David Garrett auf Recital Tournee

David Garrett und Julien Quentin machen auf ihrer „Recital Tournee“ Station in München: César Francks große Violinsonate und virtuose Miniaturen
| Michael Bastian Weiß
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David Garrett bei seinem Konzert im Gasteig.
Jens Niering David Garrett bei seinem Konzert im Gasteig.
David Garrett und Julien Quentin machen auf ihrer „Recital Tournee“ Station in München: César Francks große Violinsonate und virtuose Miniaturen
 
Vor wenigen Wochen war endlich wieder einmal Itzhak Perlman in München zu Gast, den David Garrett zu seinen großen Vorbildern zählt und in dessen New Yorker Klasse er eine Zeitlang studierte. Es ist daher wohl kein Zufall, wenn das aktuelle Programm Garretts und seines Begleiters Julien Quentin ganz offen Perlmans Programmgestaltung übernimmt, das Konzert in der Philharmonie mit einer großen Sonate, derjenigen César Francks, zu eröffnen und dann viele Kleinigkeiten folgen zu lassen. Im Gegensatz zu Perlman jedoch ist Garrett von Anfang an um den Kontakt zum Publikum bemüht. Jedes der Stücke wird mit wenigen persönlichen Sätzen eingeleitet, wobei Garrett sich gerne auf seine mittlerweile 25jährige Bühnenerfahrung bezieht. Spontan sind diese Plaudereien übrigens nicht, Garrett wird von einem  Teleprompter unterstützt.
 
Dieses kleine Detail, das ja eigentlich nur die Präsentation betrifft, ist doch auch aussagekräftig, wenn es darum geht, Garretts Musizierweise zu charakterisieren.  Gerade im Vergleich mit der Deutung Itzhak Perlmans zeigt sich, wie unterschiedlich der ehemalige Schüler an das Werk herangeht. Während Perlman die Sehnsüchtigkeit gerade der Ecksätze in ein violinistisch höchst elegantes Nebenbei transformierte, hängt Garrett viel stärker am Notentext, den er gewissenhaft, aber eben nicht in vollständiger Freiheit wiedergibt. Auch von Julien Quentin, der Garrett durchaus sensibel folgt, gehen nicht allzuviele Impulse aus, Rohan de Silva agierte als Partner Itzhak Perlmans mit deutlich stärkerer Eigeninitiative.
 
Was die rein technische Fertigkeit angeht, erweist sich Garrett seinem einstigen Lehrer freilich als ebenbürtig. Die schnellen Figuren des „Hummelflugs“ Nikolaj Rimsky-Korsakows werden so mühelos abgespult wie die des „Csardás“ Vittorio Montis. Den stärksten Eindruck hinterläßt Garrett aber immer dann, wenn zur Geläufigkeit, zum leichten Spiel, zu dem er so außerordentlich begabt ist, ein gewisses Gewicht hinzukommt. Es bedeutet mehr als einen bloßen Gag, wenn Garrett das gemessene Tempo von Sergej Prokofjews Marsch aus „Die Liebe zu den drei Orangen“ mit einem Selbstversuch begründet und demonstriert: Dieses Stück gewinnt unendlich, wenn man es nicht nur als Virtuosenvehikel, sondern als Charakterstudie begreift. Auch in Antonin Dvoráks Humoreske Ges-Dur erfreut das gelassene Schlendern mehr als die Betriebsamkeit, nicht zuletzt, weil die Phrasierung unschätzbar genau ausgefeilt ist. Den Schlußpunkt seines Programms hat David Garrett wiederum mit seinem Vorbild Itzhak Perlman gemeinsam: Das mit Schwierigkeiten nur so gespickte „Ronde des Lutins“, dieser phantastische Tanz der Kobolde, wird mit einem entspannten Lächeln vorgetragen, als ob es die einfachste Sache der Welt wäre.
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