von Igor Levits Beethoven-Zyklus

| Robert Braunmüller
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Igor Levit im Haus für Mozart.
SF/Marco Borrelli Igor Levit im Haus für Mozart.

Beethovens zweite Klaviersonate erinnert an sein zweites Klavierkonzert. Der erste Satz bringt den galant klassischen Stil von Mozart und Haydn auf Siedehitze. Das klingt eindrucksvoll, aber noch nicht unverwechselbar. Dann folgt ein langsamer Satz, dessen erhabener Ernst und feierliches Pathos nur von Beethoven stammen kann.

Der Pianist Igor Levit ist der gegenwärtig ideale Interpret für solche Zusammenhänge. Das ist nicht neu, denn er hat alle Sonaten bereits aufgenommen und den kompletten Zyklus im Münchner Prinzregententheater aufgeführt. Aber es ist erstens schön, den Eindruck noch einmal bestätigt zu bekommen. Und zweitens spielt Levit bei aller Durchdachtheit seiner Interpretation auch so spontan, dass jedes Konzert einmalig wirkt.

Der fünfte Abend von Levits Beethoven-Zyklus im Salzburger „Haus für Mozart“ brachte keine der ganz berühmten Sonaten und auch nur eine mit einem charakteristischen Beinamen. Dafür gab es vier weniger gespielte Werke, in denen der Komponist den Absprung vom 18. ins 19. Jahrhundert probte und einen eher grotesken Humor kultivierte.

Der ironische Beethoven

Aber genau das machte den besonderen Reiz dieses Abends aus. Levit sucht nach Pointen und liebt das Barsche von Beethovens Musik. Er betont diese Seite, aber er spielt sich als Interpret dabei nicht in den Vordergrund. Orchestral auftrumpfen kann der Pianist natürlich auch, etwa im Largo appassionato der Sonate Nr. 2, deren Choral er monumental steigerte. Den Schmerz des „Largo e mesto“ der Sonate Nr. 7 gestaltet er so herb wie anrührend, ehe das Leben frisch durch ein Rondo rauschte und die bizarre, aus drei schnellen bestehende Sonate Nr. 6 folgte.

Die ebenfalls hochironische, mit älteren Stilen und Formen spielende Sonate Nr. 18 „Die Jagd“ stand am Ende des Programms. Auch hier dominierte der Witz über die allzu vordergründige Virtuosität, die Levit ganz selbstverständlich beisteuert. Tiefsinnige, das Tempo romantisch herunterregelnde Pianisten gibt es am Markt im Dutzend. Aber nur wenige, die sich in ähnlicher Weise auf den Witz verstehen.

Man sagt’s, der coronabedingt leidenden Gastronomie wegen, eher ungern: Wenn vier Sonaten in 90 Minuten pausenlos aufeinander folgen, hat das seine Vorzüge. Die Konzentration des Hörers steigt, und das Gemeinsame wie Gegensätzliche der Werke kommt ebenfalls deutlicher heraus.

Als Zugabe spielte Levit nicht die unvermeidliche Beethoven-Bagatelle. Er habe heute Lust auf einen Ragtime von Scott Joplin, sagte er. Und dieser Lust gab der Pianist dann auch nach, den Humor Beethovens ins Universale weitend.

Igor Levits Aufnahme der Beethoven-Sonaten bei Sony Classical. Restkarten für die noch folgenden Konzerte in Salzburg am 15., 17. und 21. August unter www.salzburgfestival.at. Arte Concert überträgt die Konzerte zeitversetzt

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