Daniele Gatti dirigiert Strauss und Debussy - die AZ-Kritik

Musik als unbeschwertes Wunder: Daniele Gatti dirigiert Debussy, Strauss und Strawinsky
| Michael Bastian Weiß
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Der Dirigent Daniele Gatti.
EPA Der Dirigent Daniele Gatti.

Wenn es einen eigenen Preis für Programmgestaltung gäbe, müssten ihn Daniel Gatti und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks schleunigst verliehen bekommen. Vier Stücke ganz unterschiedlichen Stils werden im aktuellen Konzert versammelt, die doch alle ein gemeinsames Thema haben: das freie Spiel, die höchste, eigentliche Tätigkeit des Menschen.

Vier Meisterwerke erscheinen hier, drei von ihnen werden viel zu selten gespielt. An Claude Debussys spätes Tanzgedicht „Jeux“ (Spiele) wagen sich die Dirigenten wohl nicht so recht heran, weil die Partitur in ihrer Kleingliedrigkeit so überaus heikel zu realisieren ist. Unter Daniele Gattis Stabführung wird zum Ereignis, wie diese duftige, immaterielle Musik in die Stille der Philharmonie getupft wird, wie sicher die verschiedenen Tempi ineinander gleiten, wie unglaublich nuancenreich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musiziert. Das ist reinste Wundermusik, vollkommen unbeschwert.

Das Orchester feiert sich selbst

Daniele Gatti hat sich längst zu einem der bedeutendsten Dirigenten seiner Generation entwickelt, der nicht nur stets mit eleganter Gelassenheit dirigiert, die auch optisch schön anzuschauen ist, sondern mit einem selten gewordenen Deutungswillen den Geheimnissen der Partituren auf den Grund zu gehen vermag. Igor Strawinskys Ballett „Jeu de cartes“, das „Kartenspiel“, gewinnt, weil Gatti die vielen Taktwechsel nicht bloß präzise vorgibt, sondern ihren Sinn erfasst: nämlich ein lustvolles Vexierspiel zu treiben. Das gilt auch für Henri Dutilleux’ subtilst hingezauberte „Métaboles“.

Richard Strauss’ „Till Eulenspiegel“ hatten die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev jüngst eher unordentlich gespielt; zu Gergievs gestalterischem Ungefähr eröffnet die Interpretation Daniele Gattis eine veritable Kluft, da sich das Symphonieorchester hier als vollendet ausbalanciert präsentiert. Gerade auch im Vergleich zu Spitzenorchestern aus London, Amsterdam und Leipzig, die in München jüngst gastierten, wird deutlich, welche Klasse allein die Streicher des BR-Symphonieorchesters für sich ausbilden: konkurrenzlos lebendig und spritzig, samtig weich oder muskulös gespannt. Und welch’ freche Spiele der Bläser! Hier feiert ein Orchester sich selbst – Chapeau!

 

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