Bad Bunnys Super-Bowl-Show: Warum diese Party auch Politik ist

Am kommenden Sonntag wird in New Orleans das Finale der National Football League (NFL) ausgespielt. Eigentlich. Denn wer sich die Debatten der vergangenen Wochen anschaut, könnte meinen, beim Super Bowl gehe es längst nicht mehr um Sport, sondern um die Seele Amerikas. Im Zentrum steht ein 31-Jähriger aus Puerto Rico, der sich die Fingernägel lackiert, fast ausschließlich auf Spanisch singt und sich damit zum Feindbild der amerikanischen Rechten gemacht hat.
Benito Antonio Martínez Ocasio, den die Welt als Bad Bunny kennt, bestreitet die Halftime Show: sechs Alben seit 2018, vier Jahre lang der meistgestreamte Künstler bei Spotify, über 50 Millionen Follower bei Instagram. Vergangene Woche kam der Grammy für das beste Album hinzu. Es ist die erste Auszeichnung dieser Art für eine spanischsprachige Platte. Und jetzt wird es die erste spanischsprachige Halbzeitshow beim Super Bowl geben.
US-Präsident Donald Trump (79) und seine MAGA-Bewegung sind über diese Errungenschaften der lateinamerikanischen Kultur not amused - selbst wenn sie von einem Puertoricaner kommen, der per Geburt US-Bürger ist. Dass die NFL auch noch die traditionell linke Punkrock-Band Green Day als Eröffnungsact eingeladen hat, dürfte die Republikaner und Patrioten den Rest gegeben haben. Trump wird dem Event dieses Jahr fernbleiben, kündigte er bereits an. Und quittierte die Wahl der Musiker mit den Worten: "Ich bin gegen sie. Ich finde, das ist eine schreckliche Entscheidung. Das schürt nur Hass. Schrecklich." Die rechtspopulistische Organisation "Turning Point USA" hat sogar ihr eigenes Gegenprogramm organisiert: Unter dem Titel "All American Halftime Show" tritt zeitgleich zur offiziellen Pause Kid Rock (55) als Headliner auf - ein kläglicher Versuch, die Aufmerksamkeit vom größten Sport- und Musikevent des Jahres abzulenken.
Tanzen statt streiten
Bad Bunny selbst scheint die Aufregung um seinen Auftritt mit einer bemerkenswerten Gelassenheit zu betrachten. In einem Interview mit Apple Music gab er sich vor allem voller Vorfreude: "Ich möchte einfach, dass die Leute Spaß haben. Es wird eine riesige Party." Spanischlernen müsse das Publikum nicht extra: "Es ist besser, wenn sie tanzen lernen. Es gibt keinen besseren Tanz als den, der von Herzen kommt."
Bad Bunny ist längst mehr als ein Popstar. Er gilt als Stimme der lateinamerikanischen Community in den USA, der größten Minderheit des Landes, die unter der Abschiebepolitik der aktuellen Regierung leidet. Sein Grammy-Album "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" handelt genau davon: von Heimat, Herkunft und Identität. "Es ist das persönlichste Projekt, das ich je gemacht habe", erklärte er im Interview mit Apple Music. "Ich wollte nur eine Verbindung zu meinen Wurzeln herstellen."
Die Botschaft, die er daraus ableitet: "Man sollte immer stolz darauf sein, wer man ist. Sich wohlfühlen damit, man selbst zu sein. Aber sich davon auch nicht begrenzen lassen. Ich weiß, wo ich herkomme - aber ich weiß auch, wohin ich gehen kann." Das rührte selbst alt eingesessene Musikerkollegen wie Ricky Martin (54), der in einem offenen Brief an Bad Bunny schrieb: "Ich weiß, was es bedeutet, erfolgreich zu sein, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Ich weiß, wie schwer das ist, was es kostet und was man opfern muss, wenn man sich entscheidet, sich nicht zu verändern, nur weil andere das von einem verlangen. Deshalb ist das, was du erreicht hast, nicht nur eine historische musikalische Leistung, sondern auch ein kultureller und menschlicher Sieg." Mehr Empowerment für die lateinamerikanische Community gab es nie - Chilipulver in den Ohren der MAGA-Bewegung.
Die politischste Party des Jahres
Rund 200 Millionen Menschen dürften das NFL-Finale weltweit verfolgen. Für die Zuschauer vor Ort gibt es eine beruhigende Nachricht: Laut der Sicherheitschefin der NFL sind rund um das Stadion und sämtliche begleitenden Events keine Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE geplant. Aus Angst vor diesen hatte Bad Bunny bei seiner Welttournee komplett auf Konzerte in den USA verzichtet. In Interviews erklärte er, dass er nicht riskieren wolle, dass seine Fans von der Einwanderungsbehörde kontrolliert würden.
Selbst wenn Bad Bunny auf der größten Bühne der Welt keine direkten politischen Statements zur aktuellen US-Politik abgibt, ist allein sein Auftritt dort schon ein Politikum. Und während sich einige darüber ärgern, werden die meisten in der Pause des Super Bowls vor allem Spaß haben: "Ich weiß, dass die Welt diesen Sonntag glücklich sein wird", prophezeit Bad Bunny. "Sie werden tanzen. Und sie werden eine gute Zeit haben."