Daniele Gatti mit Schönberg und Mahler

Aus der Stille ins Groteske: Daniele Gatti und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Schönberg und Mahler im Herkulessaal
| Robert Braunmüller
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Der Dirigent Daniele Gatti, hier bei einem Konzert in Wien.
dpa Der Dirigent Daniele Gatti, hier bei einem Konzert in Wien.

Die folgende Regel sollte eingeführt: „Verklärte Nacht“ darf nur von Orchestern aufs Programm gesetzt werden, die zuvor mindestens fünf andere Werke von Arnold Schönberg auf das Programm gespielt haben. Das kammermusikalische Original, ein spätromantisches Streichsextett, hört man fast nie, während die Bearbeitung für Streichorchester öfter zu hören ist wie manche Beethoven-Symphonie.

Davon abgesehen: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks holte unter Daniele Gatti im Herkulessaal aus diesem leicht epigonalen „Tristan“-Sequel das Maximale heraus. Den Streichern mieden den ultrahomogenen Einheits-Klang, der dieses Werk zum oft Langweiler macht.

Gatti entwickelte die Musik aus der Stille heraus und kultivierte durch eine reiche Dynamik und schroffe Tempogegensätze das innere Drama. Und dass sich hier ein Konflikt zwischen Mann und Frau mit gutem Ausgang ereignet, dürfte sich auch jenen Hörern mitgeteilt haben, die das zugrundeliegende Gedicht nicht nachgelesen haben.

Musik für die Imagination

Bei Gustav Mahlers Symphonie Nr. 4 gelang eine ähnliche Gratwanderung. Gatti versuchte gar nicht erst, hier diesem musikalischen Masken- und Vexierspiel eine noch so künstliche Natürlichkeit zu entdecken. Er setzte auf die virtuosen Ressourcen des Orchesters und betonte die scharfe Groteske.

Im schön ausgehörten langsamen Satz fand die Musik zu großer Ruhe, die nur von durch die recht herzlos gespielte Seitensatz-Reprise der Holzbläser gestört wurde. Alles war ganz wunderbar. Dann erschien die Sopranistin Christina Landshamer. Eine unglückliche Regie ließ sie ausgerechnet beim hymnischen Ausbruch am Ende des dritten Satzes auftreten. Hinter dem Orchester platziert, verhallte ihre Stimme. Der Text blieb unverständlich, das eher dunkle Timbre passte weder zur engelhaften Naivität der Dichtung aus „Des Knaben Wunderhorn“, noch zur Musik.

So ist es fast in jeder Aufführung von Mahlers Vierter: Das Finale ist in der Imagination und der Erinnerung stets stärker als in der prosaischen Gegenwart eines Konzertsaals.

Das Konzert ist auf br-klassik.de als Audio abrufbar

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