Das Finale des MUT-Wettbewerbs für musikalisches Unterhaltungstheater

Als Juror beim Finale des MUT-Wettbewerbs für „musikalisches Unterhaltungstheater“ im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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Josef E. Köpplinger und die Preisträgerin Karolin Konert.
Christian Pogo Zach Josef E. Köpplinger und die Preisträgerin Karolin Konert.

Intendant Josef E. Köpplinger machte es spannend: Erst bekamen drei Sänger einen Blumenstrauß als Trostpreis. Dann überreichte der Chef des Gärtnerplatztheaters der 26-jährigen Karolin Konert den Publikumspreis. Doch nicht genug: Die bereits von dieser Ehrung zu Tränen gerührte Sängerin räumte alles ab, was es zu erringen gab: auch noch den ersten Preis der Jury aus Theaterleuten, einen weiteren der sechs Medienvertreter, deren Jury anzugehören ich die Ehre hatte.

Ein klarer Sieg. Damit nun aber bloß kein falscher Eindruck aufkommt: Im Prinzip hätten alle sechs Finalisten dieses charmant mit „MUT“ abgekürzten Nachwuchswettbewerbs für „musikalisches Unterhaltungstheaters“ den ersten Preis verdient. Der von Köpplinger gegründete Wettbewerb wird europaweit ausgeschrieben. Er richtet sich an klassische Sänger mit einer Affinität für das Musical, an Musicaldarsteller mit einer Vorliebe für Operette und an Chanson-Interpreten mit Hang zum szenischen Spiel.

Nach einer Vorauswahl aus 100 Bewerbern und einem Halbfinale qualifizierten sich fünf junge Damen und ein Herr für das öffentliche Finale. Christoph Wagner-Trenkwitz von der Wiener Volksoper moderierte es mit viel österreichischem Schmäh im Prinzregententheater.

Lauter starke Auftritte

Jeder durfte zwei Musiknummern und einen Monolog eigener Wahl vortragen. Es gab nur sehr starke und keinen einzigen schwachen Auftritt. Und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Die 27-jährige Schweizerin Anja Haeseli machte den Anfang. Sie verband die beiden Musiknummern mit einem Monolog aus Theresia Walsers „Kleine Zweifel“, der passenderweise von einem Gesangswettbewerb handelt. Juliette Khalil wagte Irinas Monolog aus Tschechows „Drei Schwestern“. Der glückte ihr weniger, denn die junge Österreicherin hat ein starkes komödiantisches Talent. Aber obwohl sie keinen Preis erhielt, muss sie sich um die Zukunft nicht sorgen: Sie singt in der kommenden Saison in Köpplingers Inszenierung des „Weißen Rössl“ an der Wiener Volksoper.

Dann kam Karolin Konert. Sie sang hinreißend mit einem Musical-Song über eine zur Bühne strebende höhere Tochter. Exzellent gestaltete sie den Monolog einer verlassenen Frau, die ihre Scheidungspapiere mit Ketchup verspeist hat. Und dann folgte noch eine wirklich innig gesungene Musical-Nummer.

Ich fand das sehr gut, aber Konert war nur meine persönliche Nr. 2. Mir schien Theo Rüster mit dem verdruckst dargebotenen Monolog des Zahlkellners und dem Lied „Es muss was Wunderbares sein“ aus dem „Rössl“ einen Tick besser. Den Song aus „Shrek“ hätte er etwas bitterer singen können. Die Jury ehrte ihn mit einem dritten Preis. Und obwohl Rüster noch studiert, hat ihn die Komische Oper Berlin bereits für eine Operettenrolle engagiert. Ganz falsch kann ich nicht liegen.

War der Monolog gut?

Die Wienerin Laura Schneiderhahn bekam den zweiten Preis der Theater-Jury. Sie hatte auch innerhalb der Medienvertreter starke Anhänger. Ihre Bühnenpräsenz war raumgreifend. Aber ich fand ihr „Schwipslied“ nach der Annenpolka von Johann Strauß zu klischeehaft besoffen. Und der Monolog aus „Endstation Sehnsucht“ wirkte auf mich unentschieden. Einem Kollegen, mit dem ich oft einig bin, gefiel gerade dieses Understatement. Auch ein Intendant war bei einem Glas Wein hinterher dieser Meinung: Vielleicht haben beiden Herren doch recht. Umso besser: Wer polarisiert, muss gut sein.

Die Ungarin Dalma Viczina fesselte sich zuletzt für den Monolog aus „Push up“ mit Handschellen an einen Stuhl. Sie agierte, statt nur vorzutragen. Aber bei ihrem zweiten Musical-Song verstand man leider kein Wort. Dann zogen sich die beiden Jurys zur Beratung zurück. Auch das etwa 400-köpfige Publikum durfte seine Stimmkarten in die Urnen im Foyer werfen.

Die Musical-Zukunft leuchtet!

Ein Sonderlob verdient die wandlungsfähige MUT-Band um den Pianisten und Arrangeur Jeff Frohner. Um keinen der Teilnehmer muss man sich irgendwelche Sorgen machen: Alle haben erstklassige Folge-Engagements. Und der Sieg in einem Wettbewerb hängt immer von der Tagesform aller Beteiligten ab.

Am meisten darf sich das Publikum freuen: An exzellentem deutschem Musical-Nachwuchs herrscht derzeit kein Mangel. Das war nicht immer so.

 

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