Clueso über Liebe: "Ich kenne keinen, der darin Profi geworden ist"

Zum Auftakt seines Doppelalbums "Deja Vu 1/2" erklärt Clueso, warum man weder in der Liebe noch auf der Bühne je ganz souverän wird. Ein Gespräch über Lampenfieber, Verletzlichkeit und den Verzicht auf den "doppelten Boden".
(mia/spot) |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Clueso: Lampenfieber und Nervosität gehören dazu im Leben - "sonst kannst du es gleich lassen".
Clueso: Lampenfieber und Nervosität gehören dazu im Leben - "sonst kannst du es gleich lassen". © Christoph Köstlin

Mit "Deja Vu 1/2" schlägt Clueso (45) ein neues Kapitel auf - ein Doppelalbum, das wieder nach dem "alten" Clueso klingt. Die Songs handeln von Unsicherheit, Leichtigkeit und dem Wunsch nach echten Begegnungen in digitalen Zeiten, von der Sehnsucht nach ungeplanten Nächten ebenso wie vom Umgang mit Druck und Erwartungen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht der Musiker darüber, warum er keinen "doppelten Boden" mehr braucht - und weshalb man sich weder in der Liebe noch auf der Bühne je ganz sicher fühlt.

Wie kam es dazu, dass Sie mit "Deja Vu" gleich zwei Alben rausbringen?

Clueso: Das kam mit dem Song "Deja Vu". Der klang für mich wie der alte Clueso 2.0 und da habe ich gemerkt: Hier passiert Magic, davon brauche ich mehr. Ein Schlüsselerlebnis war ein Konzert in der Waldbühne in Berlin. Das war wie im Film: Plötzlich Zeitlupe, ich habe nichts mehr gehört, nur noch die Fans gesehen, die wie ich alle älter geworden sind und die hier sind, weil sie meine Musik mögen. Und da wurde mir klar, dass ich aufhören kann, mir den Kopf zu zerbrechen, wie der Zeitgeist ist und wie ich da anknüpfen kann und dass ich einfach nur meine Mukke machen muss.

Das klingt nach einem Moment, in dem einen klar wird, dass es reicht, wenn man einfach nur man selbst ist.

Clueso: Genau das. Ich kam so aufgeladen und bestärkt davon zurück, dass ich einfach angefangen habe zu spielen und die ersten Songs aus mir rausrutschten, weil dieser Druck weggefallen ist.

In Ihren Liebesliedern geht es oft um Verletzlichkeit und Unsicherheit. Wird man da je souverän?

Clueso: Ich kenne keinen, der darin Profi geworden ist. Man weiß vielleicht besser, wie man mit den Symptomen umgeht, aber es geht nicht weg - wie Lampenfieber.

Lampenfieber geht nie weg?

Clueso: Nein, sonst kann man es auch lassen. Da passiert ja einiges im Körper: Ein Teil von dir will fliehen, während du dir ausmalst, was alles schiefgehen könnte. In der Liebe ist das nicht anders.

Während die meisten zurzeit von Erschöpfung reden, singen Sie in "Minimum" davon, dass Sie mehr von allem wollen. Wovon zum Beispiel?

Clueso: Ich mag Partys, die nicht geplant sind - da habe ich ein bisschen Sehnsucht nach.

In "Ballon" singen Sie von der Leichtigkeit, die Ihnen Ihr Vater vorgelebt hat...

Clueso: Ich war sechs, sieben Jahre alt und habe meinen Vater das erste Mal richtig weinen sehen, weil seine Mutter gestorben ist. Und dann hat er im nächsten Atemzug im Auto bei irgendeinem Song mitgesungen und ich dachte: Wie geht das denn?

Angesichts der aktuellen Weltlage - wie schafft man es, sich diese Leichtigkeit zu bewahren?

Clueso: Es geht nicht darum, die Augen zu verschließen. Aber wenn man nur auf das Schlechte schaut, hat man keine Kraft, etwas zu verändern. Es gibt auch unglaublich viele coole Menschen da draußen und Leute, die auch an andere denken.

Was hat es mit dem Traum vom eigenen "Plattenladen" auf sich?

Clueso: Ich war in Wien in so einem kleinen Laden, geführt von einem Pärchen, und dachte: Das hat was. Alles steht in Kisten, getragen von der Liebe zur Musik, das reicht. Für mich ist das ein Sinnbild fürs Kleine, dass nicht immer alles größer werden muss. Vielleicht war die eine helle Bude mit der Matratze in der Ecke und der richtigen Person am Ende die schönere.

In "Jedes Jahr" singen Sie über das jährliche Weihnachtstreffen mit der alten Clique. Aber kennen Sie auch den Fall, dass man sich auseinanderlebt? Wie gehen Sie damit um?

Clueso: Ich habe für mich beschlossen, nicht mehr alles aus meinem Leben zu kehren, was nicht perfekt passt, sondern es portioniert zu genießen. Ich habe ja auch ganz viele Begegnungen, wo ich das Gefühl habe, das könnte jetzt die nächsten Jahre so weitergehen. Darauf besinne ich mich dann, wie schön es ist, dass es solche Leute gibt.

Sie haben offenbar keine Probleme, neue Freunde zu finden?

Clueso: Nein, ich habe aus Zeitgründen Probleme damit, Freundschaften zu pflegen. Über Chats kann ich das nicht. Und dann muss man gucken, ob man nach einer längeren Zeit wieder anknüpfen kann. Ich kann das, aber manch einer kann das nicht.

Hat Ihnen diese Platte etwas über sich erzählt, was Sie vorher noch nicht wussten?

Clueso: Es ist, als würde man etwas lesen, das man eigentlich schon wusste - aber jetzt erst so richtig versteht. Ich habe gemerkt, dass ich nicht überall einen doppelten Boden brauche. Ich kann einfach sagen, wie es ist.

Das knüpft wieder an den Waldbühnen-Moment an, oder? Haben Sie eine Idee, wieso der für Sie so groß war?

Clueso: Vielleicht hat der ein oder andere Verlust und auch das Älterwerden damit zu tun, dass man klarer sieht, wo man steht und so einen Moment bewusster genießt - nicht nur als nächstes großes Ziel.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.