Debütalbum von "Isarkind": Man hört das Isarrauschen

Das überraschende Debütalbum der Münchner Band Isarkind.
| Matthias Kerber
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Die Isarkinder Michael (l.) und Christian.
Isarkind/Flo Strigl Die Isarkinder Michael (l.) und Christian.

München - Der erste Gedanke: Bitte nicht. Bloß nicht das x-te, x-beliebige gesichts-, charakter-, ideen-, und bedeutungslose Deutschpop-Album, in dem mit bedeutungsschwangerer Stimme geballte Banalitäten in Kreativ-Tristesse vorgetragen werden.

Der erste Eindruck: Halleluja! Dem Musik-Gott sei dank! Isarkind sind anders, heben sich aus dieser überbordenden Flut des musikalischen Nihil wohltuend ab. Ein bajuwarisches Duo, Michael (Schlagzeug) und Christian (Gitarre), als Band geboren und gefunden bei einer Berg-Brotzeit, macht einfach Musik.

Sie machen sich auf die Reise der Herzensklänge fernab von Synthesizern und servil-sterilen Studio-Spielereien, die von der nicht vorhandenen Essenz ablenken sollen. Nur in drei Liedern, "Amar", "You Are My Summer" und "Chocolate And Beer" ist überhaupt Gesang enthalten, aber dieser wird eher wie ein weiteres Instrument eingesetzt. Als Klangfarbe, nicht als Botschaftenverkündung. Das Spiel ist introvertiert, das Schlagzeug unaufgeregt, aber akzentuiert. Die Gitarre, sie singt, sie schwingt, sie weint, sie lacht – sie lebt. Poesie ohne Worte. Ambient mit Puls nennen Isarkind ihre Musik.

Der Sound ist Club-Musik. loungig, entspannt - und entspannend. Man hört das Isarrauschen, die Lebensader des Freistaates und seines bajuwarischen Lebensgefühls. Man spürt Münchner Geschichten, die nach Irgendwo und Sowieso ziehen, beim Monaco Franze vorbeischauen, ihm in Spatzerl-Nostalgie zuzwinkern und mit einem Kir Royal zuprosten.

Das Isarkind ist mal verführerisch säuselnd, mal in den Strudel ziehend, mal (mit-)reißend. In seinen besten Momenten ("Amar") erinnert das Spiel a bisserl an die Gitarren-Götter von Rodrigo y Gabriela. "Live Wire" überzeugt mit Dynamik, "Chocolate And Beer" ist der Zentral-Song, dessen Riff auch in anderen Songs als Zitat hervorlugt.

Das einzige Manko ist eine leichte Monotonie. Aber auch das, nämlich die geordneten Bahnen, das Verharren in dem Wert, dessen Güte als sichere Erkenntnis zur Tradition geworden ist, auch das ist Bajuwaren-Lebensart, die echten Isarkindern eben anheim ist.

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