Bernd Alois Zimmermann trifft John Adams

Herkulessaal: Musik von Bernd Alois Zimmermann und John Adams in der musica viva
| Robert Braunmüller
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Ilya Gringolts spielt John Adams, Brad Lubman dirigiert.
Astrid Ackermann Ilya Gringolts spielt John Adams, Brad Lubman dirigiert.

Der geistreiche Gegensatz dieses Programms entstand durch einen Zufall: Nicolaus Richter de Vroe wurde mit seinem Violinkonzert nicht fertig, und so verirrte sich das Violin Concerto von John Adams in die musica viva des Bayerischen Rundfunks.

Im Herkulessaal bildete das Werk des amerikanischen Minimalisten einen kraftvollen Gegenpol zur deutschen Grübelmusik des 1970 aus dem Leben geschiedenen Bernd Alois Zimmermann, dessen Oper „Die Soldaten“ zum Klassiker wurden.

Die Welt ist schlecht

Dessen Sinfonie in einem Satz von 1951 ist in der Urfassung dank der später gestrichenen Orgel so düster-dräuend wie nur möglich. Vor dem schwarzen Hintergrund grollender Paukengewitter mähen von Trommelwirbeln untermalte Fanfaren jeden Ansatz zu musikalischer Lyrik wie Maschinengewehrfeuer nieder. Die Welt ist, wieder mal, sehr schlecht. Musikalisch erinnert das an die schlechte Laune von Schostakowitsch oder Karl Amadeus Hartmann. Nur ohne deren Witz und Groteske – unerbittlich furtwänglernd, deutsch und sehr, sehr angestrengt.

Der spätere Zimmermann wollte in darauf folgenden „Dialogen“ für zwei Klaviere und Orchester von 1965 etwas lockerer sein. Das vom Titel versprochene Gespräch fällt allerdings aus. Die beiden Klaviere, hier verkörpert vom hochvirtuosen Duo GrauSchumacher, leisten als vereintes Super-Instrument monologische Schwerstarbeit. Sie lassen das Orchester plappern und ignorieren seine kurzen Jazz-Anfälle.

Die Welt ist schön

Dann, endlich, John Adams, hinreißend hochvirtuos und zugleich schön gespielt von Ilya Gringolts und von seiner langen Asientournee ungewöhnlich erfrischt zurückgekehrten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Brad Lubman, das mit dem Minimalismus ausnahmsweise einmal nicht fremdelte.

Im Violin Concerto (1995) singt der Solist zu sanft blubbernden Orchesterbläschen. Die drei geradezu schamlos traditionellen Sätze enthalten viel Wohlfühlmusik. In der zentralen Chaconne sorgen Glockenschläge und Synthesizerklänge für Plastik-Religiosität und einen Hauch von Pop, ehe ein rasenden Finale den ganz großen Rausch des Lebens preist. Kitsch? Momentweise sicher.

Aber diese Musik hat etwas, was europäische Avantgarde grimmig verweigert: Freundlichkeit, leuchtende Helle, eine ganz selbstverständliche Lebenszugewandtheit. Das wirkt, bei aller Wertschätzung für Zimmermann, ehrlicher als dessen furtwänglernde Dämonie, auf der tausend Tonnen Tradition lasten.

Die nächsten Konzerte der musica viva am 8. und 9. März porträtieren den Komponisten Beat Furrer

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