Anschalten, Einstecken, Aufladen

Am Freitag erscheint das neue Album der Pet Shop Boys
| Christian Jooß
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Neil Tennant und Chris Lowe – elektrische Boys seit Anfang der 80er.
x2 Neil Tennant und Chris Lowe – elektrische Boys seit Anfang der 80er.

Die erste Nummer „Electric“ ist Säure, die Sinn und letztlich den Gedanken als Keimzelle aller Entwicklung zersetzt. Festplatten-Sequenzen schieben sich vor die Wirklichkeit. Ein metallisches Toncluster fällt im Glissando vom Himmel. Der Beat ist da. Roboterstimmen. „Turn it on / plug it in / charge it up“. Größte Teile unserer Lebenswirklichkeit passen in drei Begriffe. Anschalten, Einstecken, Aufladen.

„Electric“ heißt das neue Album der Pet Shop Boys. Das erste Werk, das auf ihrem Eigenlabel x2 erschienen ist. „Elysium“ war vor kaum einem Jahr die letzte Arbeit für Parlophone und arbeitet auf die Entdeckung der erlösenden Leere in all dem Beat[/INI_3] hin. Was war das in dieser lang vergangenen Zeit für ein rührendes, fast sogar ein wenig menschliches Album!

Jetzt starrt man auf das blaue Zackenmuster des Covers, bis elektrische Impulse die Netzhaut flimmern lassen. Produziert hat Stuart Price, der neben vielem schon Madonnas „Confessions On A Dance Floor“ mit ordentlich Federkraft zurück in die 80er hopsen ließ. „Shouting In The Evening“ – der Kern des Songs liegt im Titel. Ungeheuerlich, dieser sich durch die Frequenzbereiche schraubende Beat, den der Techno Anfang der 90er endlich in die Großraumdiscos auf dem Land speiste.

Einen Song weiter ist man da, wo die Disco wieder zur Discothek wird: „Thursday“ hat die Groove-Eleganz einer Spandex-Hose in Kombination mit Neil Tennants pflegeleicht abwischbarer und gerade dadurch zartfühlender Stimme. Ein schwuler Liebestraum für ein Tanzwochenende. Die Zersetzung unserer Sicherheit ist für die Boys ein Leichtes: „Love Is A Burgeoise Construct“. Zwischen dem Gestus Oskar Wildscher Dekadenz und gepflegter Langeweile, Karl Marx und Kapitalismus ist einfach kein Platz für die bürgerliche Selbstbetäubung durch Liebe. Pech gehabt. Der Massenerfolg der Pet Shop Boys ist einer der gelungensten Scherze des Pop. Wer es erhebender braucht, der bekommt die Springsteen-Coverversion „The Last To Die“. Eine kleine bürgerliche Renegatenfantasie für vier Minuten. Das muss reichen. Weitertanzen.

Pet Shop Boys: Electric (x2), heute, Mittwoch, ab 19 Uhr, Musik-Arena auf dem Tollwood-Festival

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren