Der Abschied von Max Greger in Grünwald

Wie die Beerdigung von Max Greger heute in Grünwald abläuft – und wie seine Fans trauern
| Christian Pfaffinger
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Kollegen, Freunde, Weggefährten: Hugo Strasser (93, l.) spielt heute auf der Beerdigung Max Gregers († 89) den Song „Yesterday“.
dpa Kollegen, Freunde, Weggefährten: Hugo Strasser (93, l.) spielt heute auf der Beerdigung Max Gregers († 89) den Song „Yesterday“.

München - Wenn Hugo Strasser an diesem Vormittag das Mundstück seiner Klarinette ansetzt und Luft aufs Blatt bläst, wird es sehr still sein. Nur er allein wird klingen, dieser klare, volle und bei all seiner Eindringlichkeit samtige Strasser-Ton. Dieser Ton wird ein Lied werden, ein Lied für einen Freund. Man wird es hören – und man wird diesen Ton spüren.

„Yesterday“ – diesen Klassiker der Beatles hat sich Hugo Strasser für die Beerdigung seines Freundes und Musikerkollegen Max Greger († 89) ausgesucht. Bei der Trauerfeier, die heute um 10.30 Uhr auf dem Waldfriedhof in Grünwald stattfindet, wird Strasser ein letztes Lied für seinen langjährigen Weggefährten spielen.

Überhaupt soll es eine musikalisch geprägte Trauerfeier werden. Die Familie der am vergangenen Wochenende an den Folgen eines Krebsleidens verstorbenen Swing-Legende hat mehrere Stücke ausgesucht. Darunter sind etwa der Jazz-Standard „Stardust“, das durch Nat King Cole bekannt gewordene „Unforgettable“ und „What a wonderful world“, die Liebeserklärung an das Leben, die durch Louis Armstrongs unnachahmlichen Gesang berühmt wurde. Max Greger kannte Louis „Satchmo“ Armstrong, er war mit ihm aufgetreten. „Stardust“, „Unforgettable“, „What a wonderful world“ – „das waren alles Stücke, die mein Vater sehr gern gehört hat“, sagt sein Sohn Max Greger junior. „Deswegen werden wir sie auch spielen.“

Die Trauerfeier ist zwar privat, in die Aussegnungshalle haben nur Familienmitglieder und Freunde Zutritt. Allerdings übertragen Lautsprecher die Feier nach draußen.

Natürlich wird auch Max Greger selbst zu hören sein. Es werden alte Aufnahmen Gregers aus den 1950er Jahren sowie der drei Max-Greger-Generationen zu gespielt. Der Jazzmusiker trat mehrmals mit Sohn Max junior und Enkel Maxi auf.

„Ein Stück Münchner Geschichte ist gegangen“

In einem Interview in der AZ sagte er vor zwei Jahren dazu: „Das ist für mich das Schönste, was es gibt, wenn ich mit meinem Sohn spiele und dann darf ich noch einen Enkel ansagen.“ Einmalig sei das auf der Welt, dass eine Musikerfamilie in drei Generationen auf der Bühne steht.

„Wir werden Dich unendlich vermissen“, heißt es in einer Traueranzeige der Familie. Um Max Greger trauern neben seinen Söhnen auch seine Tochter Hannerl und seine Frau Johanna, mit der er über 60 Jahre verheiratet war.

Auch die Fans des Musikers gedenken seiner mit Trauerbotschaften und Würdigungen. Auf az-muenchen.de und auf der Facebook-Seite der Abendzeitung zeigen Fans des verstorbenen Bandleaders ihr Mitgefühl und bringen zum Ausdruck, was seine Musik für sie bedeutet hat. So schreibt etwa Brigitte Schmidt: „Toller Musiker und tolle Musik, die wir schon als Kinder kannten. Unvergessen!“ Der Nutzer „Sepp Semmel“ kommentiert: „Ein Stück Münchner Geschichte ist gegangen. Ein klasse Musiker, der gezeigt hat, dass es bei uns nicht nur Volksmusik gibt. Und ein prima Mensch. Los Max, zeig dem Herrn, wie Saxophon spielen geht!“ Ein weiterer Fan schreibt: „Max Greger war einer der letzten großen Entertainer. “

Hugo Strasser teilte die Nachricht vom Tod seines Freundes und Musikerkollegen auf seiner Fanseite – auch hier gibt es große Anteilnahme und würdigende Worte. Mini Schulz schreibt über Max Greger: „Er hat uns gezeigt, dass Jazz immer auch fürs Publikum gespielt wird – das hat man ihm gedankt. Danke, lieber Max.“ Für viele ist Max Greger eine Erinnerung an eine frühe Lebensphase und dadurch auch mit Emotionen verbunden. So etwa für Martin Nienhaus. Greger sei sein erster Kontakt mit der Bigband-Musik gewesen, schreibt er. Er hörte Greger im Fernsehen, seitdem habe ihn diese Musik nicht mehr losgelassen. Und Jörg Blättler charakterisiert Greger als „musizierenden Gentleman erster Güte, den ich stets bewundert habe“. Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreiben die Nutzer über Greger.

So zum Beispiel Günter Klein: „Aus den Wolken dringt ein lässiges Fingerschnippen herab auf die Erde.“ Hugo Strasser kennt dieses lässige aber schneidige Fingerschnippen. Er wird es innerlich hören – und heute im Takt seines verstorbenen Freundes spielen.

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