Anthony Bramall dirigiert Berlioz

„Sinfonische Lyrik“ im Gärtnerplatztheater: Anthony Bramall dirigiert die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz, Judith Rosmair rezitiert
| Michael Bastian Weiß
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Anthony Bramall im neuen Orchesterprobensaal des Gärtnerplatztheaters.
RBR Anthony Bramall im neuen Orchesterprobensaal des Gärtnerplatztheaters.

Als ein Schlüsselwerk der Romantik wird die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz regelmäßig von den Spitzenorchestern gepflegt. Doch merkwürdig: Selbst hochkarätigen Aufführungen wie jüngst derjenigen vom BR-Symphonieorchester unter Kent Nagano scheint etwas zu fehlen. Vielleicht ist dieser Solitär auch einfach nicht gut zwischen anderen Stücken aufgehoben.

In diesem Konzert im Gärtnerplatztheater, dem Beginn der Reihe „Sinfonische Lyrik“, muss sich die „Episode aus dem Leben eines Künstlers“, wie die „Phantastische“ im Untertitel heißt, die Aufmerksamkeit nicht mit anderer Musik teilen. In Ersetzung weiterer Programmpunkte liest die charismatische Schauspielerin Judith Rosmair, deren untergründige Sinnlichkeit schon die Purcell-Produktion „King Arthur“ am Gärtnerplatz bereichert hatte, zeitgeschichtlich passende Gedichte von Victor Hugo und Théophile Gautier sowie die eigenen erklärenden Notizen des Komponisten.

Über sich hinausgewachsen

Zu einem echten Erlebnis wird dieser Abend aber, weil der hübsche literarische Rahmen auf begeisternde Weise musikalisch gefüllt wird. Unter seinem Chefdirigenten Anthony Bramall wächst das an sich schon sehr gute Orchester des Gärtnerplatztheaters über sich hinaus. Der mühelos transparente Gesamtklang ist eng an die Raumakustik angepasst: Die Piani der geschmeidigen Streicher erscheinen körperlos, doch immer noch greifbar, alle Gruppen bis hin zu den knackigen Kontrabässen haben Luft, sich individuell zu entfalten. Spitzzüngig und somit französisch idiomatisch tönen die Holzbläser, die Schauerromantik der beiden letzten Sätze leben Blech und Schlagzeug mit ansteckender Lust am Dämonischen aus.

Wo Kent Nagano neulich zwar präzise, doch etwas pedantisch agierte, steckt Bramall an allen Ecken und Enden revolutionäre Feuer an. Dabei kommt er sehr geschickt ohne Effekthascherei aus. Vielmehr gelingt es dem Engländer, mit trockenem Witz die klassizistische Dimension des Werkes einzufangen, die diesem eben auch innewohnt – und vor deren Folie das Verrückte erst ganz kenntlich wird. Diese Mehrdeutigkeit hat zuletzt Kirill Petrenko realisiert. Auf das nächste Konzert dieser glücklichen Verbindung von Musik und Lyrik kann man sich jetzt schon freuen.

Das nächste Konzert mit „Sinfonischer Lyrik“ findet am 19. Juli um 19.30 Uhr statt, gespielt wird die „Faust-Sinfonie“ von Franz Liszt, Karten: (089) 21 85 19 60 oder unter www.staatstheater-tickets.bayern.de

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