Das Wohnzimmer einer bayerischen Legende kommt ins Museum
Als Förster der Isarauen bekämpfte er den Bau des neuen Münchner Flughafens bei Freising. Als Volkssänger füllte er mit seinen Gstanzln ganze Bierzelte. 20 Jahre lang, von 1954 bis 1974, derbleckte er auf dem Nockherberg die Politprominenz. Die sah es es als Ehre an, von ihm aufs Korn genommen zu werden. Auf dem Viktualienmarkt steht er - ebenso wie in Freising und in seinem niederbayerischen Geburtsort Weihmichl in der Hallertau - als Brunnenfigur.
Jakob Roider (1906-1975), bekannt als Roider Jackl war einer der ganz Großen der bayerischen Kultur. Zu seinen Bewunderern gehörte auch Karl Valentin. Entdeckt wurde er 1931 beim Ersten Niederbayerischen Preissingen im Leiderer-Saal in Landshut, im gleichen Jahr siegte der Schreiner, Berufssoldat und spätere Förster beim Stegreif-Gstanzl-Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks.

Seine große Zeit lag in den 1950er und 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts, als sein Humor in Altbayern besonders geschätzt wurde und der Bayerische Rundfunk extra Sendungen für ihn entwarf. Gstanzln waren Roider Jackls Spezialität: vierzeilige gereimte Spottlieder im Dreivierteltakt, die humorvoll auf politische Ereignisse und menschliche Schwächen reagieren und oft improvisiert werden.

Der Roider Jackl verstand sich selbst als überzeugter Niederbayer, obwohl er in der Nachkriegszeit Förster bei Freising war und dort in einem Haus lebte, umgeben von alten Bauernschränken, Votivtafeln, Bierkrügen, Heiligenfiguren und Christusskulpturen wie in einem Museum altbayerischer Kultur und Kunst. Dieses Haus ist bis heute fast vollständig im Originalzustand erhalten, wie Reinhard Wittmann vom Forum Humor e. V. erklärt.

Um die Hinterlassenschaft des Roider Jackl zu retten und eine weitere Zersplitterung seiner Sammlung zu vermeiden, hat die Stadt Freising auf Initiative des Forums Humor das Wohnzimmer samt den früher darin befindlichen Objekten von den Enkeln Jakob und Thomas Roider gekauft. Ebenfalls im Kaufvertrag festgelegt ist, dass im Jahr 2027 eine große Roider-Jackl-Ausstellung zu Person und Werk in den Räumen des Freisinger Stadtmuseums stattfinden wird. Das Wohnzimmer des Roider Jackl kann dann mit all seinen Sammlungsgegenständen dort wieder aufgebaut werden.

Der schriftliche Nachlass des Roider Jackl befindet sich in der Münchner Monacensia im Hildenbrand-Haus. Sendungen und weitere Medien sind im Archiv des Bayerischen Rundfunks erhalten.





