Anno 1966: So lief das Jimi-Hendrix-Konzert in München

Zum 50. Todestag des Kult-Gitarristen: AZ-Autor Ulrich Handl erinnert sich an das Jimi-Hendrix- Konzert im Big Apple Club in München.
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Unnachahmlich: Der US-amerikanische Rocksänger und Gitarrist Jimi Hendrix spielt seine elektrische Gitarre mit der Zunge und den Zähnen. Jimi Hendrix' Leben endete so wie viele seiner sagenhaften Konzerte: In einem Rausch. Er wurde nur 27 Jahre alt.
Unnachahmlich: Der US-amerikanische Rocksänger und Gitarrist Jimi Hendrix spielt seine elektrische Gitarre mit der Zunge und den Zähnen. Jimi Hendrix' Leben endete so wie viele seiner sagenhaften Konzerte: In einem Rausch. Er wurde nur 27 Jahre alt. © Ulrich Handl

Heute, am 18. September, jährt sich der Todestag von Jimi Hendrix zum 50. Mal. Vor fast 54 Jahren, am 8. und 9.November 1966 war eine für die meisten Musikfans unbekannte Band namens "Jimmy Hendrix Expeience" im Big Apple Club angekündigt, aber mancher kannte die Band vom Sender AFN Munich her, wo unser Stammgast Ron Summer die neuesten Hits vorgestellt hatte, bei der Sendung "Bouncing in Bavaria". Da wurden" Stone Free" und "Hey Joe" schon gespielt.

Am Dienstag, den 8. November, war ich schon ab 15 Uhr im Club und war dabei als Jimi von hinten in die Discothek kam und sofort sah, dass sein Name falsch geschrieben an der Bühnenrückwand stand und als ich dann in die kleine Garderobe unter der Eingangstreppe eintrat, um die Jungs zu begrüßen, denn ich kannte ja schon Chas Chandler von den Animals her, die vor einem halben Jahr hier spielten.

Ein Autogramm auf der leeren Saitenhülle

Nach dem Handshake sagte mir Jimi, dass Jimmy zwar in seinem Passport stand, aber er jetzt eine englische Band hatte und sich doch Jimi nannte und sich darüber sehr ärgerte. Daraufhin bin ich sofort hinüber zu Jürgen in die Tonkabine, wo auch der Chef Peter Walter anwesend war und ich ihnen die Situation schilderte.

Sie haben mir dann versprochen das Bühnenbild am nächsten Tag zu ändern, was ich dann Jimi mitteilte, der sich daraufhin beruhigt hat. Er hatte gerade neue Saiten aufgezogen und ich habe mir noch schnell ein Autogramm auf eine leere Saitenhülle geben lassen und bin zurück in den Club, der sich schnell füllte, obwohl es Nachmittag an einem Dienstag war.

"Der Auftritt am Abend fand vor einer neu gestalteten Bühnenwand statt und Jimi hatte zu einer Grünrotschwarz gestreiften Hose ein Blumenhemd, einen bunten Seidenschal und eine indisch gemusterten Jacke an."
"Der Auftritt am Abend fand vor einer neu gestalteten Bühnenwand statt und Jimi hatte zu einer Grünrotschwarz gestreiften Hose ein Blumenhemd, einen bunten Seidenschal und eine indisch gemusterten Jacke an." © Ulrich Handl

"Jimi hat uns alle in seinen Bann gezogen"

Als Jimi auf dem Weg zu Bühne war, wurden ihm Uschi Obermeier von Jürgen vorgestellt, der erfreut sich mit Uschi für nach dem letztem Auftritt an gleicher Stelle verabredete. Langsam habe ich mich mit meiner Kamera und geladenem Blitzgerät durch die Menschenmenge neben die Bühne gedrängelt und erst mal die ersten Songs genossen, dann gesehen, dass er zeigen wollte was er mit der Gitarre alles machen konnte.

Da habe ich mich langsam in das sitzende Publikum begeben zwei Meter vor Ihm. Fast alle um mich herum kannte ich und sie merkten schnell, dass ich mich zum Fotografieren kurz aufrichte und sofort wieder in die Hocke ging. Es dauerte sowieso einige Zeit, bis der Blitz geladen ist. Man hat mir sogar einen Platz zu sitzen gemacht und von diesem Platz aus sind die Bilder mit Jimi im goldenen Hemd und den vielen Variationen des Gitarrenspielens entstanden.

"Ich wusste sofort, dass dies eine einmalige Show war, wie nie zuvor und danach, wo ich instinktiv fühlte, ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort. Mittendrin und vorne dran."
"Ich wusste sofort, dass dies eine einmalige Show war, wie nie zuvor und danach, wo ich instinktiv fühlte, ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort. Mittendrin und vorne dran." © Ulrich Handl

Jimi hat uns alle in seinen Bann gezogen, denn sowas haben wir noch nicht gesehen. Bei dieser Nachmittagsshow habe ich viele schöne, einmalige Bilder machen können, als Jimi die Gitarre auf dem Rücken, zwischen den Beinen, über Kopf spielend, dann mit den Zähnen hart die Saiten zupfend und der Zunge weich im Stehen, dann hockend mit den Lippen die Finger seiner linken Hand ersetzte. Ich wusste sofort, dass dies eine einmalige Show war, wie nie zuvor und danach, wo ich instinktiv fühlte, ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort. Mittendrin und vorne dran.

