Bittersüß tropft das Erdbeereis

Die Romantiker sind wieder unterwegs: Element of Crime sind auf Clubtour und gastieren gerade in der Freiheizhalle
| Michael Stadler
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Der Schriftsteller Sven Regener ist der Frontmann der Band Element of Crime.
dpa Der Schriftsteller Sven Regener ist der Frontmann der Band Element of Crime.

Die große Romantik entfaltet sich schön im kleinen Rahmen. Viel Brimborium passt zu Element of Crime sowieso nicht, weshalb sie nun sinnigerweise eine „Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club“-Tour gestartet haben. In München ist das folgerichtig nicht, wie 2010, die Tonhalle, sondern die Freiheizhalle, wobei diese nicht unbedingt Club-Atmosphäre, aber doch dank roten Ziegelmauerwerks angenehme Nestwärme verströmt. Hier kann man sich wohl fühlen, hier ist man recht nah dran an der Band, hier kann die passende Atmosphäre für Lieder entstehen, in denen ins oftmals blutende Herz der Dinge geblickt wird und die Details des Alltags hervortreten dürfen.

Ach, sogar aufs Erdbeereis wirft Sven Regener wieder einen Blick, wie es aus der Waffel tropft. Ein bisschen tröpfeln sie auch ins Konzert hinein, für einen Moment meint man gar, dass Gitarrist Jakob Ilja sich verspielt hat. Ilja trägt viel vom melodischen Gewicht, entlockt seiner Gitarre immer wieder eingängige Motive, während Regener eher das tut, was man schrammeln nennt, versiert, gerne mit voller Kraft voraus. Rhythmisch vollendet zeigt sich die Band besonders anfangs nicht immer, aber es geht hier auch eher um eine lockere Rückschau aufs 27 Jahre zählende Gesamtwerk.

Regener ist wie eh und je ein lässiger Conférencier. Das Publikum unterrichtet er davon, dass man eigentlich den größten Hit eher als erste Zugabe spielt, um dann mit der goldenen Regel zu brechen: „Delmenhorst“ erklingt sehr früh, temporeich und geigenerwärmt. Lebhaft klingt Regeners Mariachi-Trompete bei „Kaffee und Karin“, todestrunken lässt er seine Schmirgelpapier-Stimme beim düsteren Walzer „Almost Dead“ in Sargestiefe ruhen.

Der Zauber von Element of Crime liegt im entspannt-poetischen Umgang mit der Sprache, eingebettet in einem Bandsound zwischen Tanzkappelle, Blues und Rock. Songwünsche könne er nicht erfüllen, meinte Regener am Anfang. Wer sich was wünscht, muss mit Enttäuschung rechnen. Nach dem vierten Zugabenblock waren dennoch die meisten wunschlos glücklich. mst Auch die weiteren Konzerte (bis Samstag) sind ausverkauft.

 

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