Barbara Hannigan dirigiert Mozarts "Requiem"

Barbara Hannigan dirigiert das Mozart-Requiem bei den Münchner Philharmonikern
| Felicia Englmann
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Barbara Hannigan als Dirigentin.
Barbara Hannigan als Dirigentin.

"Der Tod, das muss ein Wiener sein“, stellte Georg Kreisler einst fest, und sein Wienerlied von 1969 wäre die ideale Pausenmusik für die beiden Abende der Dirigentin Barbara Hannigan bei den Münchner Philharmonikern und dem Philharmonischen Chor gewesen. Mozarts „Requiem“ und zwei Werke der Wiener Schule sind zu einem Programm über Endlichkeit zusammengestellt. Arnold Schönbergs Chorwerk „Friede auf Erden“ (1907) stellt mit schmerzlichen Klängen die Frage, ob letzterer überhaupt möglich sei. Das Wort „Friede“ leuchtet immer wieder auf – und vergeht wieder.

Barbara Hannigan singt an diesem Abend nicht mit: Die Sopranistin konzentriert sich ganz auf ihre zweite Profession, das Dirigieren. Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ (1935) ist eine Totenklage für die 18-jährig verstorbene Manon Gropius. Christian Tetzlaff präsentiert seine Solopartien technisch perfekt und mit großer Zartheit, aber auch trotziger Entschlossenheit. Der Tod ist hier eine Monstrosität, der das kleine Sein mit zerbrechlichen Flügeln entgegenschwirrt.

Hannigan gestaltet ihr Dirigat emotional, lässt große Gefühle aufbranden, schwelgerisch manchmal, aber musikalisch immer auf den Punkt. Tetzlaffs berührende Zugabe aus einer Bach-Sonate ist danach wie eine warmes Kerzenflamme in stürmischer Dunkelheit.

Aus dem Vollen geschöpft

In Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“, dem Hauptwerk des Abends, sind Tod und Vergänglichkeit auf überwältigende Weise musikalisch in Szene gesetzt. Der Tod nahm Mozart dabei 1791 die Feder aus der Hand, das Werk blieb Fragment. Zu hören gibt es die von Franz Xaver Süßmayer vervollständigte Fassung.

An diesem Abend wird sie eine Ode an das Leben. Hannigan setzt auf intensive dynamische Effekte und arbeitet rhythmische Akzente aus der Partitur heraus. Die Punktierung beim „Confutatis Maledictis“ etwa nimmt sie aufs Sechzehntel genau, was die berühmte Passage ungewohnt federnd wirken lässt. Auch an anderen Stellen setzt sie scharfe Akzente, manchmal speziell in einzelnen Instrumentengruppen, manchmal durch dramatische Generalpausen.

Eine Feier des Lebens

Als Gesangssolisten hat Hannigan vier Künstler aus ihrem Mentoring-Programm „Equilibrium Young Artists“ mitgebracht. Alle vier fallen auf ihre Art und Weise auf, positiv Thomas Elwin mit einem schönen Tenor. Die dramatischen Passagen gehören im Mozart-Requiem aber ohnehin dem Chor. Barbara Hannigan schöpft hier aus dem Vollen: Mit weit ausgebreiteten Armen und gespreizten Fingern beschwört sie mächtige Crescendi herauf, lässt die Musik an- und wieder abschwellen.

Sie hat keine Scheu vor der Klangfülle und dem ganz großen Forte. Die Musik wird jedoch nie wütend, schroff, oder bizarr, sie bleibt warm und versöhnlich und begegnet dem Tod mit menschlicher Leidenschaft.

Hannigan und die Philharmoniker feiern mit dieser Interpretation das Leben, das im Bewusstein der Vergänglichkeit bis ins Letzte ausgekostet wird.

Eine Aufzeichnung des Konzerts ist am Mittwoch, 20. März 2019, 20.05 Uhr, auf BR KLASSIK zu hören. Barbara Hannigan dirigiert am 14. und 15. Mai „The Rake’s Progress“ bei der Münchner Philharmonikern

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