Christian Gerhaher veredelt ein Konzert der Hochschule für Musik und Theater München
Es ist eine sehr gute Idee, einen Star mit Studierenden zusammenzubringen. Man profitiert von seiner Erfahrung, und der bekannte Künstler sorgt für ein gesteigertes Interesse, das Aufführungen kurz vor der Sommerpause angesichts der großen Konkurrenz sonst nicht zuteil wird.
Die Hochschule für Musik und Theater München erprobte dieses Rezept mit viel Glück mit Christian Gerhaher in einer konzertanten Aufführung von Claudio Monteverdis Oper „L’Orfeo“. Die Verbindung überzeugte auch künstlerisch, weil die Oper sehr viele, für Studierende geeignete kleine Soli enthält, während die komplexe Hauptrolle Anfängern kaum zugänglich scheint.
Gerhaher stürzte sich im Großen Konzertsaal des Baus an der Arcisstraße mit Verve und seiner hoch entwickelten Kunst der Textausdeutung auf diese Partie. Außerdem reizte er die dynamischen Möglichkeiten seines kraftvollen, hellen Baritons voll aus. Der 56-jährige ist ganz auf der Höhe seiner Kunst. Und das wirkte ansteckend, auch wenn sich die sehr stilsicheren jungen Sängerinnen und Sänger im Ausdruck etwas zurückhielten, um ja keinen Verdacht einer konservativen Romantisierung der Musik aufkommen zu lassen.
Eine gute, stilsichere Besetzung
Am reifsten wirkte der kraftvoll und dunkel timbrierte Bassist Aaron Selig als Caronte und Plutone. Die Messagiera war richtigerweise mit einer dramatischen Stimme besetzt: Astrid Lychou gestaltet den Monolog der vom Tod Eurydikes berichtenden Botin sehr eindringlich. Der silbrig singende Countertenor Daniil Blaniar übernahm mehrere Soli der Hirten sowie das Echo. Die Sopranistin Lilian von der Nahmer holte aus der kleinen Rolle der Gattin des Orfeo alles heraus, was hier zu holen ist.
Sehr rund gelang auch die orchestrale Seite der von Kristin von der Goltz geleiteten Aufführung mit Studierenden des Instituts für Historische Aufführungspraxis. Mehrere Lauten sorgten zusammen mit einer Violone für ein kraftvolles, bisweilen wuchtiges Bassfundament. Die beiden Violinsoli in der Unterweltszene erklangen tadellos, der nur mittelgroße Konzertsaal der Hochschule schärfte die Aufmerksamkeit für den Klang des schnarrenden Regals in den mittleren Akten.

Vielleicht hätte es im einen oder anderen Ritornell der Hirtenszenen auch etwas weniger Schlagzeug getan. Aber das ist ein Detail. Und mitreißende Spielfreude ist bei älterer Musik auf jeden Fall besser als unterkühlte Neutralität. Die Aufführung hatte bei aller professionellen Genauigkeit Schwung und Frische, und darauf kommt es an. Eine schönere Visitenkarte wie diese bis auf den letzten Platz besetzte und heftig akklamierte Aufführung ist für die Musikhochschule kaum denkbar.
Noch einmal am 19. Juli um 18 Uhr im Prunksaal des Landshuter Rathauses, ausverkauft
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