Beethovens Klavierquartette: Telepathie und Münchner Verstärkung

Das Klaviertrio Hannover hat mit dem Bratscher Konstantin Sellheim von den Münchner Philharmonikern Beethovens Klavierquartette eingespielt.
| Michael Bastian Weiß
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Das Klaviertrio Hannover mit dem Bratschisten Konstantin Sellheim (links), der bei den Münchner Philharmonikern spielt.
Das Klaviertrio Hannover mit dem Bratschisten Konstantin Sellheim (links), der bei den Münchner Philharmonikern spielt. © Ensemble

München - Rein kalendarisch ist das Beethoven-Jahr vorbei. Von den geplanten Festivitäten sind aber durch Corona so viele ausgefallen, dass es gestattet sei, eine diskographische Empfehlung nachzuholen. Zumal die Produktion eigentlich pünktlich vorgelegen hätte.

Es sollte ein Quartett sein: Münchner Bratscher Sellheim verpflichtet

Bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 2018 spielte nämlich das Klaviertrio Hannover die drei superfrühen Klavierquartette WoO 36 von Ludwig van Beethoven ein, zuzüglich der späteren Bearbeitung des Quintetts für Bläser und Klavier Es-Dur op. 16a. Und weil das junge Trio partout Quartette aufnehmen wollte, musste auch noch ein auswärtiger Solist integriert werden, nämlich der Bratscher Konstantin Sellheim.

Wüsste man dies alles nicht, würde man rein nach dem Höreindruck urteilen, dass hier ein festes Ensemble am Werk ist, das über viele Jahre hinweg zusammengewachsen ist. Die vier Musiker bewegen sich so einhellig in eine Richtung, als ob sie telepathisch miteinander verbunden wären.

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Das ist bei den drei Klavierquartetten des gerade einmal 14-, 15-jährigen Bonner Jungkomponisten gar nicht so einfach. Denn gleichberechtigt sind die drei Streicher und der Pianist über weite Strecken nicht: Bisweilen glaubt man, einem intim begleiteten Klavierkonzert beizuwohnen. Die Pianistin Katharina Sellheim muss also zwei Rollen gleichzeitig ausfüllen, die der impulsgebenden Solistin und die der sensiblen Kammermusikerin - was ihr mit ihrem glasklar leuchtenden Ton brillant gelingt.

Fragile, harmonikagleiche Klänge entstehen

Sie und ihre Kollegen ziehen also mit vereinten Kräften an einem Strang, und zwischen Violine, Viola und Violoncello passt auch kein Blatt. Die drei stimmen nicht nur ihre Artikulation skrupulös aufeinander ab, sondern auch ihr sehr sparsames Vibratospiel.

Nie hört man, dass die drei Orchestermusiker sind, die auch einmal mit breitem Strich arbeiten müssen. Vielmehr herrscht eine frische, zwischendurch schneidende Kühle, es entstehen fragile, harmonikagleiche Klänge, die fast schon auf die heilige Nüchternheit des "Dankgesangs eines Genesenden an die Gottheit" aus dem späten Streichquartett a-moll zu verweisen scheinen.

Diese Homogenität verdankt sich vielleicht auch der Familienbande: Der bratschende Gast Konstantin Sellheim, ein Münchner Philharmoniker, ist der Bruder der energetischen Pianistin Katharina. Die eingangs angekündigte Empfehlung lautet also, mit diesen spannungsvollen Jugendwerken ein bisschen Beethoven-Jahr nachzuholen.


Ludwig van Beethoven: Die Klavierquartette; Klaviertrio Hannover; Konstantin Sellheim, Viola (Genuin classics)

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