Cristian Macelaru und Alban Gerhardt im Herkulessaal

Das Symphonieorchester des BR mit einem britischen Programm unter dem Dirigenten Cristian Macelaru im Herkulessaal
| Michael Bastian Weiß
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Alban Gerhardt und Cristian Macelaru bei einer Probe.
Peter Meisel Alban Gerhardt und Cristian Macelaru bei einer Probe.

Aufregend ist, welchen interpretatorischen Wechselfällen derzeit das Violoncellokonzert von Edward Elgar ausgesetzt ist. Anfang des Jahres hatten sich Harriet Krijgh und Santtu-Matias Rouvali mit den Münchner Philharmonikern schonungslos in die selbstquälerische Trauerarbeit dieses Werks gestürzt. Dieser extremen Version setzen nun Alban Gerhardt und Cristian Macelaru mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine radikal andere entgegen. Sie legen dasselbe Stück im Herkulessaal als trotziges „Weitermachen!“ aus.

Von Melancholie etwa ist in Gerhardts schlankem Celloton mit seiner bewusst spröde gehaltenen, an manchen Stellen heiser wirkenden hohen Lage nichts zu spüren. Sein Spiel wendet sich nach außen, ins Diesseits, kämpft gleichsam mit einigen extra gesetzten Akzenten gegen die Depression an. Manchmal übertreibt er mit dieser zur Schau gestellten Sorglosigkeit etwas, wenn bei Aufschwüngen kleine Noten verschluckt werden oder das Passagenwerk ins Schlingern gerät. „Nobilmente“, wie Elgars Lieblingsbezeichnung lautet, gibt er sich nie.

Ausdruck bis zum Geräusch

Dafür entdecken Gerhardt und Macelaru, der sich diese Deutung merklich zu Eigen gemacht hat, mit dem Symphonieorchester ungeahnte motorische Energien. Sie könnten sich dabei auf Elgars eigene Aufnahme von 1928 berufen. Den Schluss hatte der Komponist zwar nicht so furios in eine selbstvergessene Emotionalität getrieben.

Doch das ist künstlerische Freiheit. Nach den etwas unentschieden bleibenden „Four Sea Interludes“ aus „Peter Grimes“ von Benjamin Britten geht Macelaru in der ambitionierten Symphonie Nr. 4 von Ralph Vaughan Williams wieder aufs Ganze. Die dynamischen Kontraste werden schroff geschärft, aus den allgegenwärtigen Dissonanzen expressionistische Schreie.

Pizzicati zupfen die Streicher so heftig, dass die Saiten fast auf das Griffbrett der Instrumente zurückschlagen. Gleichzeitig beweisen die absolut souverän gestalteten Tempoübergänge, dass Macelaru das hörbar gut einstudierte Symphonieorchester in jedem Moment voll im Griff hat. 

Ideal, wenn auch wenig wahrscheinlich, wäre es, nun bald hören zu können, was Santtu-Matias Rouvali aus diesem beeindruckenden Werk macht.

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