Arien und Duette mit Jonas Kaufmann und Anita Rachvelishvili

Jonas Kaufmann und Anita Rachvelishvili mit Arien und Duetten aus französischen Opern in der Philharmonie
| Robert Braunmüller
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Jonas Kaufmann im Nationaltheater.
dpa Jonas Kaufmann im Nationaltheater.

Zuletzt – auch beim Auftakt zu dieser Tournee – war immer wieder zu hören, dass der Glanz ein wenig abblättere. In seiner Heimatstadt präsentierte sich Jonas Kaufmann hingegen in Bestform. Es gab keine Risse und Sprünge im tenoralen Metall. Nicht eine Spur von Grünspan trübte die bronzene Stimme und heisere Störgeräusche mischten sich auch nicht hinein.

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob Kaufmanns schwere dunkle Stimme wirklich zu französischer Opernmusik passt. Die Tradition bevorzugt das schiere Gegenteil: nasale, oboenartige Stimmen. Der Münchner löst dieses Problem durch eine enorme Kunstfertigkeit und eine perfekt beherrschte Kultur des Leise-Singens, die strahlende Spitzentöne am Schluss um so effektvoller wirken lässt.

Ein Traum

Der Münchner hält sich nicht an das bewährte Tenor-Rezept, im Zweifel laut zu singen und französische Musik als leicht verdünnten Puccini zu misshandeln. Kaufmann verzichtete darauf, das hohe B am Ende der Blumenarie aus Bizets „Carmen“ effektvoll in den ausverkauften, sogar auf der Bühne mit Zuschauern besetzten Gasteig zu röhren, sondern ließ den Ton kultiviert an- und abschwellen. Gleich zu Beginn demonstrierte er seine Kunst bei „Ô Paradis“ aus Meyerbeers „L’Africaine“. Er begann leise, steigerte den Mittelteil und setzte bei der Wiederholung einen effektvollen Schlussakzent.

Am Ende des ersten Teils erschien Anita Rachvelishvili für die „Habanera“ aus „Carmen“ und das Duett aus dem ersten Akt von Jules Massenets „Werther“. Die Georgierin setzt ihre opulente Stimme ähnlich nuanciert ein und verzichtet auf die billige Urgewalt vulgärer Brusttöne, die sie vermutlich auch drauf hätte. Der ganze „Werther“ mit diesem Paar – das wär’ ein Traum.

Die wackere PKF Prague Philharmonia ließ die Beikost hin und wieder mehr nach Dvo(r)ák schmecken. Jochen Rieder ist ein guter Begleiter, aber kein Berlioz-Dirigent. Mit der Ouvertüre zu Offenbachs „Rheinnixen“ enthielt das Programm dank der später in „Hoffmanns Erzählungen“ eingegangenen Barcarole auch einen attraktiven Neuzugang.

Melancholie und Spaß

Nach der Pause bewährte sich das kultivierte Laut-Leise-Prinzip in der Arie aus „La damnation de Faust“ von Berlioz, dem Gebet aus Massenets „Le Cid“ und der von Kaufmann leider etwas neutral vorgetragene Arie „Rachel, quand du Seigneur“ aus Halévys „La Juive“. Anita Rachvelishvili durfte leider kein Solo mehr singen und erschien erst zum halbszenischen Finale aus „Carmen“.

Kaufmann wurde von der Damenwelt in den vorderen Reihen mit Geschenken überschüttet. Er dankte mit der Ossian-Szene aus „Werther“ und einer Arie aus „Manon“. Weil das französische Repertoire für Tenor und Mezzo nach „Carmen“ und „Werther“ weitgehend ausgeschöpft war, gab es zum Schluss Offenbachs Barcarole als zweites Katzenduett. Denn ein Spaß nach zweieinhalb Stunden Weltschmerz und Tragik schadet nie.

Von Kaufmanns Konzert mit Anita Rachvelishvili auf der Waldbühne Berlin im Sommer 2018 erschien ein Mitschnitt bei Sony Classical

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