"Ich sah nur durch die Fans, wie Jimi seine Gitarre auf die Bühne warf"

Zufrieden konnte ich dann den ersten Film zurück spulen, als die erste Show zu Ende war und alle aufgefordert wurden das Lokal zu verlassen, denn es warteten draußen schon eine Menge Leute auf Einlass. Sofort habe ich mich zu Jürgen Herrmann in die Tonkabine begeben und erstmal das Blitzgerät aufgeladen für die nächste Show, die in fast einer Stunde begann. Bei meinem kurzen Besuch in der Garderobe fragte mich Jimi ob sein Aufritt überhaupt ankommt, denn er war das englische Fanpublikum gewohnt, dass oft sofort ausflippt und hier waren sie verhältnismäßig verhalten.

Ich konnte ihn beruhigen und sagte ihm das wir alle nur mit offenen Mündern die Show verfolgten und sowas noch nicht gesehen haben. Dann begann die erwartete Abendvorstellung und ich habe mich auf Abstand gehalten, denn ich hatte schon gute Bilder von ganz nahe. Diesmal hat er auch nicht so viele Kunststücke gezeigt in seiner grobkarierten Hose mit Blümchenhemd und ich habe die Musik genossen und nur einige Bilder von allen auf der Bühne gemacht.

Beim letzten Song einer Coverversion des angesagten Troggs Hits "Wild Thing" ist er dann wie wild auf der Bühne umher und hat eine der beiden Bassdrums von Mich umgetreten. Als Jimi wieder vor seinem Marschall war, wurde es im Publikum plötzlich lauter und ich sah nur durch die Fans, wie Jimi seine Gitarre auf die Bühne warf, hinaufkletterte und sie mit Wucht in die Verstärkerbox rammte. Schnell suchte ich einen Standplatz, von wo ich über das Publikum hinwegfotografieren und so noch ein Bild machen konnte, wie er wutentbrannt die Bühne verlässt und dabei noch die Trommel mit dem Fuß umstößt, während seine Gitarre zerstört am Boden weiterklang. Noel folgt, und Mich beendet die Session mit einem Solo auf dem Rest Schlagzeug, welches er dann ganz umschmeißt und damit ging der Auftritt ohne Zugabe zu Ende, aber der Club war noch gefüllt ,und man tanzte wieder zu Musik von Jürgens Plattenteller.

"Trotz der vielen Nachahmer bleibt Jimi bis heute unerreicht"

Dann ging ich wieder in die Garderobe, wo ich mit der Restblitzladung gerade noch zwei Gruppenfotos machen konnte, davon eines mit Chas, der sofort die helle Leuchtröhre mit der Hand verdeckte, weil sie mich blendete, während ich auf die Blitzladung wartete. Danach habe ich mich verabschiedet, und kurz danach habe ich Jimi mit Uschi den Club verlassen sehen. Ich bin selbst noch die letzte Stunde ins geöffnete PN nebenan gegangen, wo die BOOTS spielten, die in ihren Pausen drüben bei Jimi waren. Erst einmal den Blitz in der Tonkabine laden, dann noch eine Runde tanzen und nach einer halben Stunde konnte ich mit Bildern von den Musikern und einigen PN Fans den Film vollmachen und nach Hause fahren, um die beiden S/W Filme zu entwickeln. Noch um zwei Uhr nachts habe ich einige Abzüge gemacht und einen 13X18 Abzug mit drei Teilbildern belichtet, die ich dann am Abend vor dem letzten Aufritt zeigen und signieren lassen konnte.

"Der Gitarristengott ist nun schon 50 Jahre tot, seine Musik noch lange nicht!"
"Der Gitarristengott ist nun schon 50 Jahre tot, seine Musik noch lange nicht!" © Ulrich Handl

Am Nachmittag habe ich mir noch einen 400er-Ektachrome-Diafilm geholt. Der Auftritt am Abend fand vor einer neu gestalteten Bühnenwand statt und Jimi hatte zu einer Grünrotschwarz gestreiften Hose ein Blumenhemd, einen bunten Seidenschal und eine indisch gemusterte Jacke an. Diesmal saß ich gleich neben Jimi auf der Bühne und neben mir war auch Bubi Heilemann, Discjockey im PN, mit seiner 6X6 Kamera und ich konnte mit meinem 35mm Objektiv von dort alle Musiker auf einem Bild fotografieren in S/W und Farbe.

Obwohl Chas später in einem Interview sagte, dass Jimi von begeisterten Fans von der Bühne gezerrt worden sei, hat das mir kein Zeitzeuge bestätigt. Ich suche noch jemanden, der mir erzählen kann, wie Jimi von der Bühne kam. Weil wir von der Gitarrenzerstörung alle so begeistert waren und dachten, es gehöre zur Show, hat sich Chas kurz danach entschlossen, dies bei den wichtigen Auftritten mit ins Programm zu nehmen, was dann in den nächsten dreieinhalb Jahren seines kurzen Lebens Jimi mehrmals auf beeindruckende Weise auch getan hat, und trotz der vielen Nachahmer bleibt Jimi bis heute unerreicht. Der Gitarrengott ist nun schon 50 Jahre tot, seine Musik noch lange nicht. Jimi lives for ever!! 

Danke Jimi für die schönen Bilder und die Zeit mit Dir, sagt Ulli Handl.

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