Brunnenhof Open Air: Warm anziehen

Anna-Lena Elbert, Thomas E. Bauer und die Hofkapelle München mit Bach beim Brunnenhof Open Air.
| Dr. Michael Bastian Weiß
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Thomas E. Bauer.
Marco Borggreve Thomas E. Bauer.

München - Wenn in der Barockzeit unter freiem Himmel gespielt wurde, konnte die Anzahl der Spieler kaum üppig genug sein - zwei Dutzend Oboen kamen da schon mal zusammen. Insofern scheint es nicht gerade naheliegend, Kirchenkantaten von Johann Sebastian Bach an der frischen Luft aufzuführen.

Doch mit Musikern, die Bühnenpräsenz zeigen und technisch noch dezent verstärkt werden, kann das funktionieren. Zumal der Bariton Thomas E. Bauer in seinem Einführungsvortrag zum Konzert einen weiten Bogen schlägt vom geistlichen Sinn der Werke über parallele naturwissenschaftliche Aspekte bis hin zu Bachs Konzeption musikalischer Zeit: Die Kantaten scheinen dadurch auf einmal universal deutbar, nicht zuletzt eben auch geeignet für ein Konzert im Brunnenhof.

In seiner eigentlichen Rolle als Sänger hat Thomas E. Bauer keine Mühe, sich gegen gelegentlich erklingende Residenzglocken durchzusetzen. Sein von Haus aus schlanker, natürlich timbrierter Bariton hat mittlerweile eine etwas reifere Färbung, überhaupt Charakter bekommen. Die Solokantate "Ich habe genug" BWV 82 trägt er mit Ruhe und Autorität vor und kann es so mit berühmten Vorgänger-Interpreten wie Hans Hotter oder Dietrich Fischer-Dieskau aufnehmen. Bauers Stärke ist es, mit sanftem Tonansatz und unaufdringlicher Deklamation den tiefen Sinn der Texte eindringlich zu kommunizieren. Einen reizvollen Kontrast setzt die junge Münchnerin Anna-Lena Elbert, deren glockenreiner Sopran in den höchst virtuosen Koloraturen der Solokantate "Jauchzet Gott in allen Landen" BWV 51 unbeschwert mehrmals zum hohen C hinaufsteigt.

In ihrer Begleitung passt sich die Hofkapelle München an die akustischen Gegebenheiten an. Mit tragfähigen melodischen Linien stützen sie die Sänger, die Polyphonie des Streichersatzes wird glücklicherweise nicht rhetorisch kurzatmig verhuscht, die beiden Bläsersolistinnen Claire Sirjacobs an der Oboe und Ute Hartwich an der Naturtrompete sind vorzüglich. Nur, wenn Rüdiger Lotter die Leitung des Ensembles aussetzt, um den Solopart von Bachs Violinkonzert a-moll BWV 1041 auszuführen - übrigens sehr ordentlich -, ergeben sich kleine Unsicherheiten in der Koordination. Sie sind verzeihlich, weil sich die Musiker im Freien weniger gut hören können als im Saal.

Ein weiteres Mal erweisen sich somit die kurzfristig geplanten Brunnenhof-Konzerte als empfehlenswerte Alternative in Corona-Zeiten: Die Karten sind erschwinglich und selbst gute Plätze in den meisten Fällen noch leicht zu bekommen. Also warm genug anziehen und hingehen!

Die Konzerte im Brunnenhof der Residenz finden bis 3. Oktober täglich statt. Es treten freie Musiker verschiedenster Stilrichtungen auf. Der Erlös geht (abzüglich Vorverkaufsgebühr) vollständig an die Künstler.


Termine auf konzert-verein.de, Karten unter Tel: 089/54 81 81 93 und muenchenticket.de

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren