Das BR-Symphonieorchester unter Daniel Harding mit Mozart

Sehnsucht nach Wiederholungen: Daniel Harding und die BR-Symphoniker mit Symphonien von Mozart im Herkulessaal
| Robert Braunmüller
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Daniel Harding dirigiert Mozart im Herkulessaal.
Peter Meisel Daniel Harding dirigiert Mozart im Herkulessaal.

Zu diesem Konzert ging man mit einer Mischung aus leichtem Bangen und höchstem Interesse. Im Sommer dirigierte Nikolaus Harnoncourt in Salzburg das gleiche Programm: Mozarts drei letzte Symphonien, die der Senior der historischen Aufführungspraxis mit seinem Concentus Musicus Wien als ein großes Gesamtwerk und instrumentales Oratorium ohne Worte deutet.

Es war unvergesslich, wie im Großen Festspielhaus auf das Fragezeichen der Schlussakkorde am Ende der Symphonie in Es-Dur unvermittelt der unruhige Puls der Symphonie in g-moll antwortete. Im Herkulessaal betonte Daniel Harding mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eher das Individuelle der Trias und trennte die Werke durch zwei Pausen. Aber sonst überwog die Gemeinsamkeit, weil der Brite seit Jahren die Einsichten der historischen Aufführungspraxis mit modernen Klangkörpern zu verwirklichen versucht.

Das heißt: Keine Darmsaiten bei den Streichern, dafür aber ein Verzicht aufs Vibrato. Die meisten Bläser spielen auf modernen Instrumenten, doch im Blech gibt des Naturhörner und Annäherungen an alte Trompeten. Und natürlich gab es Mozart komplett: mit allen Wiederholungen.

Genau durchgearbeitet

Der erste Satz der Symphonie in Es-Dur schmeckte noch ein wenig nach Kompromiss. Doch im Andante con moto gelang der Umschlag von der Heiterkeit in Schmerz und Unruhe bestürzend. Das Menuett kam tänzerisch und deftig. Und im Finale sehnte man sich geradezu nach der Wiederholung von Durchführung, Reprise und Coda, weil Harding das zweite Mal stets als leicht variierte Steigerung und Schärfung verstand.

In der Symphonie KV 550 frappierte die schroffe, chromatisch geschärfte Verarbeitung der Themen in der Durchführung des Finales. Gelegentliche Lichtblitze erhellten ein düsteres Dunkel. Das mit gedämpften Streichern gespielte Andante cantabile der Jupiter-Symphonie brachte eine neue, aufregende Farbe. Dann gipfelte die Aufführung im kontrapunktischen Finale, die Harding streng und strahlend als unendliche Steigerung dirigierte.

Ein paar Einwände wären möglich: Gelegentlich wurde Leises allzu energisch überspielt. Spezialisierte Ensembles ringen dem Non-Vibrato der Streicher noch mehr ungemischte Farben ab. Dennoch: Sorgfältiger und genauer durchgearbeitet wurde Mozart in München schon lange nicht mehr gespielt.

Vor Harnoncourt brauchte sich Harding nicht zu verstecken: Im Universum dieser drei Meisterwerke ist Platz für viele Interpretationen.

 

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